Dudweiler Relikte Folge 34 – September 2019 – Die Dudweiler Dreschmaschine und ihr Betriebsort

(Beitrag H. Sauer) Zu 30 Jahre Erstveröffentlichung der Dudweiler Geschichtswerkstatt

Ein Foto zeigt eine längst vergangene landwirtschaftliche Einrichtung

Ein unauffälliges „Landschaftsrelikt“ in Form einer terassierten Bodenformation ragt aus der zum Harschbach abfallenden Feldflur im oberen Teil des Hanges hinter dem zur Villa Micka gehörenden Anwesen und etwa in Höhe des früheren Schlafhauses am Albertschacht (auch Ost- oder Pascalschacht genannt) heraus.  Unter der dortigen Grasnabe ist diese Struktur weiterhin erkennbar. Sie kennzeichnet auch heute noch die Stelle, an der im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Dreschmaschine der Dudweiler Landwirte betrieben worden ist. Die Örtlichkeit ist durch schriftliche Angaben des Dudweiler Pfarrers Lichnock ebenso belegt wie durch mündliche Angabe von Harald Hoos, einem Feldflur-Anrainer aus dem Alten Stadtweg, gegenüber dem Autor. Von der Saarbrücker Straße aus war die Feldlur „In der Harschbach“ früher durch eine Fußweg zu erreichen.

Fotos: Autor, 2018; Kartenausschnitt: Archiv Ev. Kirchengemeinde Dudweiler/Herrensohr

Wikipedia ist unter dem Stichwort „Dreschmaschine“ zu entnehmen (hier auszugsweise wiedergegeben; Recherche: Juli 2019) :

„Eine Dreschmaschine, auch Dreschkasten genannt, ist ein landwirtschaftliches Gerät zum Dreschen von Körnerfrüchten, insbesondere von Getreide. Dreschmaschinen sind heute im professionellen Bereich nicht mehr im Einsatz, sie wurden in Deutschland in den 1950er bis 1960er Jahren durch Mähdrescher verdrängt.

Es gab stationäre und fahrbare Dreschmaschinen. Angetrieben wurden die Dreschmaschinen zunächst über Pferdegöpel oder Dampfmaschinen, später meist durch Elektromotoren, stationäre Verbrennungsmotoren oder Traktoren. Eine Dorfgemeinschaft bediente sich oft einer einzigen Dreschmaschine, die an den jeweils erntenden Bauer vermietet wurde. Zur Erntezeit war sie dann pausenlos im Einsatz. Für die Beschickung der Dreschmaschine mit Garben, Absacken des Getreides, Abnehmen und Aufladen des ausgedroschenen Strohs etc. waren ca. 10 Personen notwendig. Das hat zur Folge, dass der Getreidedrusch in wenigen Wochen erledigt werden kann. Zuvor hatte man die Getreideernte mit dem Dreschflegel ausgedroschen, was etwa 30 Wochen von Ende September bis Anfang Mai dauerte.

In Deutschland hatten Dreschmaschinen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre größte Verbreitung. Es gab in Deutschland rund 650.000 Dreschmaschinen. Verbreitet zogen nach der Getreideernte im Herbst und bis in den Winter hinein Lohnunternehmer mit Lokomobilen oder Zugmaschinen (die dann auch als Antrieb verwendet wurden) und Dreschmaschinen    von Dorf zu Dorf, um bei den Landwirten das Getreide zu dreschen.“

Das erst kürzlich zur  Sammlung der Dudweiler Geschichtswerkstatt gelangte Foto zeigt die Dudweiler Dreschmaschine an der oben angegebenen Stelle. Daraus wird deutlich, dass die Maschine hier auf der beschriebenen Terrasse innerhalb eines kleinen Gebäudes betrieben worden ist. Es spricht danach einiges dafür, dass es sich eher um eine stationäre Maschine gehandelt hat. Vielleicht war der Bau auch nur der Standplatz für eine mobile Maschine. Das Foto dürfte um 1900 aufgenommen worden sein und ist von der Qualität her etwas unscharf, zumal es sich bei dem zur Sammlung der Geschichtswerkstatt gelangten Exemplar nicht um einen Originalabzug handelt..

Das nachfolgende Foto von der Höhe des dort erst vereinzelt bebauten Alten Stadtweges aus (etwa 1900) verdeutlicht, dass Dudweiler vor der Baulanderschließung ab den 1950er Jahren noch reich an landwirtschaftlich genutzten Ortsbereichen war, die Nutzung einer solchen Dreschmaschine durchaus sinnvoll gewesen ist. Bisher sind der Dudweiler Geschichtswerkstatt über deren Betriebsverhältnisse indes keine näheren Einzelheiten bekannt.

Foto: Archiv DGW

Die Dudweiler Geschichtswerkstatt ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken – VHS in Dudweiler, die jedermann zur Mitarbeit offen steht. Die Mitarbeiter treffen sich während der Semesterzeiten der VHS an jedem zweiten Mittwoch eines Monats um 18:00 Uhr im Kulturhaus Schlachthof in der Schlachthofstraße 52 in Dudweiler. Zusätzlich treffen wir uns zu einem offenen Stammtisch an jedem letzten Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Gasthaus „Kopps Haus“, Büchelstraße in Dudweiler.

Weitere Informationen und Hinweise zu den Publikationen unter: www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de

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