Stadt will geplanten Umzug der Netto-Filiale verhindern

An der Stelle des vor sich hin vegetierenden ehemaligen Medica-Standortes soll der Nettomarkt entstehen. (Foto: Thomas Braun)
An der Stelle des vor sich hin vegetierenden ehemaligen Medica-Standortes soll der Nettomarkt entstehen. (Foto: Thomas Braun)
An der Stelle des vor sich hin vegetierenden ehemaligen Medica-Standortes soll der Nettomarkt entstehen. (Foto: Thomas Braun)

Der Discounter Netto plant, seine Filiale in Dudweiler-Süd um rund 200 Meter zu verlegen und deutlich zu vergrößern. Die Landeshauptstadt sperrt sich gegen die Pläne und will den Bebauungsplan nun im beschleunigten Verfahren ändern. Sie befürchtet eine zu große Konkurrenz für den vorhandenen Einzelhandel.

Der Handel in Dudweiler kämpft ums Leben – und verliert zunehmend an Boden. Vor kurzem hat auch der über Jahrzehnte im Zentrum ansässige Edekamarkt geschlossen. Damit ist ein wichtiges Element der Nahversorgung weggebrochen.

Abgesehen von den großen Einkaufsmärkten jeweils am Stadtrand gibt es somit in Zentrumslage und Dudweiler Süd nur noch die beiden Nettofilialen als größere Lebensmittelgeschäfte. Für die Filiale in Dudweiler Süd hatte Netto nun vorgesehen, das vorhandene, eher kleine Ladenlokal zu schließen und an neuer Stelle in der Beethovenstraße wieder zu eröffnen – dann auf knapp 800 Quadratmeter. Geplant war dafür das mittlerweile leerstehende Medica-Gebäude an der Hauptstraße oberhalb des Zwickels.

In der Landeshauptstadt hält man wenig von den Plänen des Lebensmitteldiscounters. Es sei zu befürchten, „dass die Ansiedelung eines Lebensmittelmarktes an dieser Stelle zu einem Schwächung und letztendlich zum Verlust des Nahversorgungsstandorts an der Lisbeth-Dill-Straße führt“, heißt es in einer Vorlage, über die der Bezirksrat in seiner kommenden Sitzung beraten wird. „Die dort bestehenden Geschäfte sind gegenüber einem großen – zusätzlich von Autokunden frequentierten – Lebensmittelmarkt nicht konkurrenzfähig“, wird weiter ausgeführt.

Erster Bauantrag wurde bereits abgelehnt

Deshalb soll schnellstmöglich der Bebauungsplan geändert werden. Bereits im März sei ein Bauantrag gestellt worden, der aber zunächst abgelehnt wurde. „Es ist jedoch zu befürchten, dass ein folgender Bauantrag, der den Festsetzungen des Bebauungsplans entspricht, an dieser Stelle nicht abgelehnt werden kann“, heißt es weiter in der Vorlage.

Großes Ziel bleibt, keine weiteren Randeröffnungen mehr zuzulassen, sondern „insbesondere Betriebe mit nah- und zentrenrelevanten Kernsortimenten dem Zentrum zuzuführen“, um dieses zu stärken. Das könnte das Aus für die Pläne des Discounters bedeuten. Am 17. September wird der Bezirksrat zu den Plänen gehört, die Entscheidung trifft letztlich der Stadrat in seiner Sitzung am 13. Oktober. Im Rahmen des Verfahrens sollen auch Bürger die Möglichkeit zur Stellungnahme bekommen.

Kommentar: Verhinderungsplanung sorgt nicht für Belebung

Es ist schön, dass auch in der Landeshauptstadt erkannt wurde, dass der Einzelhandel in Dudweiler nahezu am Boden liegt und dringend gehandelt werden muss. Und zumindest auf dem Papier scheint es auch sinnvoll, neue Ansiedlungen vor allem auf das Zentrum zu konzentrieren. Nur mit Feinjustierungen am Bebauungsplan wird das allerdings nicht gelingen, wenn Neuansiedlungen an zu hohen Mieten und/oder zu kleinen Ladenflächen scheitern, wie es im Zentrum der Fall ist.

Eine zukunftsfähige Investition einer großen Handelskette in einen modernen Lebensmittelmarkt hätte in Dudweiler Süd sicherlich die Nahversorgung auf Jahre hinweg gesichert. Aber natürlich müssen auch die Interessen des vorhandenen Einzelhandels berücksichtigt werden. Und hier gibt es Ängste, dass ein Leerstand in der Liesbeth-Dill-Straße zu Umsatzeinbußen führen könnte, wenn nicht gar existenzbedrohend wird.

Umzug aus Kundensicht wünschenswert

Ich bin weder Handelsexperte, noch Stadtplaner – sondern einfach nur Kunde. Ich kaufe gerne bei Schröder oder in der Bäckerei Kleinbauer ein, um nur zwei Beispiele zu nennen. Nicht, weil der Netto nebenan ist, sondern weil die Qualität in den beiden Läden stimmt. Und ich glaube, dass sich Qualität auch in Zukunft durchsetzen wird.

Der vorhandene Netto gehört indes nicht unbedingt zu meinen Lieblingsläden. Zu lange wurden notwendige Investitionen aufgeschoben, die Eingangstür ist seit Monaten defekt und das ganze Ambiente wirkt wenig einladend. Es darf ruhig in Frage gestellt werden, ob Netto an dieser Filiale festhält, wenn der Umzug in einen größeren Markt in der Nachbarschaft durch die Stadt verweigert wird. Im schlimmsten Fall stünde Dudweiler-Süd dann ganz ohne Lebensmittelmarkt da.

Räte sollten Kontakt zu Händlern und Kunden suchen

Bevor Bezirksrat und Stadtrat also in wenigen Tagen und Wochen eine Entscheidung fällen, sollten sie die Situation nicht nur vom Papier aus beurteilen, sondern sich selbst ein Bild der Lage vor Ort machen und vor allem mit Händlern und Kunden sprechen. Was denken sie, was wünschen sie? Das sollte Grundlage für eine Entscheidung sein – und nicht nur die Papiervorlage aus dem Baudezernat.

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2 Thoughts to “Stadt will geplanten Umzug der Netto-Filiale verhindern”

  1. Edeltraud Huter

    Hallo,
    der Netto ist nicht zu Empfehlen ,der Eingang gleicht einer Rumpelkammer die Obst und Gemüse Abteilung viel zu klein,die Regale immer leer die Kühlregale defekt,das Personal überfordert,die meiste Zeit fehlen die Produckte die man benötigt,das Geschäft öffnet gegen 7.00h gegen 8.00h kommt die Ware erst,das geht gar nicht.Wir wünschen uns einen Größeren Netto.
    Mit freundlichen Grüßen.

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  2. Mirko Welsch

    Die Stadtverwaltung beweist sich mal wieder als reaktionär und realitätsfern. Wie auch schon beim ALDI-Markt. Wir können froh sein, dass diese noch investieren, während andere nach und nach abziehen. Mit dem Kurs von Britz, Wandel-Hoefer & Co. wird unser Stadtteil zumindest versorgungstechnisch zu einer Geisterstadt.

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