Kinderarmut im Regionalverband besonders hoch

(Pressemitteilung des Regionalverbandes) Im Regionalverband Saarbrücken wachsen deutlich mehr Kinder und Jugendliche unter Armutsbedingungen auf als in allen anderen saarländischen Landkreisen. Dies geht aus den Zahlen des neuen Sozialberichts des Regionalverbands hervor, der voraussichtlich Ende Juni erscheinen wird. Demnach sind insgesamt 10.698 Minderjährige (unter 18 Jahre) im Regionalverband Empfänger von Leistungen nach dem SGB II, also Sozialgeld oder ALG II. Fast jedes vierte Kind im Regionalverband erhält Sozialgeld, dies entspricht einem Anteil von 24 Prozent an allen unter 15-Jährigen. In den anderen saarländischen Landkreisen liegt dieser Anteil nach Angaben des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz nur bei durchschnittlich 13 Prozent.

Wie Regionalverbandsdirektor Peter Gillo sagte, führten die mangelnden finanziellen Ressourcen der Eltern dazu, dass elementare Bedürfnisse der Heranwachsenden in Bezug auf Nahrung, Kleidung und Wohnumfeld oft nicht mehr ausreichend erfüllt werden. Dies betreffe nicht nur die von Transferleistungen lebenden Familien, sondern auch die stetig wachsende Zahl von geringfügig Beschäftigten, deren Verdienst zur Sicherung des Lebensunterhaltes nicht mehr ausreicht.

Der Regionalverband hat aufgrund seiner Zuständigkeiten hier mehrere Ansatzpunkte: Im Rahmen seiner Beteiligung am Jobcenter ist er mit dem Thema Existenzsicherung und finanzielle Einkommensarmut beschäftigt, als Schulträger von weiterführenden Schulen trägt er Mitverantwortung für die Bildungschancen junger Menschen und vor allem ist er Träger der Jugendhilfe in seinen zehn Städten und Gemeinden.

Um die Auswirkungen von Kinderarmut zu bekämpfen, hat das Jugendamt des Regionalverbands vor allem seine präventive Jugendhilfe stetig ausgebaut. In den letzten Jahren seien deshalb die Investitionen für präventive Jugendhilfe von zwei Millionen Euro auf rund vier Millionen Euro erhöht worden, so Gillo. Damit würden unter anderem die vier Kinderhäuser finanziert, die der Regionalverband in sozialen Brennpunkten eingerichtet hat. Ziel aller Maßnahmen sei es, so Gillo weiter, den Teufelskreis der Vererblichkeit von Armut zu durchbrechen und so früh wie möglich präventiv zu unterstützen. Hier leisteten auch der Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige, der Ganztagsschulen und der Schulsozialarbeit einen wichtigen Beitrag.

Der Jugendhilfehaushalt in Höhe von rund 91 Millionen Euro stellt den größten Ausgabenposten des Regionalverbandshaushaltes dar. Davon fließen rund 50 Millionen Euro in den Bereich der Hilfen zur Erziehung und der Innobhutnahmen von gefährdeten Kindern und Jugendlichen. Peter Gillo: „Dies alles sind Pflichtaufgaben, die sich aus dem Schutzauftrag des Jugendamtes für Kinder und Jugendliche ergeben. Die sozioökonomischen Bedingungen, unter denen Jugendhilfe im Regionalverband Saarbrücken stattfindet, stellt uns vor ungleich höhere finanzielle Herausforderungen als es in den anderen saarländischen Landkreisen der Fall ist.“

In diesem Zusammenhang appelliert Gillo an das Land, den Regionalverband weiter beim Kampf gegen die Kinderarmut zu unterstützen: „Wenn rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Saarlandes im Regionalverband Saarbrücken lebt und davon fast jedes vierte Kind oder Jugendlicher von Armut bedroht oder betroffen ist, dann ist es eindeutig eine gemeinsame Aufgabe von Regionalverband und Land, dieser Entwicklung entgegen zu wirken.“

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