Ein Impuls aus christlicher Sicht in Zeiten der Krise – „Frag deine Hand!“

Die Tageslosung zum 8. Juli 2020 – Ein „Impülschen“ von dem Dudweiler Pfarrer Heiko Poersch

Die Losung für den 8. Juli finden wir in Jesaja 29,14:

„Ich will auch hinfort mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs Wunderlichste und Seltsamste, dass die Weisheit seiner Weisen vergehe.“

Und im Markusevangelium heißt es in Kapitel 6,2:

„Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände?“

Dazu eine Kurzgeschichte nach Michael Stollwerk (in dem schönen Andachtsbuch Frische Brise für die Seele: 366 Geschichten, die einfach gut tun ):

„Ein für seine Weisheit bekannter Rabbi trifft auf einen für beißenden Spott nicht minder bekannten Zyniker. „He Rabbi fährt ihn der Spötter an, „in meiner Hand befindet sich ein Sperling. Sage mir, wird der Vogel fliegen, wenn ich sie öffne, oder: wird er sitzen bleiben?“ – Der Rabbi durchschaut, dass der Frager keine echte Antwort hören, sondern ihn nur der Lächerlichkeit preisgeben möchte. Denn würde er sagen: „der Vogel wird fliegen“, so würde der Zyniker seine Faust etwas fester schließen und dem Sperling damit die Flügel brechen. Würde er aber antworten „der Vogel wird auf deiner Hand sitzen bleiben“, so würde der andere seine Faust öffnen und den Sperling in die Freiheit entlassen. Also beschließt der Rabbi, sich auf ein längeres Wortgefecht nicht einzulassen. Unverdrossen geht er ein paar Schritte weiter, wendet sich dann um und ruft dem Zyniker zu: „Frag deine Hand. Sie ist es, die dir die Antwort geben wird.“

„Frag deine Hand!“ – dieser Ratschlag des Rabbis trifft auf viele Situationen zu, in denen Probleme angesprochen werden, für deren Lösung wir zumindest Mitverantwortung tragen. Warum lässt Gott so viel Elend und Ungerechtigkeit auf der Welt zu? Frag deine Hand! Hunger und Armut sind kein gottgewolltes Verhängnis, sondern das Ergebnis menschlicher Unzulänglichkeit im Blick auf die gerechte Verteilung der Güter dieser Erde. Warum kümmert sich keiner um die Obdachlosen in unserer Stadt? Frag deine Hand! Vielleicht bin ich derjenige, durch den Christus eine erste kleine Initiative starten möchte. „Gibt es niemand, der mich wirklich mag?“ – Frag deine Hand! Warte nicht bis jemand, mit dem Angebot der Freundschaft auf dich zukommt, sondern schenke Vertrauen, Zeit und Zuwendung. Wird der Vogel fliegen? Du selbst hast es in der Hand.“

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