Kultur in der Region – Saarbrücker Sommermusik 2019 ab 26. Juli im Stadtgebiet

(Pressemitteilung) Saarbrücker Sommermusik unter dem Motto „Vernehmlich werden die Stimmen, die über der Tiefe sind“

Theodor Storm, die Musik im Umfeld von Johannes Brahms und die Themen Abschied und Melancholie stehen im Mittelpunkt der Saarbrücker Sommermusik 2019. Die Veranstaltungsreihe beginnt am Freitag, 26. Juli.

Weitere Infos und das Programm zum Download stehen unter www.saarbruecken.de/sommermusik zur Verfügung.

Die Sommermusik verbindet in ihrem Programm jedes Jahr einen literarisch-philosophischen Themenkomplex mit einem dazu passenden musikalischen Schwerpunkt. Diesmal beschäftigt sich die Reihe mit den Themen Melancholie und Abschied, dem Autor Theodor Storm und der Musik des Komponisten Johannes Brahms sowie weiterer Komponisten aus seinem Umfeld wie Robert Schumann und Antonín Dvořák.

Die Spielstätten der Sommermusik – u. a. auch in Scheidt – sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und zeichnen sich durch ihren unterschiedlichen Charakter aus, der den jeweiligen Aufführungen entgegenkommt. Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei.

Ensemblekonzert zum Auftakt am 26. Juli in der Schinkelkirche in Bischmisheim unter dem Motto von Theodor Storm „So war es immer schon“

Die Sommermusik 2019 beginnt am Freitag, dem 26. Juli, um 20:00 Uhr mit einem Konzert des Ensembles „Unterwegs“ in der Schinkelkirche in Bischmisheim. Das ungewöhnliche Quartett aus drei Streichern und einer Sängerin präsentiert unter anderem Liedbearbeitungen von Johannes Brahms und Vertonungen der Lyrik von Theodor Storm durch andere Komponisten.

Ensemble Unterwegs (Foto: LHS Saarbrücken)

Zum Abschlusskonzert am Sonntag, 29. September, spielt das Kammerorchester „Ricercare“. Neben Werken von Clara und Robert Schumann und Antonín Dvořák wird es auch eine Uraufführung eines Werks des Komponisten Boris Yoffe geben. Solist des Abends ist der international hochrenommierte Geiger Kolja Lessing.

Dazwischen liegt ein dicht gewebtes Musikprogramm vieler unterschiedlicher Ensembles, deren Musiker aus der Region, aus anderen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland kommen. Die Saarbrücker Sommermusik bietet auch immer ein Podium für die Saarbrücker Musikszene, die hier ihre Produktionen vorstellen kann – eine Unterstützung und Förderung für die freie Szene in der Landeshauptstadt.

Neben ihren Komponistenschwerpunkten konzentriert sich die Sommermusik immer auf bestimmte Instrumente beziehungsweise Instrumentenkonstellationen. In diesem Jahr stehen Streichinstrumente im Mittelpunkt.

Lyrik und Märchen von Theodor Storm als literarischer Stoff für die Sommermusik

Der Dichter Theodor Storm mit seinem schwermütigen lyrischen Werk, das einige der schönsten deutschsprachigen Gedichte enthält, und seinen teilweise resignativen Erzählungen und Novellen, aber auch seinen phantastischen Märchen steht beispielhaft im Zwischenreich an der Schwelle zur Moderne.

Die großen Themenbereiche Abschied und Melancholie prägten besonders die Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In einer Zeit, in der man spürte, dass eine Epoche zu Ende geht, lag dieses Gefühl wie eine Vorgewitterstimmung in der Luft. Sie entlud sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ästhetische und wissenschaftliche Erneuerungen setzten sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehr und mehr durch. Auch die politischen Eliten, die meist noch von feudaler Herkunft waren, wurden in Frage gestellt. Besonders Intellektuelle und Künstler reagierten darauf mit Verunsicherung. Einerseits schaute man zurück und wollte das Alte bewahren, andererseits beförderte man Ideen des revolutionären Aufbruchs. Der nüchterne Blick des Realismus und die Traumwelten der späten Romantik verbanden sich in einzigartiger Weise.

Johannes Brahms – zwischen klassischer Form und moderner Variationstechnik

Johannes Brahms, wie Storm von norddeutscher Herkunft, ist einer der wichtigsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu seinem Antagonisten Richard Wagner, der die „Neue Musik“ des 20. Jahrhunderts insbesondere mit seinen harmonischen Erneuerungen, aber auch mit seinem Aufbrechen der dramaturgischen Konventionen im Musiktheater „erfunden“ hat, galt Brahms seinen Zeitgenossen eher als bewahrend und rückwärtsgewandt, weil er die klassischen Formen nicht loslassen wollte.

Erst Arnold Schönberg hat in seinem Traktat über Brahms‘ Musik nachgewiesen, wieviel Modernität in dessen genialer Variationstechnik verborgen ist. Brahms ist der ideale Protagonist für dieses ambivalente Lebensgefühl des späten 19. Jahrhunderts und ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar Bewahrender die Kunst reformieren kann. Zumal sich auch seine Musik, ebenso wie Storms Literatur, durch eher schwermütige und resignative Emotionen auszeichnet.

Die Sommermusik 2019 präsentiert dem Publikum die Musik von Johannes Brahms und von Komponistenpersönlichkeiten aus seinem Umfeld wie Schumann und Dvořák. Aber auch die Gegenbewegung, die „Zukunftsmusiker“ wie Wolf und Liszt erhalten einen Platz im diesjährigen Programm. Ein Anliegen der Sommermusik besteht in Neuentdeckungen von Komponisten, die vielen Zuhörern vielleicht noch unbekannt sind, weil der Konzertbetrieb sie über die Jahre vergessen hat. Das Publikum wird auch diesmal der Musik von Zeitgenossen, von Kollegen und Freunden Johannes Brahms‘ begegnen, die sonst eher selten auf den Programmblättern der Konzertveranstaltungen auftauchen. Obwohl die Saarbrücker Sommermusik immer  Komponisten historischer Musik in den Fokus rückt, ist das Festival auch ein Podium der zeitgenössischen Musik, das sich besonders Uraufführungen widmet.

Für die Reihe kooperiert die Landeshauptstadt Saarbrücken mit der evangelischen Kirchengemeinde Saarbrücken Ost, der Synagogengemeinde des Saarlandes, der Stadtgalerie Saarbrücken, dem Amt für Stadtgrün und Friedhöfe, dem Kleinen Theater im Rathaus, dem Theater im Viertel, der Musikschule Saarbrücken, der Kettenfabrik, der Kirche der Jugend eli.ja, dem Kino achteinhalb, der VHS Saarbrücken, dem Saarländischen Rundfunk, der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz sowie dem Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes (Pingusson-Gebäude).

 

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