Dudweiler Geschichtswerkstatt zum „Tag der Currywurst“ am 4. September

Wie und wann kam eigentlich die Currywurst nach Dudweiler ?

Nachdem die Saarbrücker Zeitung in ihrer am 31. August erschienenen Wochenendausgabe (S. B1) einem eher kuriosen Feiertag, wie dem der Currywurst, in Form eines Interviews mit dem saarländischen Schriftsteller Alfred Gulden über Rostwurstbuden und Rostwurstkonsum Platz eingeräumt hat, stellte sich uns diese Frage.

Dazu vorab ein wenig „Küchenhistorie“

Die „Erfindung der Currywurst“ liegt dieses Jahr entweder 70 oder zumindest 60 Jahre zurück – also auf jeden Fall ein Jubiläum. Der 4. September als „Tag der Currywurst“ wird auf die folgende Legende zurückgeführt. So schreibt Sven Giese auf der Homepage www.kuriose-feiertage.de (veröffentlicht: 4. September 2015 –  aktualisiert: 15. August 2019) hierzu u. a.:

„… der Legende nach soll die Berliner Imbissbuden-Besitzerin Herta Heuwer (1913 – 1999) die Currywurst am 4. September 1949 im Stadtteil Charlottenburg erfunden haben. Und die Geschichte dazu geht so: Da in diesem Tag wenig zu tun war, begann die 1913 in Königsberg geborene Heuwer in ihrer Imbissbude an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße zu experimentieren und mischte frisch geschnittenen Paprika, Paprikapulver, Worcestershiresauce, Tomatenmark und Gewürzen zu einer Sauce, die sie über eine gebratene gestückelte Brühwurst goss. Und dies soll die Geburtsstunde der uns heute bekannten Currywurst gewesen sein … im Januar 1959 ließ sich Heuwer ihre Sauce unter dem Namen „Chillup“ beim Münchner Patentamt als Marke registrieren (Patent Nummer 721319) und gemäß dieser Lesart ist die Currywurst eine echte Berliner Erfindung, wobei die originalen Zutaten heute nicht mehr bekannt sind.“

Andere „Küchen-Historiker“ verorten die erste Currywurst, wie Google weiß,  in Koblenz, Hamburg oder im Ruhrgebiet.

Wie auch immer, die Currywurst war als neues Garküchenprodukt der Rostwurstbuden bundesweit spätestens ab den 1960er Jahren allgegenwärtig und beliebt. Dazu hat beigetragen, dass die Soße den „Rostwurstbrätern“ die Möglichkeit eröffnete, eine jeweils eigene Rezeptur zu entwickeln.

So auch bei der Dudweiler Würstchenbude der Familie Schöpflin am Dudweiler Marktplatz, die dort von Wolfgang Sämann bis heute mit gleichbleibenden Rezepten erfolgreich fortgeführt wird.

Zu dem „Küchengeheimnis“ und Erfolg der Dudweiler schöpflinschen Currywurst gehört u. a., dass die Soßenmischung aus Ketchup und Currypulver verfeinert wird durch einen Schuss der ebenso bekannten Soße zum traditionellen Schaschlik-Angebot des Rostwurstbetriebs –  insbesondere aus Fleisch- und Nierenstücken mit Zwiebelscheiben dazwischen. Dadurch erhält die Currysoße ihren typischen Charakter, nicht zu  zu flüssig, an der Wurst haftend und den Curry auf der Wurst bindend.

Die erste Currywurst in Dudweiler

Ein genaues Datum konnten die Mitarbeiter der Dudweiler Geschichtswerkstatt bisher nicht ermitteln. Fakt ist jedenfalls, dass der Rostwurstbetrieb Schöpflin – jetzt Sämann –  dieses Produkt zumindest seit Ende der 1960er Jahre am Dudweiler Markt durchgehend und in stets gleicher Rezeptur anbietet. Wenn nicht bereits der 1970 verstorbene Gründer des Betriebes, Bartlin Schöpflin,

Foto Archiv DGW

die Rezeptur für die erste Dudweiler Curry festgelegt hat, so gilt das jedenfalls für seinen Sohn Willi und seine Tochter Elisabeth, „Schepplins Liss“, die die Currywurst vor allem der Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre regelmäßig am Samstag und Sonntag „auf der Rennbahn“ in der Saarbrücker Straße zwischen „Eimer“ bzw. „Lupe“ und „Smuggler`s Inn“ im Süden und dem Scala-Kino im Norden flanierenden Dudweiler Jugend serviert haben. Dieser Betrieb war jedenfalls der erste hiesige Anbieter der Currywurst.

Näheres zu beiden und zur Geschichte des Betriebes, der mit seinem Standort am Dudweiler Marktplatz zudem nach wie vor zugleich die Funktion eines  Informations- und Kommunikations-Hotspots erfüllt, findet sich in dem bebilderten Aufsatz von Reinhard Jakobs, „Schöpflin – Alles dreht sich um die Wurst“, in den „Historischen Beiträgen aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt“, Band 12, 2012, S. 5 ff..

Sehr interessant wäre es, wenn sich Dudweiler Currywurst-Esser aus den Anfangszeiten finden würden, die das Datum der Einführung bzw. ihre erste Begegnung mit „da Curry“ in Dudweiler noch näher einzugrenzen wissen – entweder über Dudweiler Blog oder zur E-Mail-Adresse: dudweiler977@dudweiler-geschichtswerkstatt.de

Zum Abschluss die typische Bestellung, wie sie auch heute noch zu hören ist:

„Ä weißie Körri“ oder „ä rodie Körri, awwa midd zwei Wegg, dass ma a noch die Sooß austungge konn“, oder „ä dobbeldie Körri rod un weiß“ (oder auch kurz „ä gemischdie Körri“).

Dazu guten Appetit beim nächsten Besuch der Rostwurstbude.

Die Dudweiler Geschichtswerkstatt (DGW) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken – VHS in Dudweiler, die jedermann zur Mitarbeit offen steht. Weitere Informationen und Hinweise zu den Publikationen unter: www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de

Ein historisches Schlaglicht von H. Sauer, DGW

 

 

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