In erster Linie Dudweilerer, dann Saarländer

Angeregt durch die SR-Programmaktion, die sich auf die Suche nach der Identität der Saarländer macht, habe ich mir mal Gedanken gemacht, was den modernen Saarländer ausmacht und dabei festgestellt: Er fühlt sich zwar als Saarländer, meint aber damit nur seinen Ort und das direkte Umfeld. Und schon gleich vorab: Ich freue mich auf die Kommentare – Zustimmung, Erwiderungen, andere Meinungen!

Der typische Saarländer liebt sein kleines Bundesland über alles und würde es gegen jeden Angriff verteidigen. Gerne auch gegen alle Vernunft – weshalb sich die Frage nach der Eigenständigkeit eigentlich gar nicht stellt. Es gibt wohl sehr viel vernünftige Gründe für eine Fusion mit Rheinland-Pfalz, während der Saarländer nur ein kräftiges „Ich will das nicht“ dagegen stellen könnte. Damit wäre die Diskussion auch beendet.

Dabei hat der typische Saarländer gar keine Ahnung, was das Saarland eigentlich ist. Für ihn besteht das Bundesland nur aus seinem engsten Umfeld. Dem, was er seit Jahrzehnten kennt. Würde man einen Dudweilerer zu einem Zwangsmonat im Hochwald verdonnern – er würde sich niemals heimisch fühlen – obwohl er immer noch im Saarland ist.

Für den Saarland spielt sich sein Bundesland nur im Umkreis von wenigen Kilometern – größtenteils sogar nur innerhalb der Ortsgrenzen statt. Er bezeichnet sich zwar als Saarländer, meint damit in erster Linie aber „Daarler“, „Dengmerter“, „Werzbacher“ oder „Dudwillerer“.

Nicht wirklich offen gegenüber Fremden
Er sieht sich gerne als offen gegenüber Fremden und Zugereisten – was aber nur die halbe Wahrheit ist. Wird ein Fremder über einen Bekannten in die Gesellschaft eingeführt, ist er direkt Willkommen: „Mein Haus ist Dein Haus“ – oder besser „Mein Urpils ist Deins“. Aber wehe, ein Zugereister versucht auf eigene Faust, Kontakte zu knüpfen … Wenn überhaupt, wird es lange dauern, bis er im Verein akzeptiert ist.

Früher spielte die Kirche auch eine große Rolle für den Saarländer – aber nicht mehr im Jetzt und Hier. Für ihn ist die Arbeit in der Kirchengemeinde auch nichts anderes als ein Verein – und sein Engagement steigt und fällt mit der Sympathie für die Personen, die mitarbeiten oder die als Pfarrer die Gemeinde führen.

Von wegen „Vereinsmensch“
Apropos Vereinsleben: Ja, der Saarländer ist in mehreren Vereinen „aktiv“ – wobei der Grad der Aktivität von Jahr zu Jahr abnimmt. Gerade die nachwachsende Generation ist immer weniger bereit, Verantwortung zu übernehmen oder sich längerfristig zu binden. Die Vorstandsarbeit in den Vereinen wird nur noch auf wenige Schultern verteilt und für viele Vereine wird in naher Zukunft wohl die Auflösung anstehen – einfach weil der verantwortungsbewusste Nachwuchs fehlt.

Die Welt des Saarländers dreht sich zunehmend um sich selbst – oder, wie oben schon erwähnt, um sein direktes Umfeld. Natürlich klebt der Saarländer, wenn es um seine typischen Eigenschaften geht, an Klischees, die er schon von Kindheit an gelernt hat: Schwenker, Lyoner und Maggi gehören dazu – einfach, weil es ihm vertraut ist und weil er zumindest davon ausgeht, dass ihn diese Klischees einzigartig machen gegenüber dem restlichen Deutschland. Wenigstens etwas, worauf er Stolz sein kann – in einem Land, dass arm an Sehenswürdigkeiten, Naturschätzen, herausragenden Musikern oder bekannten Persönlichkeiten ist.

Geht man in die Details, so wird man sicherlich unterschiedliche „Typen von Saarländern“ feststellen können – vermutlich stark abhängig vom Bildungsgrad, sozialen Stand, sprachlicher und regionaler Heimat (ländlich oder städtisch).

Man muss ihn trotzdem schätzen
Aber muss man den Saarländer deswegen verdonnern – wegen seiner Egozentrik und Engstirnigkeit? Keineswegs, denn gehört man einmal zum engsten Kreis, so kann man sich voll auf ihn verlassen. Wenn es irgendetwas am Haus zu reparieren gibt, man eine Autowerkstatt sucht oder es etwas zu organisieren gibt – der Saarländer wird schon einen kennen, der einen kennt, der helfen kann.

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2 Thoughts to “In erster Linie Dudweilerer, dann Saarländer”

  1. Harald Groß

    Bevor ich diesen Beitrag beginne, möchte ich darauf hinweisen, das er mit Humor genommen werden sollte – falls in ausreichenden Mengen vorhanden…

    Nun ja, dass mit seinem Ort stimmt auch nur bedingt.In Wirklichkeit macht der Saarländer im Allgemeinen und gerade der Dudweilerer im besonderen, hier noch wesentlich feinere Unterschiede.
    Zu der Zeit, als ich noch als Kurzer durch die Gegend gerannt bin,-zum Ende der „wilden“ siebziger Jahre- war unser Heimatort noch aufgeteilt in „Flitscher“, „Rehbacher“, „TN-Heimer“, „Kittebongate“ und „denne vom Hofwää“.
    Und das waren nur die aus Dudweiler Nord.
    Es war auch so, dass zumindest unter uns Kurzen eine Stadtteilkonkurrenz existierte die, hin und wieder, auch handgreiflich wurde.
    Was aber alles nichts mehr zu bedeuten hatte, wenn,
    ….wenn…., sich mal einer aus Dudweiler Süd,…oder noch schlimmer…,aus Sulzbach bei uns eingeschlichen hatte.
    Dann haben wir zusammengehalten. War derjenige wieder weg, ging es wieder von vorne los.
    Kommt das jemandem irgendwie bekannt vor? Noch nicht?
    Na gut, kommen wir später darauf zurück.

    Was die Zusammenlegung mit Rheinland-Pfalz angeht, auch hier gibt es parallelen zu deutschlandweit sehr guten Bekannten, aber wie schon gesagt…dazu später mehr.

    Was „nicht wirklich offen gegenüber Fremden“ angeht…na ja…sagen wir mal so. Hier kommt es ganz darauf an, WIE der Fremde der eigenständig Kontakte sucht, an diese Aufgabe herangeht.
    Mit einem freundlichen, kontaktfreudigen „tschuldigung, awwa kinnd des soi, das des Karslbeerch-Bier, oine a bissel zu bittere Note hädd“ schließt man bestimmt keine spontanen Freundschaften im Saarland.
    Hingegen mit einem „Eier Fleischworschd iss awwe gud gewirzd, mei liebe Mann“ erntet man zumindest mal einen aufklärenden Satz darüber, dass es sich hierbei nicht um „Fleischwurschd“ sondern „Lyoner“ handelt und je nach Stimmungslage und Ur-Pils Pegel des angesprochenen Saarländers, wird dann das Gespräch mit einem gebrummten „Von hier bischd du awwa nidd“ in Gang gesetzt.
    Der geneigte Kontaktsuchende sollte sich dann von der brummigen Art des angesprochenen Eingeborenen nicht beeindrucken lassen und frank und frei seine Abstammung gestehen.
    Ich könnte das jetzt noch weiter ausführen, aber ich denke mal das würde den Rahmen hier sprengen. Anmerken möchte ich jedoch das auch hier eine paralle zu den deutschlandweit sehr guten Bekannten vorliegt.
    So hat zum Beispiel ein älterer Mitbürger dieser Bekannten
    -mit Vehemenz und Überzeugung- den im Saarland wahrhaft Richtungsweisenden Satz geprägt „Ich habe nichts gegen Fremde, einige meiner besten Freunde sind Fremde, aber diese Fremde da…die sind nicht von hier!“

    Trotz dieser Aussage die, auf den ersten…und vielleicht auch auf den zweiten…Blick, eher auf eine fremdenuntaugliche Gesellschaftsform schliessen lässt, gibt es doch eine Menge Leute von „auswärts“ -oder schlicht aber ergreifend auch „von driwwe“ genannt- die eigentlich nur zwecks eines Studiums hierhergekommen sind, sich aber letztlich nicht mehr vom Saarland trennen konnten.
    Kurioserweise sagen diese „Auswärtigen“ wenn sie mal auf „Auswärtsbesuch“ bei Eltern oder Großeltern in ihrem früheren Heimatort waren, dass sie froh sind jetzt wieder „dehemm“ zu sein.
    Da dies mit Mitbürgern aus allen möglichen Bundesländern passiert, scheint es hier doch etwas zu geben, was anderen fehlt und das Saarland lebenswerter scheinen läßt…was immer das auch ist.

    Was das Vereinsleben des Saarländers, oder das vermehrte Nachlassen desselben angeht, so bleiben hier nur Vermutungen. Jedoch ist für mich die Theorie am wahrscheinlichsten die besagt, dass der Saarländer im allgemeinen seine Bequemlichkeit mag, aber nicht umhin kommt hin und wieder -auch zum eigenen Nutzen- gesellig zu sein, da man anders nicht in Genuß über den neuesten Klatsch und Tratsch über Freunde, Bekannte oder auch Fremde kommt. Übrigens, auch solche sogenannte „Soschiell Neddwörgs“ laufen bei dem Saarländer unter „Gesellig sein“.
    Vereinen sie doch die häusliche, bequeme Trautsamkeit UND das Gesellig sein sozusagen in einem Arbeitsgang. Wenn sich das weiter ausbreitet, haben die eher traditionellen Modelle – wie Vereine oder ähnliches- wohl keine große Zukunft mehr…außer bei einem langanhaltenden Stromausfall.

    Mit einem augenzwinkernden Schmunzeln las ich folgendes Zitat in obenstehendem Beitrag:

    Geht man in die Details, so wird man sicherlich unterschiedliche “Typen von Saarländern” feststellen können – vermutlich stark abhängig vom Bildungsgrad, sozialen Stand, sprachlicher und regionaler Heimat (ländlich oder städtisch).
    Quelle: Thomas Braun in dudweiler-blog.de 😉

    Denn dieses Zitat zeigt ja, dass auch sie von dem -von ihnen selbst genannten- Usus Gebrauch machen, den Saarländer zuerst in seiner unmittelbaren Umgebung zu sehen und dann erst als Saarländer…..aber das nur nebenbei 😉

    Zusammenfassend kann man wohl sagen, das der Saarländer -egal aus welchem Teil des Saarlandes er stammt- grundsätzlich gegen eine Fremdbestimmung von „auswärts“ ist- selbst wenn „auswärts“ nur die nächstgrößere Stadt ist.
    Unter dieser Prämisse ist eine Zusammenlegung mit „da Palz“so etwas wie Ketzerei, Hochverrat, oder auf Holzkohle schwenken….und soll Gerüchten zufolge in einigen abgelegenen Teilen des Landes auch noch als solche Kapitalverbrechen bestraft werden.
    Der Saarländer streitet gern, ab und zu auch nur um des Streitens willen. Aber gibt es eine „Bedrohung von außen“ halten sie so fest zusammen, das es so gut wie kein durchkommen gibt. Der Saarländer ißt und trinkt gerne und macht es sich gerne einfach…bequem halt.
    Er kann aber auch anpacken und scheut für Freunde und Verwandte keine harte Arbeit.
    Trotz rau(h)er Schale hat er einen gutherzigen Kern und ich habe noch nie erlebt, das ich abgewiesen worden wäre, wenn es darum ging nach dem Weg zu fragen oder eine kleine Gefälligkeit erfüllt zu bekommen, obwohl ich den Leuten vollkommen fremd war. Der Saarländer hat eine Kultur die es zu erhalten lohnt und es gibt hier mehr Sehenswürdigkeiten als man denkt.
    Zum Beispiel haben wir einen Anteil an „Unter- der- Hand-Gefälligkeiten“ den die Welt noch nicht gesehen hat….
    Ach und was die bundesweit Bekannten angeht, von deren Ähnlichkeiten mit uns ich geredet habe…
    Nun ja, sie leben in ihrem kleinen Bundesland, sehen alles nichtsaarländische als zumindest fragwürdig an, sind gesellig,essen, trinken und streiten gern, halten aber zusammen wie Pech und Schwefel wenn „Eindringlinge“ auftauchen und wehren sich schon seit ewigen Zeiten gegen den Ursupator.
    Das erinnert doch verblüffend an ein kleines gallisch-keltisches Dorf, dessen Einwohner sehr sehr ähnliche Eigenschaften haben und dessen Schöpfer aus Frankreich kommen.
    Aber, ob diese Eigenschaften nun typisch französisch oder eher typisch keltisch sind, darüber erlaube ich mir keine Meinung….ich bin doch nicht blöd 😉

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  2. Hans

    Oh ja Harald, ich kenne noch die „Stadtteilschlachten“. Ich als „Süder“ hatte es ja bis zu den „Hohlern“ (für nicht Dudweilerer d.w. die „Hofweger“) oder „Paffekopper“ nicht weit und da waren Rangkämpfe sogar in der Turmschule zu bestehen. Aber ging es gegen die „Stadt“ da haben wir alle zusammengehalten.
    Ja und wenn im Saarland jemand besonders misstrauisch gegen Obrigkeit ist, dann sind es die Dudwillerer. Allein gegen die Stadt SB schwillt jedem Dudwillerer de Kamm.

    Das ich mal 22 Jahre inne Palz geschafft hann als Saarländer, daß war eine harte aber erfolgreiche Schule.
    Heute weiß ich wie die Pälzer ticken und erkenne immer wann die uns „einverleiben“ wollen!
    Darum wehret den Anfängen, kein UR-Pils und Lyoner in den Export.
    Die Pälzer Kopien–Fläschwurschd und BBK-Bier– können die auch behalten. Ich will das nicht mehr.*lol*

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