„Peter Herres“ – Ein Dudweiler Suchbild entschlüsselt

Dudweiler verändert sich und hat sich schon immer verändert

Vor einiger Zeit erreichte die Dudweiler Geschichtswerkstatt (DGW) aus Luxemburg eine Anfrage unter Vorlage dieser alten Postkarte:

1913

Befindet sich auf der Rückseite des Fotos im Postkartenformat die eingedruckte Anschrift eines Hamburger Fotografen und eine unleserliche Beifügung, so spricht alleine die handschriftliche Einfügung auf der Fotoseite „Peter Herres Dudweiler“ zu einem Bezug zu unserem Ort.

Wer an dieser Stelle selbst rätseln will, sollte vorerst nicht weiter scrollen.

Hier erst einmal – sozusagen als Stopper für eventuelle Rätsellöser – die Rückseite der mit Einverständnis des Übersenders, dem luxemburger Familienforscher Jean-Claude Thies, veröffentlichten Fotopostkarte als weitere und zugleich einzige Information am Beginn der Recherche:

Was zuerst nämlich auch den Mitarbeitern der Dudweiler Geschichtswerkstatt ein Rätsel war, konnte dann doch geklärt werden:

Ein Ansatzpunkt hierzu war die Namensangabe „Peter Herres“. Er findet sich nämlich in alten Dudweiler Adressbüchern. Ein erster Adressbucheintrag mit diesem Namen aus dem Jahr 1906 weist auf die „Provinzialstraße 242“, also auf die jetzige Saarbrücker Straße, hin. Das ist die Hausnummer, die heute das Geschäftshaus, in dem sich auf der Ecke zum Marktplatz der Rostwurstverkauf von Wolfgang Sämann befindet. Auf alten Fotos ist zu sehen, dass sich dort vor Bau des Geschäftshauses ein Bauernhaus mit Scheunentor zur Saarbücker Straße hin befunden hat. Unter dieser Adresse fiermierte Peter Herres als Händler mit „Landesprodukten“, er hat also mit Saaten, Getreide, Dünger, Futtermittel etc. gehandelt. Das Adressbuch Dudweiler von 1909 weist dann unter „Landesprodukte“ die Eintragung: „Herres, Peter, Sudstr. 2“ auf. Diese Hausnummer trägt seit dem Umbau des dortigen Hauses 1909/10 das Wohn- und Geschäftshaus mit dem früheren „Café Strohfus“ gegenüber dem „Ülo“ (früher „Württemberger Hof“).

Keine dieser Adressen lässt ersichtlich eine Zuordnung zu dem Foto zu. Erst mit Hilfe des Dudweiler Adressbuchs von 1913 kommt man dem dort abgebildeten Haus auf die Spur. Dort firmiert Peter Herres mit dem Zusatz „Handlung“ nämlich in der Brückenstraße 13, der heutigen Rathausstraße 13.

Schaut man sich vor Ort das Haus unter dieser Hausnummer an, stellt man fest, dass es vollkommen anders aussieht, als das auf dem alten Foto abgebildete Haus.

2021

Allerdings stimmen auf den ersten Blick die Größenverhältnisse überein. Auch der linksseitige Ansatz des Schaufensters entspricht mit seinem Abstand zum benachbarten Haus Nr. 11 der Ansicht auf beiden Fotos. Auch die linksseitig im Bürgersteig sichtbare Abdeckung einer Bodenöffnung entspricht jedenfalls der Lage nach der Kellerzugangsklappe auf dem alten Foto, auch wenn die dort die gesamte Tiefe des abgebildeten Bürgersteigs überspannt. Das danach weiter verbleibende Rätsel um das Haus löst sich allerdings, wenn man das linksseitig angebaute Haus in der Rathausstraße 11, soweit es auf dem alten Foto zu sehen ist, in die Betrachtung einbezieht. Dieses Haus ist nämlich nur wenig verändert und hat seinen alten Charme erhalten.

Der Eingang des Hauses mit der Nr. 11 entspricht auch heute noch weitgehend dem auf dem alten Foto, auch wenn dort inzwischen eine neue weiße Haustür eingebaut ist. Vor allem ist die Gaube, die man auf dem alten Foto sieht, noch ebenso vorhanden wie die dort gerade noch sichtbare Fensterlaibung. Auch ansonsten hat die Fassade dieses Hauses den Charme der sog. Gründerjahre konserviert. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Relikt aus vergangener Zeit im Straßenbild von Dudweiler erhalten bleibt.

Das Rätsel ist damit gelöst. Das alte Foto zeigt das Haus in der Rathausstraße Nr. 13. Allerdings ist es im Laufe der Jahre radikal, um nicht zu sagen brutal, modernisiert worden. Einige werden sich noch daran erinnern, dass in dem Bereich des heutigen Ladenlokals mit dem eigenen Eingang in den 1970er Jahren das „Altberliner Buffet“ – kurz „es ABB“ genannt – eröffnet worden ist – eine vor allem bei den Twens dieser Jahre angesagtes Lokal – ein schlauchartiger Raum mit langem Buffet und nur wenigen Sitzplätzen zur Rückfront hin.

Leider verfügen wir weder über Fotos des Hauses Rathausstraße 13 und Infos über seine kommerzielle Nutzung aus jüngerer Zeit. Das gilt auch für das „ABB“ und das Haus daneben mit der Nr. 11. Wer dazu mehr weiß und mit Fotos oder Infos beizutragen bereit ist, kann uns gerne über die E-Mail-Adresse der Dudweiler Geschichtswerkstatt kontaktieren: dudweiler977@dudweiler-geschichtswerkstatt.de

Gespannt kann man sein, wie sich das Haus und der Ortsbereich, in dem es steht, in Zukunft weiter verändern wird. Hinter der Schaufensterscheibe des Ladens im Haus Nr. 13 kann man Infos erkennen, die darauf hindeuten, dass sich hier erneut bauliche und nutzungsmäßige Änderungen anbahnen – das Dudweiler Zukunfts-Projekt „Dudo-Park“ des innovativen Investors Knut Meierfels (Dudweiler Blog hat berichtet).

Dudweiler hat sich, wie dieses kleine Beispiel zeigt, stets verändert und wird sich weiter verändern – hier und jetzt mit einer hoffnungsvollen, visionären Option, wie sie zur Zeit das Plakat im Fenster des weiter linksseits benachbarten Eckhauses, der früheren „Rathaus Apotheke“, ankündigt.

Bericht: Helmut Sauer – Fotos: Slg. DGW und Autor


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