„Zur Wahrheit gehört die ganze Wahrheit“

Wenn über die aktuelle Flüchtlingssituation berichtet wird, sind die Kommentarspalten meist voll – auch auf unserer Facebookseite. Angesichts der geplanten Flüchtlingsunterkunft auf der Hirschbach haben viele Angst. Und nicht alle können in die rechte Ecke gestellt werden. Zumal da durchaus eine riesige Herausforderung wartet.

Schonungsloser als bislang kaum ein deutscher Bundes- oder Länderminister hat der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) am Mittwoch in seiner Rede vor dem Landtag die aktuelle Situation der Flüchtlinge, und auch die Probleme, die einige Personen bereiten, geschildert. „Aus den Erfahrungen im Lager kann ich sagen: Wir werden alle gefordert sein. Wenn jemand glaubt, diese Integration geht problemlos, der irrt“, so Bouillon. „Wir haben sehr viele Negativerfahrungen sammeln müssen.“

Anspruchmentalität, Beleidigungen und steigende Aggressivität

Er habe lange überlegt, ob er wirklich auf die ganzen negativen Seiten eingehen soll. „Aber zur Wahrheit gehört die ganze Wahrheit“, so Bouillon. „Kommen Sie mal zu uns ins Lager und schauen sie, mit welcher Anspruchsmentalität der ein oder andere seine Rechte formuliert. Hören Sie mal zu, wie die Frauen beleidigt werden. Schauen Sie mal, wie man um die Lebensmittel kämpft, obwohl man nicht an der Reihe ist“, führt Bouillon an. Als einer von ganz wenigen, wenn nicht sogar als einziger Innenminister in Deutschland, hatte er wochenlang sein Büro direkt in einen Container vor Ort verlegt und die zentrale Aufnahmestelle praktisch geleitet.

„Wir haben leider Gottes auch Menschen, die sich nicht an die Gesetze halten“, erklärte Bouillon. Oder: „Wenn unsere Frauen das Essen nicht ausgeben können, weil sie ‚unrein‘ sind und die anderen das nicht essen wollen, dann schafft das Probleme.“ Er habe sich auch gewundert, wie viele Menschen mit Maßschuhen durch die Unterkunft liefen. „Wir haben dann bei der Polizei erfahren: Zalando hat über 650 Strafanzeigen gestellt.“

Trotz aller Probleme – kein Schwarzsehen

Ein Hauptproblem sei auch die steigende Aggressivität. Schwarz sieht er dennoch nicht – immer wieder wirft er in seiner Rede ein, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen sei schwierig – aber „es ist zu schaffen.“ Es sei unstrittig: „Wir brauchen diese Menschen“. Für ein reiches Land wie die Bundesrepublik bedeute der Flüchtlingszustrom zumindest finanziell „überhaupt kein Problem“. „Aber wir brauchen Zeit. Wir bräuchten eine Pause.“

„Keine Integration ohne Dach über dem Kopf“

Sollte die Zuwanderung so weiter gehen und die Familien nachkommen, rechnet Bouillon mit einem Zuzug von 40.000 Menschen innerhalb von anderthalb Jahren. Am dringendsten sei aber zunächst die Frage der Unterkunft zu klären: „Es gibt keine Integration, weder in der Schule, noch im Unterricht, noch im Beruf – wenn die Menschen kein Dach über dem Kopf haben. Dann haben wir es nicht geschafft.“


Veronica inmitten von Flüchtlingskindern in Lebach (Foto: privat)
Veronica inmitten von Flüchtlingskindern in Lebach (Foto: privat)

“Fernseher ausschalten, raus gehen und sich selbst ein Bild machen” – eine junge Frau aus Dudweiler berichtet über ihre Erfahrung in der Flüchtlingsunterkunft in Lebach.

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