Gegen das Ausbluten der Randbezirke – Dudweiler Bürger machen mobil gegen die Landeshauptstadt

"Ich lebe gern in Dudweiler"
Ralf-Peter Fritz und Karin Schmücker vom Verkehrsverein bekennen sich klar zu Dudweiler. (Foto: Thomas Braun)
Ralf-Peter Fritz und Karin Schmücker vom Verkehrsverein bekennen sich klar zu Dudweiler. (Foto: Thomas Braun)

Es ist eine teils verheerende Sparorgie, die aus dem Saarbrücker Rathaus auf Dudweiler zurollt. Es geht im Prinzip um alles, was eine bürgernahe Verwaltung ausmacht: Seien es die kurzen Wege ins Rathaus, wenn der Nachwuchs im Kloster das Licht der Welt erblickt hat und eine Geburtsurkunde benötigt wird. Oder wenn der Wunsch besteht, in Dudweiler zu heiraten – oder wenn eine Sterbeurkunde benötigt wird. Betroffen wäre auch die Genehmigung von Veranstaltungen oder das Ausstellen einer Ausschankgenehmigung – und auf lange Sicht möglicherweise auch die Zulassung oder Ummmeldung von Pkw. All das, was bislang in Dudweiler möglich ist, soll nach dem Willen der Verwaltung ab 2014 nach Saarbrücken verlagert werden und bereits Ende Januar vom Stadtrat beschlossen werden.

Auch die mit Unterstützung der Bezirksverwaltung stattfindenden Seniorenfahrten könnten auf der Kippe stehen, ebenso die schnelle Hilfe bei Obdachlosigkeit, die gerade erst kürzlich nach dem Brand einer wohnung am Ellernsteg von so großer Bedeutung war.

Acht Stellen sollen wegfallen, der Bauhof nicht mehr unter eigener Verwaltung stehen

Insgesamt sollen durch den Wegfall der Bezirksverwaltung in Dudweiler acht Stellen eingespart werden, zuerst würde es vermutlich das Standesamt und die Ortspolizeibehörde treffen. Außerdem würde Dudweiler natürlich keinen eigenen Bürgermeister mehr haben – was weitreichende Folgen haben könnte, wie der Bezirksbeigeordnete Jörg Sämann auf einer Bürgerversammlung am Donnerstag im TuS-Heim in Herrensohr erklärte: “Wir haben ein großes Plus mit dem hauptamtlichen Bürgermeister, weil er direkten Zugriff auf den Bauhof hat.” Und der kann bei baulichen Missständen im Stadtbezirk schneller eingreifen.

Auch das Bürgeramt soll den Plänen zufolge von der Dudo-Galerie zurück ins Rathaus verlagert werden – vor allem um die Mietkosten zu sparen. Zurück bliebe ein weiterer großer Leerstand in der Stadtmitte. Insgesamt erhofft sich die Saarbrücker Verwaltung durch die Maßnahmen Einsparungen in Höhe von 730.000 Euro.

Dudweiler Bäder von der Schließung bedroht

Doch die Abschaffung der Bezirksverwaltung und der Wegfall der Dudweiler Sonderstellung ist womöglich erst der Anfang einer weitreichenden Sparorgie, bei denen die Randbezirke zu Gunsten der Kernstadt bluten sollen. Mit Spannung wird zum Beispiel das für Januar angekündigte Bäderkonzept erwartet – ein von der Stadt für mehrere zehntausend Euro beim privaten Betreiber des Calypso-Bades in Auftrag gegebenes Gutachten. Bereits jetzt zeichnen sich die Erkenntnisse daraus ab: Saarbrücken hat zu viele Schwimmbäder – mindestens eins, eher sogar mehr, wie die Saarbrücker Stadträtin Karin Burkart erklärte: “Zwei Bäder stehen zur Disposition. Das wird ein hartes Ringen”. Vor allem, weil natürlich nicht in der Kernstadt, sondern in den Randbezirken gespart werden soll. Und es braucht keinen Propheten, um vorauszusagen, dass mindestens eines der beiden Dudweiler Bäder von der Schließung bedroht sein wird.

Und damit nehmen die Hiobsbotschaften kein Ende: Auf lange Sicht wird wohl auch über die Sportstätten diskutiert werden müssen. Wie viele in welchem Zustand und zu welchen Kosten kann sich Saarbrücken leisten? Auch wenn hier vielleicht keine Hallen oder Plätze geschlossen werden, so steht doch zumindest zu befürchten, dass auf die Vereine höhere Mieten zukommen.

Mehr als 60 Bürger waren zu der Versammlung gekommen (Foto: Thomas Braun)
Mehr als 60 Bürger waren zu der Versammlung gekommen (Foto: Thomas Braun)

Schulterschluss mit den anderen Außenbezirken suchen

Die Dudweiler Bürger, Politiker und verschiedene gesellschaftliche Gruppen wollen sich dieses Sparen auf Kosten der Außenbezirke nicht länger gefallen lassen. Mehr als 60 Bürger, Vertreter von Parteien, Vereinen und der Dudweiler Kaufmannschaft waren am Donnerstag zu der kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung ins TuS-Heim gekommen. Zunächst ging es darum, sich über die Pläne aus Saarbrücken zu informieren – aber auch nach Gegenmaßnahmen zu suchen. Und dabei ging es den Beteiligten nicht darum, in Dudweiler etwas “Besonderes” zu erhalten, sondern in erster Linie den aktuell vorherrschenden Zentralismus zu stoppen. Es könne nicht sein – so Sämann – dass aus den Außenbezirken alles in die Kernstadt geholt wird.

Deswegen soll auch der Schulterschluss mit den anderen Außenbezirken gesucht werden – und zusammen gehandelt werden. Noch innerhalb der nächsten Wochen soll mindestens eine große Protestaktion auf die Beine gestellt werden – bei der aber auch viele Bürger mitmachen müssen, wie der Saarbrücker Stadtrat Friedhelm Fiedler sagt: “Die anderen Bezirke haben sich auf die Hinterbeine gestellt. Dudweiler bisher nicht – zumindest wird es in Saarbrücken nicht so wahrgenommen.” Er rät dazu, sich organisiert aufzustellen und vor allem die Kaufleute und die Vereine mit an Bord zu nehemn. “Es muss schnell gehen, und es muss mit Krawall gehen”, so Fiedler.

Die Dudweilerer im Saarbrücker Stadtrat sind gefordert

Denn auch wenn die Planung der Verwaltung eigentlich steht – beschlossen ist noch nichts. Diese Entscheidung obliegt dem Stadtrat, der möglicherweise in einer Sitzung am 29. Januar den betreffenden Haushalt für 2014 beschließen will. Im Stadtrat hat aktuell die rot-rot-grüne Koalition mit 36 Stimmen das Sagen. Für eine Mehrheit wären 32 Stimmen nötig. Eigentlich eine klare Sache, die nötige Mehrheit köönte allerdings bröckeln – wenn sich die fünf Dudweiler Stadtratsmitglieder innerhalb der Koalition darauf besinnen, für wen sie im Rat sitzen: Wenn sie für ihren Stadtbezirk und gegen den Saarbrücker Zentralisierungswahn stimmen, dann wäre die Entscheidung vertagt. Wichtig wäre allerdings hier, dass die Opposition geschlossen gegen die Pläne stimmt. Der FDP-Fraktionschef Fiedler hat angekündigt, dass seine Koalition geschlossen gegen den Haushalt stimmen wird. Und auch CDU-Fraktionschef Peter Strobel stellt sich mit seiner Fraktion hinter Dudweiler und vor allem die Forderung, die Außenbezirke zu stärken. Es dürfte also spannend werden … und vor allem ist wichtig, dass die Dudweiler Bürger klar machen, wie man nicht mit ihnen umspringen kann,

Aber eines muss auch klar sein – mit jedem neuem Jahr und jedem neuen Haushalt wird das Thema wieder aufs Tablett kommen – Dudweiler steht eine Dauerfehde mit der Landeshauptstadt bevor.

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