Dudweiler Relikte Folge 17 – Oktober 2018 – Café Strohfus sowie ein klein wenig Dudweiler Feuerwehrgeschichte

 

(Gastbeitrag) Zu 30 Jahre Dudweiler Geschichtswerkstatt von Helmut Sauer

Café Strohfus sowie ein klein wenig Dudweiler Feuerwehrgeschichte

Manche Zeichen aus vergangener Zeit sind offenbar unverwüstlich. Das trifft auch auf die an der Fassade des Hauses Sudstraße 2 in Dudweiler ungeachtet des neueren Anstrichs wieder sichtbar gewordene frühere Reklameschrift des dort einmal über lange Jahre beheimateten Café Strohfus zu.

   Fotos H. Sauer, 2018 

In der rechteckigen Fläche über dem vom mittigen Hauseingang aus linksseitigen Schaufenster befand sich das Wort „CAFE“ und über dem heute nicht mehr vorhandenen rechtsseitigen Schaufenster die Bezeichnung „KONDITOREI“. Beide Wörter waren reliefartig hervorgehoben; diese Beschriftung ist später aber abgespitzt worden. Dennoch haben sich die Konturen der einzelnen Buchstaben des Wortes Café mit der Zeit durch den dunkelroten Deckanstrich durchgedrückt und sind dadurch wieder lesbar geworden. Damit zeugen sie weiterhin von einem ehemals traditionellen Handwerks- und Gastronomieunternehmen in Dudweiler. Der rechtsseitige Namenszug ist allenfalls noch rudimentär erkennbar. Hier ein auszugsweises Foto aus der Sammlung der Familie Strohfus/Georg, die den Zustand etwa in den 1930er Jahren wiedergibt.

Das Haus mit der repräsentativen Fassade wurde 1909/10 von dem zuvor in der Dudweiler Bahnhofstraße 9 ansässigen Schreiner- und Wagnermeister August Strohfus, erbaut. Die Fassadenelemente stammen von der Vorderfront des ehemaligen Textilkaufhauses Gebr. Sinn in der Saarbrücker Bahnhofstraße und wurden bei dessen baulicher Erweiterung im Jahre 1908 abgebaut und nach Dudweiler transportiert. Hier erbaute August Strohfus das mehrgeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude mit Café und Konditorei im Erdgeschoß. Das in Dudweiler gut bekannte Café wurde später von seinem gleichnamigen Sohn als Konditormeister bis in die 1950er Jahre als Familienbetrieb fortgeführt. Von der Familie wurde ab etwa 1930 über lange Jahre hinweg der Kiosk im Dudweiler Schwimmbad betrieben.

Der Erbauer des Hauses war zu dieser Zeit auch Oberbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Dudweiler und Stellvertreter des Leiters der Wehr August Kerger, der von 1905 – 1923 Branddirektor der Dudweiler Wehr war.

Hier ein zum 3. August 1911 von beiden mit einer unterzeichneten Widmung versehenes Foto von Kerger und Strohfus, mit dem an den Jahrestag der Gründung des Dudweiler „Feuerwehr Corps“ erinnert wurde. Die Dudweiler Feuerwehr blickt im kommenden Jahr auf eine 150jährige Geschichte zurück. Am 4. August 1869 wurde die Wehr durch den Dudweiler Gemeinderat bestätigt, nachdem – möglicherweise am Tag zuvor – in einer Bürgerversammlung die Gründung erfolgt war. Zuvor galt das Prinzip der „nachbarlichen Löschhilfe“ auf der Grundlage einer Polizeiverordnung des Landrates in Saarbrücken, nach der die Bewohner im Umkreis von 5 km zur Hilfe verpflichtet waren.

   

Hatte die Feuerwehr 1911 einen Mannschaftsstand von 135 Aktiven (mit den Ortsteilen Jägersfreude und Herrensohr), so änderte sich das schlagartig durch die Mobilmachungen im 1. Weltkrieg. Das nachfolgende Foto aus der o. a. Sammlung zeigt die Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1914. Signifikant ist, dass sich auf dem Foto fast ausschließlich eher ältere Männer befinden.

Das Foto ist auf dem Gelände des früheren Dudweiler Bauhofs (Ortsmitte) mit Blick nach Osten aufgenommen. Hinter dem Schild im Vordergrund, von dem (auf dem Original) die Aufschrift „Dudweiler Feuerwehr im Kriegsjahre 1914“ gerade noch zu erkennen ist, sitzen in der 1. Reihe in der Mitte der Branddirektor August Kerger und neben ihm die beiden Brandmeister – jeweils am Säbel erkennbar. Auf dem Foto rechts neben Kerger sitzt August Strohfus. Bei dem links stehenden Mann mit der weißen Schirmmütze mit Kreuz handelt es sich um einen Angehörigen der Freiwilligen Sanitätskolonnen, wie sie damals aus den Kriegervereinen heraus entstanden sind. Zwei der Männer tragen Militäruniform, waren offenbar bereits zum Kriegsdienst eingezogen. 13 Feuerwehrleute kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück.

Das folgende, aus einem Fenster des „Hauses Strohfus“ aufgenommene Foto aus der o. a. Fotosammlung zeigt die Ehrenwache der Feuerwehr vor dem Eingang des gegenüberliegenden Württemberger Hofes (jetzt das „Ülo“) anlässlich der „Kreistagung der Wehrführer im Saale des Volksbildungswerkes (Württemberger Hof) in Dudweiler Sudstraße“ im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages am 26. Juli 1959. Der Saal des Volksbildungswerkes Dudweiler (Vorgänger der Volkshochschule) befand sich damals im Obergeschoss des Anwesens.

Literatur:

Saam/Schabert, Dudweiler Akzente, 1984, S. 56 f. (Familienname dort irrtümlicherweise „Strohfuß“ geschrieben)

Schabert, Dudweiler Album – Sammlung der Zeichnungen von J. Gottfried Schabert, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Sonderband, 2003, S. 73

Zimmer, Die Sudstraße in Dudweiler – Ein Spiegelbild unserer Bergbaugeschichte, Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 11, 2010, S. 68, 78 (Fotos)

Stephan, Freibad Dudweiler, Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 11, 2010, S. 6 ff.

Paul/Schwarz, Die Freiwillige Feuerwehr Dudweiler, Historische Beiträge aus der Arbeit der Dudweiler Geschichtswerkstatt, Band 9, 2006, S. 81

Paul/Schwarz, Freiwillige Feuerwehr Dudweiler im Wandel der Zeiten, in Festschrift 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Dudweiler, 2009, S. 33 ff.

Anonymus, 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Dudweiler, Festschrift 1969, o. S.

Anonymus, Das Feuerlöschwesen in der Gemeinde Dudweiler von 1869 bis 1959, Festprogrammheft zum Kreisfeuerwehrtag am 26.06.1959 in Dudweiler, S. 2 ff.

Ruppersberg, Geschichte der Gemeinde Dudweiler – Die Feuerwehr, 1923, S. 162 f.

Hierzu sachkundige Kommentare oder ergänzende Informationen zu erhalten, ist ausdrücklich erwünscht – entweder über Dudweiler Blog oder zur E-Mail-Adresse: dudweiler977@dudweiler-geschichtswerkstatt.de

In einer kurz erläuterten Bilderfolge im Dudweiler Blog erinnert die Dudweiler Geschichtswerkstatt (DGW) an einzelne in seinen Sammlungen und im Ortsbild des Stadtbezirks Dudweiler vorhandener Objekte und versucht solche „Kleindenkmale“ und Erinnerungsstücke zu dokumentieren. Dudweiler Blog hat berichtet.

Die Dudweiler Geschichtswerkstatt ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken – VHS in Dudweiler, die jedermann zur Mitarbeit offen steht. Weitere Informationen und Hinweise zu den Publikationen unter: www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de

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