Zu 30 Jahre Dudweiler Geschichtswerkstatt Dudweiler Relikte Folge 15 – August 2018 – Dudweiler Friedensdenkmal

 

(Gastbeitrag) Für den Frieden – Ein eher verborgenes Mahnmal in Dudweiler

In einer kurz erläuterten Bilderfolge im Dudweiler Blog erinnert die Dudweiler Geschichtswerkstatt (DGW) an einzelne in seinen Sammlungen und im Ortsbild des Stadtbezirks Dudweiler vorhandener Objekte und versucht solche „Kleindenkmale“ und Erinnerungsstücke zu dokumentieren. Dudweiler Blog hat berichtet.

Eine kleine Grünanlage am Ende der Saarbrücker Straße – Uff da Hidd. Zwischen der Straße, dem Wendehammer und der westlich vorbeiführenden Sulzbachtalstraße stehen einige Bäume. Neben der zum Wendehammer hin stehenden Linde erkennt man zur Saarbrücker Straße hin ein nahezu vergessenes kleines und unscheinbares Mahnmal, das zuweilen im hohen Gras der Anlage verschwindet.

Erst wenn man nah herangeht, erkennt man das Denkmal an der aus dem Boden hervorragenden rechteckigenSteinplatte mit Inschrift. Sie trägt die Aufschrift:

 „Unsere Hoffnung: Wie dieser Baum wachse der Frieden unter den Menschen und zwischen den Völkern.“

Eine darunter sockelartig in den Boden eingelassene Steinplatte mit in der Draufsicht von oben nur noch schwer lesbarer Inschrift weist auf den Urheber des Mahnmales hin:

„Friedensfreunde Dudweiler“         

Was angesichts der etwa fünf auf der kleinen Anlage vorhandenen Bäume auf der ersten Blick gar nicht auffällt ist, dass das Denkmal in Verbindung steht zu dem direkt davor stehenden Baum, der als „Friedensbaum“ gepflanzt worden ist und bei Setzung des Mahnmales bereits vorhanden war. Erst der Text macht die Beziehung zwischen Baum und Stein deutlich.

Zu beiden öffentlichen Zeichen für die Hoffnung auf Frieden in der Welt ist dem „evangelischen gemeindebrief dudweiler“ vom 10. März 1986-11. Mai 1986, S. 6, unter der Überschrift der „Aktionsgemeinschaft ‚Bürger für den Frieden‘…“ zu entnehmen, dass dieser Arbeitskreis bereits seit Jahren, nämlich der Anerkennung durch das Presbyterium im April 1983 (vgl. Gemeindebrief September/Oktober 1986, S. 6), als Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Dudweiler bestehe. Auf die Initiative dieser Gruppe um den damaligen evangelischen Dudweiler Pfarrer Volker Classen gehen vielfältige Friedensaktivitäten und – wohl zusammen mit anderen Akteuren der Friedensbewegung – auch die Pflanzung des Friedenbaumes und die Setzung des Mahnmals zurück. Dazu ist dem o. a. Artikel zu entnehmen:

„Unser Stein mit der Aufschrift… soll beim Ostermarsch `86 Ecke Sulzbachtalstraße / Saarbrücker Straße am Friedensbaum aufgestellt werden.“

Hintergrund der Steinsetzung sind mithin die Aktivitäten vieler Menschen und auch der Kirchen und kirchlicher Gruppen für den Erhalt des Friedens in der Phase des sog. Kalten Krieges mit Nato-Doppelbeschluss von 1979 (Stichworte: Pershing-2, Cruise Missiles) und Nachrüstungsdebatte um die vermehrte Aufstellung von Kurzstreckenraketen mit Atomsprengköpfen (Stichwort: Pershing-1) in Mitteleuropa und vor allem in der Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren.

Der „Kalte Krieg“ damaliger Prägung ist inzwischen zwar Geschichte geworden. Angesichts der derzeitigen Entwicklung der Weltlage hat allerdings die Mahnung für den Erhalt des Friedens, wie sie durch den Friedensbaum und das kleine Denkmal für den Frieden in Dudweiler ihren öffentlichen Ausdruck findet, nichts an ihrer Aktualität verloren. Der Baum und das kleine Denkmal in der winzigen städtischen Grünanlage sind es unabhängig von den damaligen Intentionen für die Pflanzung und Aufstellung daher – nicht nur historisch gesehen – Wert, erhalten zu bleiben und auch nicht vergessen zu werden.

Bei dem Dudweiler Friedensbaum handelt es sich um eine kleinblättrige Linde (wohl eine Winterlinde). Die Pflanzung von Linden u. a. für den Frieden hat eine lange Tradition. So ist dem Artikel „Linden“ in Wikipedia (Internetrecherche vom 12.08.2018) u.. a. zu entnehmen: „Nach Kriegen (oder Pestepidemien) gab es den Brauch, sogenannte Friedenslinden zu pflanzen. Die meisten erhaltenen Exemplare erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, einige aber auch noch an den Westfälischen Frieden, wie etwa die „Friedenslinde am Dreierhäuschen“ im thüringischen Ponitz, oder an lokale kriegerische Ereignisse wie die Zerstörung Ratzeburgs.“

Von Martin Luther ist zur Linde als besonderem Baum angesichts der allgemeinen Erkenntnis, dass wirklich „fröhlich zu sein“ nur im Frieden möglich ist, überliefert:

„Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fröhlich zu sein, denn die Linde ist uns Friede- und Freudebaum„.

Alle Fotos: Helmut Sauer – 2018

Literatur zu den das Denkmal umgebenden Straßen und ihre Geschichte:

Jakobs/Sauer/Wahl, Hrsg. Dudweiler Geschichtswerkstatt, Dudweiler Straßenlexikon, 2017

Hierzu sachkundige Kommentare oder ergänzende Informationen zu erhalten, ist ausdrücklich erwünscht – entweder über Dudweiler Blog oder zur E-Mail-Adresse: dudweiler977@dudweiler-geschichtswerkstatt.de

Die Dudweiler Geschichtswerkstatt ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken – VHS in Dudweiler, die jedermann zur Mitarbeit offen steht. Weitere Informationen und Hinweise zu den Publikationen unter: www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de

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