Eigentlich war es eine zahme Veranstaltung – die Podiumsdiskussion zur aktuellen Lage des Dudweiler Krankenhauses, zu der die Dudweiler FDP geladen hatte. Nur einmal kam cts-Geschäftsführer Hans-Joachim Backes aus der Deckung, als Venenspezialist Dr. Stenger die negativen Geschäftszahlen der gynäkologischen Abteilung anzweifelte. Auch Gerüchte um angebliche Fremdinvestoren, die das Krankenhaus übernehmen wollten und mögliche Konsequenzen für das Dudweiler Standesamt kamen auf dem Tisch.

Viel zu erklären hatte Hans-Joachim Backes (l.) bei der Podiumsdiskussion

Viel zu erklären hatte Hans-Joachim Backes (l.) bei der Podiumsdiskussion

Die Diskussionsrunde im Dudweiler Bürgerhof Martin begann recht unspektakulär. Mit geschickten, aber eher harmlosen Fragen gab der Moderator des Abends, FDP-Oberbürgermeister-Kandidat Friedhelm Fiedler, cts-Geschäftsführer Backes zunächst einmal die Gelegenheit, die Situation des saarländischen Krankenhaussystems im Allgemeinen und die besondere Stellung der cts in diesem Feld zu erklären. Mit welchen Widrigkeiten man zu kämpfen habe, weil die Kostenseite teilweise massiv nach oben gehe, während die Einnahmenseite stagniere oder sogar zurückgehe.

Dudweiler Krankenhaus mit jährlichem Defizit von knapp einer Million
U.a. wurde dabei über Fallpauschalen diskutiert, die für jeden behandelten Patient gezahlt werden. Diese reichten aber bei einem kleinen Krankenhaus wie St. Josef mit vergleichsweise wenigen Patienten oftmals nicht aus, um die Ausgabenseite zu decken. Auch die zurückgehende Geburtenrate wurde angesprochen, oder die durch Tarifanpassungen gestiegenen Lohnkosten. Alleine im Bereich Lohnkosten, der mit ca. 13 Millionen Euro den größten Teil der jährlichen Betriebskosten ausmache, musste die Verwaltung in den vergangenen Jahren Mehrausgaben von 700.000 Euro verkraften.

Aktuell sei die Lage des Dudweiler Krankenhauses so schlecht, dass jährlich ein Defizit von knapp einer Million Euro erwirtschaftet werde. Um den Standort Dudweiler zu sichern, seien langfristig Änderungen nötig. “Kleine Abteilungen schaffen es nicht, auf Dauer wirtschaftlich geführt zu werden”, so Backes. Und gerade die Dudweiler Gynäkologie sei zu klein, dass langfristig andere Perspektiven bestehen – selbst wenn nach den jetzt abgeschlossenen Umbauarbeiten die Zahl der Geburten wieder steigen würde. Da helfe auch nicht, dass die Geburtsklinik einen sehr guten Ruf genieße und hier hervorragende Arbeit geleistet werde. Sicherlich gebe es da die “Tradition auf der einen Seite, aber auch wirtschaftlichen Zwang auf der anderen Seite. Und von Tradition alleine kann man nicht leben”, sagte Backes. Tradition sichere keine Gehälter.

"Keine weiteren Schließungen" - das wollte Diskussionsleiter Friedhelm Fiedler (r.) von Backes bestätigt haben.

"Keine weiteren Schließungen" - das wollte Diskussionsleiter Friedhelm Fiedler (r.) von Backes bestätigt haben.

Weitere Abteilungsschließungen kein Thema – Gehaltskürzungen aber nicht vom Tisch
Umgekehrt trat er aber vehement den Befürchtungen entgegen, dass die Schließung der Gynäkologie-Abteilung nur der Anfang einer stückchenweise Schließung weiterer Abteilungen wäre. Er ließ sich von Fiedler sogar darauf festlegen, für die nächsten fünf bis acht Jahre eine Bestandsgarantie für alle weiteren Abteilungen - und damit für den Standort Dudweiler - zu geben. Durch die Verbundlösung würden Rastpfuhl und Dudweiler mit dann rund 550 Betten sogar in die Liga der größeren Krankenhäuser aufsteigen. Alleine Dudweiler solle nach der Umstruktierung über 185 Betten verfügen – deutlich mehr als derzeit.

Was damit allerdings nicht vom Tisch war, war die Frage, ob trotz der Verbundlösung die Dudweiler Belegschaft nicht doch noch mit Gehaltseinbußen zu rechnen habe. Das Stichwort “Notausstiegsklausel” (zeitweiser Ausstieg aus Tarifvereinbarungen) hing dabei wie ein Damokles-Schwert im Raum. Backes konnte aktuell nicht garantieren, dass dieses Thema für die Dudweiler Mitarbeiter nicht doch noch sehr konkret werden könnte. Was in diesem Zusammenhang auf Unverständnis bei der Mitarbeiterschaft stieß, war, dass in einem solchen Falle wohl nur die Dudweilerer betroffen wären. An dem “großen Bruder” Rastpfuhl würde der Kelch wohl vorüber gehen – obwohl beide doch zu einem Verbund, also einem Krankenhaus, zusammengeschlossen werden sollen.

Konzentriert folgte Hans-Joachim Backes den Fragen der Zuhörer.

Konzentriert folgte Hans-Joachim Backes den Fragen der Zuhörer.

Falsch gerechnet? Backes in der Defensive
Richtig Bewegung in die Diskussion kam dann, als die Zuhörer sich zu Wort melden durften. Gut vorbereitet war hier zum Beispiel Dr. Stenger, der Backes eine eigene Rechnung vortrug. Danach schätzte er den Umsatz der Gynäkologie-Abteilung auf rund drei Millionen Euro, kam auf der Ausgabenseite aber nur auf einen Betrag von unter zwei Millionen Euro - also weit von einem Defizit entfernt. Auf diese Rechnung wollte Backes aber nicht eingehen: “Auf dem Niveau diskutiere ich nicht”, so Backes. “Ich brauche das nicht zu widerlegen. Glauben Sie es einfach, dass unsere Zahlen richtig sind, oder lassen Sie es bleiben!” Viel konkreter wollte er nicht werden, verwies lediglich darauf, dass Stenger in seiner Kalkulation einige wesentliche Punkte wie OP-Kosten, Verwaltungsausgaben, Labor und noch mehr vergessen habe. Erst als Moderator Friedhelm Fiedler sich mit dem Kompromiss-Vorschlag einschaltete, dass Herr Stenger in einem gesonderten Rahmen Einblick in die Zahlen nehmen könne, wurde die Diskussion um diesen Punkt beendet.

Aber danach war es wieder Stenger, der das Wort übernahm. Er wollte nach wie vor nicht daran glauben wollte, dass seine Rechnung so falsch sei und vermutete andere Gründe für das Beinahe-Millionen-Defizit des Krankenhauses. Für ihn seien das “hausgemachte” Kosten, die dem kleineren Dudweiler durch den großen Bruder Rastpfuhl aufgedrückt würden. Als Beispiel nannte er die IT-Abteilung, die das Dudweiler Krankenhaus früher in Eigenverantwortung betrieb, die nun aber vom Rastpfuhl mitübernommen werde und seiner Ansicht nach deutliche Mehrkosten verursache. Ähnliche Beispiele gäbe es in anderen Bereichen, wo das Dudweiler Krankenhaus durch die enge Kooperation mit dem Rastpfuhl eher finanzielle Nachteile habe. Aus Backes’ Sicht bringe die Kooperation jedoch viele Vorteile – z.B. wenn man beim Einkauf als großer Abnehmer auftreten könne.

Hebammen: Verbundkrankenhaus könnte Patientinnen verlieren
Einen anderen Aspekt brachten die vertretenen Hebammen in die Diskussion: Sie wiesen darauf hin, dass viele angehende Mütter, z.B. aus dem nahen St. Ingbert, den Wechsel auf den Rastpfuhl nicht mitmachen würden – das Verbundkrankenhaus letztlich also Patienten verlieren werde. Eine Lösung für dieses Problem konnte Backes nicht liefern.

Für viele Anwesende war auch unverständlich, warum mit der Geburtenklinik ausgerechnet das Aushängeschild des St. Josef-Krankenhauses geschlossen werde. Hier hegten sowohl FDP-Fraktionsvorsitzender Gerd Kiefer, als auch Belegarzt Dr. Gombert die Befürchtung, dass dieser Imageverlust dem Krankenhaus enorm schaden könne – so sehr, dass auch in anderen Bereichen die Patienten ausblieben. Und dann würde es mit dem Krankenhaus auf gut deutsch “den Bach runtergehen”, so Gombert.

Gerüchte um Übernahmeangebot
Es waren auch Kiefer und Gombert, die Gerüchte um mögliche Interessenten für eine Übernahme des Krankenhauses ins Spiel brachten. Hier konnten aber weder Backes etwas dazu sagen, noch konnte Fiedler, der nicht zuletzt aus seiner Zeit als SZ-Chefredakteur zu den sehr gut vernetzten und gut informierten Saarländern zählt, solche Gerüchte bestätigen.

Fällt mit der Entbindungs-Station auch das Standesamt weg?
Zuletzt noch ein Punkt, auf den Gerd Kiefer hinwies, und der die Dudweilerer zusätzlich schmerzen dürfte: Wird die Geburtenklinik hier im Stadtbezirk wirklich geschlossen – was erst noch vom Gesundheitsministerium bestätigt werden muss - könnte in der Folge auch das Dudweiler Standesamt auf den Prüfstand geraten. Dessen derzeit stärkste Existenzberechtigung sei die hohe Anzahl der Geburten im Stadtbezirk, so Kiefer - und wenn die wegfielen, entfielen auch die Argumente für den Fortbestand des Standesamtes.

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