Fachtagung Inklusion – Förderbedarf von Schulen in den vergangenen Jahren gestiegen

(Pressemitteilung) „Inklusion ist ein hochaktuelles gesellschaftspolitisches Thema, dessen Umsetzung die Zivilgesellschaft in den nächsten Jahren nachhaltig beschäftigen wird.“ Mit diesen Worten gingen Michael Burkert, 1. Vorsitzender des Vereins „Miteinander leben lernen“, und Regionalverbandsdirektor Peter Gillo auf die  Fachtagung „All inklusiv“ ein. Veranstaltet wird die Tagung im vhs-Zentrum am 22. März 2012 gemeinsam vom Jugendamt des Regionalverbandes und dem Verein MLL.

Wie Peter Gillo dabei sagte, bestehe die Herausforderung darin, die Lebensbedingungen und Einstellungen in der Zivilgesellschaft so zu verändern, dass Menschen in ihrer Besonderheit – sei es im Bereich ihrer Lebenseinstellung oder Behinderung  – als Teil der Gesellschaft akzeptiert und aufgenommen werden. Im Regionalverband Saarbrücken sei dabei besonders die Jugendhilfe mit ihrer Zuständigkeit für die Eingliederungshilfe bei seelisch behinderten Kindern gefordert. Hier gebe es große Schnittmengen und gute Arbeitsansätze bei der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule.

Förderbedarf deutlich gestiegen

Der Regionalverbandsdirektor weiter: „So steigt der Förderbedarf von Schulen im Bereich der ambulanten Eingliederungshilfe seit Jahren konsequent an. Das Ausgabenvolumen des Regionalverbandes in diesem Teilgebiet der Jugendhilfe erhöhte sich von rund 180.000 € im Jahr 2004 auf 1,5 Mio € im Jahr 2011 und wird 2012 weiter ansteigen. Für den Bereich der ambulanten Eingliederungshilfe haben wir 1,8 Mio € in den aktuellen Haushalt eingestellt. Bei der Umsetzung arbeiten wir mittlerweile mit 23 verschiedenen ambulanten Trägern zusammen.“

Neben der ohnehin hohen Zahl von individuellen ambulanten Eingliederungshilfen fördere der Regionalverband im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes der Bundesregierung aber auch inklusive Projekte an Schulen. Damit unterstütze man den Inklusionsauftrag des Bildungssystems durch zusätzliche sozialpädagogische Kompetenz.

Lehrercoaching, Schulhelferinnen und Nachmittagsbetreuung

Als konkrete Beispiele nannte Gillo das Coaching für Lehrer, die Nachmittagsbetreuung im Berufsgrundschuljahr, die Schulhelferinnen an verschiedenen Schulstandorten oder die Integration durch Kultur und soziale Identität. Aber auch Projekte wie „Gute Bildung für alle: Bildungsarbeit mit Grundschulkindern“ oder „Schulverweigerung: Die 2. Chance“ hätten sich dabei bewährt.

„Die Jugendhilfe kann dabei sowohl im Einzelfall wie auch strukturell unterstützend wirken“, schränkte Gillo aber ein, „nicht aber den Inklusionsauftrag der Schule übernehmen. Daher ist es begrüßenswert, dass mit dem Modellprojekt der Inklusionsschulen im Saarland, an dem sechs Schulen im Regionalverband beteiligt sind, ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigen Inklusion erfolgen soll.“

Gemeinsame Arbeitsgruppen von Bildungsministerium und Jugendamt

Das Jugendamt des Regionalverbandes versuche durch verbesserte Verfahrensstandards und Gewährungspraxis ambulanter Eingliederungshilfen sowie durch die Initiierung von Pilotprojekten an ausgewählten Schulstandorten den Inklusionsauftrag der Schulen zu unterstützen. Es müsse aber auch deutlich gesagt werden, dass auch und gerade die Schulen erhebliche Anstrengungen insbesondere in Form von neuen Konzepten und strukturellen bzw. personellen Anpassungsleistungen erbringen müssen, damit der Inklusionsauftrag erfüllt wird. Inklusion sei kein isolierter gesellschaftlicher und gesetzlicher Auftrag der Jugendhilfe und könne daher auch finanziell nicht alleine durch die Jugendhilfe gestemmt werden.

Deshalb sei es zu begrüßen, dass sich mittlerweile auch gemeinsame Arbeitsgruppen auf der Ebene des Bildungsministeriums und des Jugendamtes gebildet haben. Damit könne das gegenseitige Verständnis für die verschiedenen Arbeitsaufträge verbessert, der inklusive Gedanke zwischen Jugendhilfe und Schule effektiver vernetzt und gemeinsame Projekte zur inklusiven Beschulung schneller initiiert werden.

Barrierefreiheit nur eingeschränkt finanzierbar

Wie Peter Gillo abschließend sagte, stelle die Inklusion den Regionalverband als Schulträger vor allem in baulicher Hinsicht immer wieder vor große Herausforderungen. „Wir wollen nach und nach die Schulen immer barrierefreier einrichten. Wo immer möglich achten wir auf behindertengerechte Zugänge oder Toilettenanlagen. Alleine im vergangenen Jahr wurden an sieben Schulen im Zuge von Sanierungsarbeiten entsprechende Maßnahmen im Volumen von rund 300.000 € umgesetzt. Aber es geht nicht in allen Fällen. Angesichts eines allgemeinen Investitionsstaus von rund 20 Millionen Euro an all unseren Schulen sind Sondermaßnahmen leider nur sehr beschränkt finanzierbar.“

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