Zu 30 Jahre Dudweiler Geschichtswerkstatt: Dudweiler Relikte Folge 14 – Das Wandbild eines Seligen auf dem Dudweiler Pfaffenkopf

(Gastbeitrag) Zu 30 Jahre Dudweiler Geschichtswerkstatt – Dudweiler Relikte Folge 14 – August 2018 – Das Wandbild eines Seligen auf dem Dudweiler Pfaffenkopf

In einer kurz erläuterten Bilderfolge im Dudweiler Blog erinnert die Dudweiler Geschichtswerkstatt (DGW) an einzelne in seinen Sammlungen und im Ortsbild des Stadtbezirks Dudweiler vorhandener Objekte und versucht solche „Kleindenkmale“ und Erinnerungsstücke zu dokumentieren. Dudweiler Blog hat berichtet.

Hierzu sachkundige Kommentare oder ergänzende Informationen zu erhalten, ist dabei ausdrücklich erwünscht – entweder über Dudweiler Blog oder zur E-Mail-Adresse: dudweiler977@dudweiler-geschichtswerkstatt.de

Anlässlich einer Tauffeier in der katholischen Kirche St. Barbara in Dudweiler ist dem Autor vor etwa einer Woche erneut das Wandbild am ehemaligen Pfarrhaus der früheren Pfarrgemeinde ins Auge gefallen. Es ist inzwischen – etwas in die Jahre gekommen – und beginnt leicht zu verblassen.

 Foto: Helmut Sauer, 2009

Nun kann ein im öffentlichen Raum sichtbares Kunstwerk nicht unbedingt als „Relikt“ bezeichnet werden. Dennoch soll in der vorliegenden Reihe an dieses Werk erinnert werden, nachdem die Funktion des Hauses als Pfarrhaus nicht mehr besteht und zumal es bis vor einiger Zeit hinter dem Baumbewuchs des Vorplatzes des Pfarrhauses bis vor einiger Zeit eher eingeschränkt sichtbar gewesen ist. In seiner Gestaltungsfunktion als Wandbild wirkt es zudem in den öffentlichen Raum, will also geshen werden. Nicht zuletzt beleuchtet es einen interessanten Aspekt der jüngeren Dudweiler Geschichte, an den zu erinnern, sich lohnt.

Die Bebauung des Pfaffenkopfes etwa zu Beginn der 1950er Jahre, ein Zeit in die auch der Bau der Pfarrkirche St. Barbara fällt,  war in der Zeit des beginnenden sog. Wirtschaftswunders insbesondere geprägt von dem Gedanken der Schaffung von Wohneigentum für Bergleute und Hütten- bzw. Stahlarbeiter und ihre Familien. Dabei stand die Verwirklichung durch gemeinschaftliche und solidarische Eigenleistung der Bauherren im Vordergrund. Der frühere Dudweiler Architekt Horst Windecker schreibt dazu in seinem Artikel „Die bauliche Entwicklung von Dudweiler“ in Dudweiler 977-1977, Hrsg. LHS Saarbrücken, 1977, S. 318, 324: „Zu dieser Zeit, wo fast alle Baumaterialien nur auf einen besonderen Bezugsschein zu erhalten waren, bildeten sich Baugemeinschaften und Vereine, um neue Wohnstätten zu errichten. Besonders zu erwähnen sind u. a. der Kettelerverein e. V., die Kriegsopfer-Baugemeinschaft sowie die Bauinteressengemeinschaft der Bergleute (BIG), die neben Privatinitiative, durch Eigenleistung und Selbsthilfe eine rege Bautätigkeit auf dem Pfaffenkopf entwickelten.“ (vgl. dazu auch Schiel, Hans, in seinem Artikel „Bauen und Wohnen“, a. a. O., S. 29, 32). Bei den sog. Ketteler-Häusern handelt es sich nach der Erinnerung des Autors um die Einfamilienhäuser in der Rentrischer Straße oberhalb der Bäckerei Keller/früher auch Café Keller, die BIG-Siedlungshäuser wurden i. d. R. als Zwei- oder Mehrfamilienhäuser überwiegend auf dem Kamm des Bergausläufers Pfaffenkopf, insbesondere in der Pfaffenkopfstraße, errichtet. Sozialgesellschaftliche Impulse hierzu können nicht zuletzt auch auf die katholischen Sozialbewegungen, die sich bereits im vorangegangenen Jahrhundert auf der Grundlage der Ideen des Mainzer Bischofs von Ketteler und des Kölner Pastors Adolph Kolping, die sich vom gemeinsamen Studium in München kannten, entwickelt hatten, zurückgeführt werden (zu Adolph Kolping: vgl. Wikipedia unter den Artikeln „Adolph Kolping“ und „Kolpingwerk“ sowie etwa unter der Homepage www.kolping.de).

Bei der Errichtung der katholischen Pfarrkirche St. Barbara und des dazu gehörenden Pfarrhauses war es offensichtlich vor diesem Hintergrund ein Anliegen der örtlichen Kolpingfamilie, diesen „Background“ zu würdigen- und zwar in der Form des Wandbildes an der Westfassade des neu errichteten Pfarrhauses.

 Foto: Helmut Sauer, 2009

Das Bild zeigt Pastor Adolph Kolping, den „Gesellenvater“, Gründer und erster Präses des Kolpingwerkes, – eindeutig erkennbar an den nicht zuletzt durch Briefmarken der Deutschen Bundespost allgemein bekannten Gesichtszügen und insbesondere dem Logo der Kolpingfamilien bzw. des Kolpingwerkes über der stehend dargestellten Figur, die predigend, argumentativ auf einen Bergmann mit Grubenlampe und Schlegel und einen Industriearbeiter mit Hammer und Zahnrädern, die an der rechten unteren Seite des Wandbildes dargestellt sind, hinweist. Rechts unten ist das Bild signiert.

Foto: Helmut Sauer, 2009

Allerdings war die Geschichte der Idee zu Bild und Bildprogramm sowie ihrer Initiatoren bislang ohne weitergehende Nachforschungen ebenso wenig zu klären, wie den Künstler zu benennen bzw. die Signatur zu deuten. Informationen hierzu wären sehr hilfreich (vgl. die oben veröffentlichte Kontaktadresse der Dudweiler Geschichtswerkstatt).

Besonders auffallend an der Darstellung von Adolph Kolping ist dabei, dass über seinem Kopf eine Art Nimbus bzw. Heiligenschein zu sehen ist, in dessen Scheitel das Logo der Kolpingfamilien auffällt.

 Foto: Helmut Sauer, 2009

Hierin ist eine eindeutige Zuordnung der dargestellten Person zu Kolping zu erkennen. Allerdings muss man angesichts der nach der Signatur spätestens 1971 abgeschlossenen bildlichen Darstellung wissen, dass zwar seit 1939 ein Verfahren zur Seligsprechung von Adolph Kolping angestrengt worden ist, er aber in Wirklichkeit erst 1991 durch Papst Paul XII. selig gesprochen worden ist. Dazu Wikipedia zum Suchwort „Adolph Kolping“ u. a.: ´Am 21. März 1934 eröffnete Karl Joseph Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln, formell den Seligsprechungsprozess für Adolph Kolping. Am 27. Oktober 1991 wurde Kolping von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Die römisch-katholische Kirche feiert den Gedenktag Adolph Kolpings am 4. Dezember. Zuvor besuchte Papst Johannes Paul II am 15. November 1980 die Minoritenkirche zu Köln. Am Grabe Kolpings betete er und formulierte den Satz: „Solche Leitbilder wie Adolph Kolping brauchen wir für die Kirche von heute.“ Der Heiligsprechungsprozess dauert an.´

Unabhängig von der Frage, ob angesichts einer weiten künstlerischen Freiheit, wie sie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantiert, die Darstellung eines Seligen mit einem Nimbus überhaupt üblich ist, drückt sich in der in den 1950er Jahren erfolgten und in dieser Form gestalteten Auftragsarbeit deutlich der Wunsch nach Heiligsprechung von Adolph Kolping aus. Von daher hat das Kunstwerk einen signifikant eigenständigen Charakter in seiner Aussage, wenn man ihm nicht sogar die Manifestation eines programmatischen Anspruchs zubilligen muss – und das auch, wenn dieser eher örtlich und volkstümlich einzuordnen sein wird.

Die Dudweiler Geschichtswerkstatt ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule des Regionalverbandes Saarbrücken – VHS in Dudweiler, die jedermann zur Mitarbeit offen steht. Weitere Informationen und Hinweise zu den Publikationen unter: www.dudweiler-geschichtswerkstatt.de

 

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