Standortwahl für die Europäische Schule Saar (ESS)

Ausschnitt aus OpenStreetMaps: https://www.openstreetmap.org/#map=19/49.275898/7.028707

Am 20. Juni 2025 schrieb die Saarbrücker Zeitung “Standort gefunden: Jetzt ist klar, wo die Europäische Schule Saar (ESS) gebaut werden soll“. Diese Aussage hat eine sehr hitzige Diskussion in Dudweiler losgetreten, online wie offline wird das Thema stark diskutiert. Der 1. CKF Dudweiler e.V. fürchtet um seinen Minigolfplatz und Bürger:innen sammeln Unterschriften gegen das Bauvorhaben. Das Dudweiler-Blog hat mal genauer nachgefragt, was der Stand der Dinge ist.

Die Schulträger (Regionalverband und Landeshauptstadt) haben sich für den Standort in Dudweiler eingesetzt, das Land wollte auf dem Wackenberg bauen. Aktuell sieht es so aus, als haben sich die Schulträger durchgesetzt und die neue Schule soll nach Dudweiler kommen. Wie der Regionalverband mitteilt, ist das aber längst noch nicht endgültig geklärt. Insbesondere gibt es aktuell noch keine Beschlussvorlagen, geschweige denn einen Beschluss, in den demokratischen Gremien dazu. Worüber zur Zeit diskutiert wird, ist lediglich der Diskussionsstand innerhalb der Verwaltungsbehörden.

Die Darstellung der Saarbrücker Zeitung, welche den Eindruck erweckt, dass bereits alles beschlossen und auf dem Weg sei, bis auf die Finanzierung, ist dahingehend irreführend. Nachvollziehbar natürlich, dass der 1. CKF Dudweiler e.V. um sein Gelände fürchtet und die Anwohnenden nicht nur für den Erhalt des Minigolfplatzes, sondern auch der Sulzbachtalaue kämpfen.

In Reaktion auf den Artikel der Saarbrücker Zeitung, hat der Minigolfverein eine Stellungnahme verfasst:

Ich habe da keine Worte mehr.

Unsere Minigolf-Anlage in Dudweiler soll weg??? Um dort eine europäische Schule zu errichten. Wir empfinden das als zutiefst enttäuschend und respektlos gegenüber der bestehenden Freizeit- und Sportkultur vor Ort.
Die Minigolf-Anlage ist ein lebendiger Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen – ein Ort, an dem Gemeinschaft, Bewegung und Freude ganz selbstverständlich zusammenkommen. Gerade in den letzten Jahren erlebte die Anlage einen spürbaren Aufschwung: steigende Besucherzahlen, regelmäßige Veranstaltungen, wachsendes Interesse – all das zeigt den kulturellen und sozialen Wert dieses Ortes für Dudweiler und die umliegende Region.
Dass über den Kopf der Nutzer*innen und der örtlichen Bevölkerung hinweg entschieden wurde, ist Ausdruck einer bedauerlichen Gleichgültigkeit gegenüber zivilgesellschaftlichem Engagement und gelebter Freizeitkultur.
Ist es wirklich notwendig, einen funktionierenden, beliebten und gesellschaftlich wichtigen Ort wie diesen ersatzlos zu opfern? Dabei gibt es sicherlich genügend alternative Standorte, an denen eine solche Schule gebaut werden kann – ohne dass bestehende Strukturen und beliebte Freizeitangebote zerstört werden müssen.
In diesem Zusammenhang würde ich mich ehrlich freuen, wenn das Projekt letztlich an der Finanzierung scheitert. Wir hoffen sehr, dass der Regionalverband seine Entscheidung überdenkt – im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, die diese Anlage mit Leben füllen.

Alexandra Schmidt, 2. Vorsitzende Minigolf Dudweiler

Das Dudweiler-Blog hat dazu per E-Mail folgende Fragen an das Rathaus Dudweiler gestellt:

  1. Steht inzwischen fest, dass die Schule nach Dudweiler kommt?
  2. Der aktuell öffentlich diskutierte Standort ist auf dem Gelände gegenüber der Gemeinschaftsschule. Ist das bereits beschlossen?
  3. Ist es korrekt, dass die Minigolfanlage des 1. CKF Dudweiler dafür weichen muss?

Folgende Antwort kam von der Abteilung Marketing und Kommunikation der Landeshauptstadt zurück:

Die Entscheidung über den künftigen Standort der Europäischen Schule liegt bei den Schulträgern, also dem Regionalverband und der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Um den geeigneten Standort zu finden, sind umfassende und komplexe Prüfungen nötig, die unter anderem bauliche, denkmalpflegerische, pädagogische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Aus Sicht der Schulträger eignet sich der Standort Wackenberg nicht als Endstandort für die Europäische Schule. Das Grundstück an der Sulzbachtalaue hat die notwendige Größe und Infrastruktur und ist aus Sicht der Schulträger der einzig sinnvolle Standort. Er bietet viele Vorteile: eine gute Verkehrsanbindung, angrenzende Sportanlagen sowie Kinderbetreuungseinrichtungen und ein insgesamt sehr gutes Entwicklungspotenzial für eine neu zu errichtende moderne Schule.

Ein konkreter Zeitpunkt für die abschließende Entscheidung steht noch nicht fest. Bei den politischen Gremien stand bisher noch keine Beschlussfassung an. Auch die Finanzierung des Großprojektes ist noch nicht abschließend geklärt. Aufgrund der hohen Investitionssumme und der Vielzahl beteiligter Institutionen ist eine sorgfältige Abstimmung erforderlich. Erst wenn ein Standort feststeht, können belastbare Kosten ermittelt und mögliche Fördermittel des Bundes oder der EU geprüft werden. Voraussetzung dafür ist in der Regel eine abgeschlossene Entwurfsplanung.

Untersuchungsgebiet in der Sulzbachtalaue ist die Fläche zwischen dem Schwimmbad und dem Kunstrasenplatz. Wo die Schule darauf ihren endgültigen Standort findet, ist noch nicht abschließend geklärt. Ziel ist es, das Biotop beim Bau weitestgehend zu erhalten.

Außerdem hat das Dudweiler-Blog zwei Informationsfreiheitsanfragen über FragDenStaat.de gestellt. Jeweils eine an den Regionalverband und eine an die Landeshauptstadt. Die Landeshauptstadt hat bisher nicht geantwortet, dafür aber der Regionalverband, der etwas mehr Kontext in das Thema bringen konnte. Insbesondere der Hinweis, dass es sich bisher nur um Ideen in den Ämtern handelt, die noch keinem Gremium, also weder dem Schul- noch dem Bauausschuss, geschweige denn dem Regionalverbandsausschuss oder der Regionalversammlung vorgelegt wurden. Da noch keine Beschlussvorlagen für die demokratischen Gremien existieren, kann auf eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz an der Stelle nichts herausgegeben werden.

Worauf weder der Regionalverband noch die Landeshauptstadt eine Antwort geben, ist die Frage, ob der Minigolfplatz weichen muss, wenn der Standort endgültig wie diskutiert festgelegt wird. Auch haben wir von keiner Stelle eine Antwort auf die Frage bekommen, welche weiteren Standorte zur Diskussion standen oder stehen.

Alles in Allem bleibt damit die Situation unklar. Die aktuelle Diskussion befasst sich, so die Aussage aus dem Landesverband, lediglich mit der “aktuelle[n] Meinung in den zuständigen Verwaltungsbehörden”, die weitere Entwicklung bleibt damit abzuwarten. Das heißt aber auch, dass die Bürger:innen noch gute Chancen haben, mit der Unterschriftensammlung auf diese Entwicklung Einfluss zu nehmen, sodass am Ende vielleicht eine Lösung entstehen kann, die alle Beteiligten zufriedenstellt.

Korrektur: Im ersten Entwurf des Textes stand, dass der 1. CKF Dudweiler die Unterschriftensammlung durchführt. Das ist nun korrigiert, die Anwohner:innen und interessierte Bürger:innen sind für die Unterschriftenaktion verantwortlich.

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