Reiner Schwarz ist neuer Dudweiler Bürgermeister

Reiner Schwarz, Bürgermeister von Dudweiler (Foto: Thomas Braun)
Reiner Schwarz, Bürgermeister von Dudweiler (Foto: Thomas Braun)
Reiner Schwarz, Bürgermeister von Dudweiler (Foto: Thomas Braun)

SPD-Mann Reiner Schwarz ist neuer Bürgermeister von Dudweiler. Erstmals seit 40 Jahren hat Dudweiler damit wieder einen selbst gewählten Bürgermeister – der allerdings nur noch ehrenamtlich tätig ist. Wir stellen den neuen „ersten Bürger“ unseres Stadtbezirks vor und erzählen, was sonst noch auf der ersten Sitzung des neu gewählten Bezirksrates passiert ist.

Nicht einmal zehn Minuten hat die Wahl gedauert, um 16:59 Uhr am 17. Juli 2014 war es dann offiziell: Dudweiler hat einen neuen Bürgermeister. Der Bezirksrat wählte am Donnerstag aus seiner Mitte den SPD-Abgeordneten Reiner Schwarz mit 13 von 21 Stimmen zum neuen Oberhaupt des Stadtbezirks. Auf seinen Gegenkandidaten Ralf Peter Fritz (CDU) entfielen sieben Stimmen, ein Bezirksratsmitglied wählte ungültig.

Ein Bürgermeister „für alle“

Gleich zu Beginn machte Schwarz klar, dass er nicht nur ein Bürgermeister für seine Wähler, sondern für den ganzen Rat und damit auch für ganz Dudweiler sein will: „Ich gehe davon aus, dass wir auch in Zukunft gemeinsam für Dudweiler kämpfen werden“, sagte Schwarz bei seiner Antrittsrede. „Ich verspreche ihnen, dass ich versuchen werden, alles mögliche für Dudweiler zu erreichen.“

Ein Versprechen, dass ihm sicherlich viele abnehmen, die ihn bereits kennengelernt haben – entweder als Kreisbrandinspekteur oder als langjährigen Abteilungsleiter des Dudweiler Sozialamts und später Fachbereichsleiter im Amt für zentrale Dienste.

Der scheidende Bürgermeister Walter Rodermann (l.) übergibt den Schlüssel der Stadt an seinen Nachfolger - im Hintergrund der unterlegene Bürgermeisterkandidat Ralf Peter Fritz. (Foto: Thomas Braun)
Der scheidende Bürgermeister Walter Rodermann (l.) übergibt den Schlüssel der Stadt an seinen Nachfolger – im Hintergrund der unterlegene Bürgermeisterkandidat Ralf Peter Fritz. (Foto: Thomas Braun)

Ein Insider in einer „völlig neuen Situation“

44 Jahre war Schwarz in der Dudweiler Verwaltung tätig, die Arbeit des Rates kennt und er verfolgt er seit über 30 Jahren – allerdings immer als Mitglied der Verwaltung. Nun steht er erstmals auf der anderen Seite. „Das ist für mich eine völlig neue Situation“, sagte Schwarz im Interview mit Dudweiler-Blog.de. Der (noch) 64-Jährige hat seinen Ruhestand extra ein paar Monate nach vorne verlegt, um „kein Bediensteter der Landeshauptstadt mehr“ zu sein und damit für den Bezirksrat und letztlich auch für das Bürgermeisteramt kandidieren zu können.

Und nun hat er auch die Möglichkeit, dass zu tun, was er jahrelang nur im Stillen tun konnte: Die Stimme erheben, wenn in Saarbrücken etwas gegen seinen oder gegen den Dudweiler Willen läuft. Denn nun sei er nicht mehr weisungsgebunden. Das unterscheidet ihn auch stark von seinen Vorgängern – die zwar hauptamtlich eingesetzt waren, aber letztlich doch ihrem Dienstherrn – der Stadt Saarbrücken – verpflichtet waren.

Aufgabenheft ist prall gefüllt

„Wichtig ist, dass Dudweiler vorankommt und nicht abgehängt wird“, beschreibt Schwarz eines der vorrangisten Ziele seiner künftigen Arbeit. Insbesondere wolle er darauf achten, dass all die Versprechungen, die die Landeshauptstadt bei Auflösung des Sonderstatus gemacht hat, auch eingehalten werden. So soll es etwa weiterhin einen Fastnachtsumzug, einen Weihnachtsmarkt oder auch eine Kirmes geben.

Ein weiteres Projekt, dass für den Neubürgermeister ganz oben steht, ist die Einrichtung einer vollwertigen Gemeinwesenarbeit im Dudweiler Stadtbezirk. Das neue Kinder- und Elternbildungszentrum KIEZ am Anger könne nur ein Anfang ein, so Schwarz. „Das KIEZ kann so ein Projekt nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.“ Und als langjähriger Abteilungsleiter im Sozialamtes, der unter anderem auch für alle Kindergärten im Stadtbezirk zuständig war, dürfte er wissen, wovon er spricht.

Etwas gegen die Leerstände unternehmen

Auch das Erscheinungsbild der Stadtmitte will Schwarz in seiner Amtszeit angehen. Die Leerstände dürften nicht weiter zunehmen, so Schwarz, zudem müsse sich in der Fußgängerzone was tun: Der Straßenbelag müsse dringend ausgebessert werden, zudem könne es nicht sein, dass „man in der Fußgängerzone eher Angst haben muss, überfahren zu werden“ als an einer Hauptstraße.

Und natürlich will Schwarz sich auch für den Erhalt der Dudweiler Schwimmbäder stark machen. Auch wenn aktuell eine Lösung insbesondere für das Freibad gefunden ist, befürchtet er, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Ein Leben für Dudweiler … und die Feuerwehr

Es kommt also einiges an Arbeit auf den SPD-Politiker zu, der im November seinen 65. Geburtstag feiert. 44 von diesen bald 65 Jahren verbrachte Schwarz in Diensten für Dudweiler. Angefangen hatte er 1970 – als es noch ein komplett eigenständiges Dudweiler gab – beim Bauamt, wechselte 1976 ins Sozialamt, ab 2005 war er Fachbereichsleiter im Amt für zentrale Dienste. Die Politik kam erst später – seit rund 25 Jahren ist Schwarz SPD-Mitglied. Wirklich politisch aktiv war bislang allerdings nicht, dafür stand ein anderes „Hobby“ viel zu sehr im Vordergrund: Die freiwillige Feuerwehr. Dort war er bereits seit 1967 Mitglied, wurde 1999 Kreisbrandinspekteur im Regionalverband und auch stellvertretender Landesbrandinspekteur – einen Posten, den er bis vor anderthalb Jahren innehatte.

Bürgermeister Schwarz und seine neue 1. Beigeordnete, Gabriele Ungers. (Foto: Thomas Braun)
Bürgermeister Schwarz und seine neue 1. Beigeordnete, Gabriele Ungers. (Foto: Thomas Braun)

Gabriele Ungers zu 1. Beigeordneten und stellvertretenden Rathauschefin gewählt

Nun will sich der verheiratete Vater einer volljährigen Tochter ganz seiner neuen Aufgabe widmen: Das Beste für Dudweiler herausholen. Und damit steht er übrigens nicht alleine: Als 1. Bezirksbeigeordnete und stellvertretende Bürgermeisterin stellte ihm der Bezirksrat am Donnerstag mit zwölf zu acht Stimmen Gabriele Ungers (Linke) zur Seite. Zudem bekräftigten alle Fraktionen, wie bereits in den vergangenen Jahren im Bezirksrat auch über Fraktionsgrenzen hinweg eng zusammenzuarbeiten. Und es zeigen sich bereits die ersten Probleme, gegen die man sich geschlossen wehren muss: So sind künftig offenbar keine Berichterstatter für die Bezirksräte mehr in den Stadtratsausschüssen zugelassen – was beispielsweise FDP-Mann Gerd Kiefer als großen Nachteil empfindet, da man sich nun auf die Berichte der Fraktionskollegen im Stadtrat verlassen müsse.

Der neu gewählte Dudweiler Bezirksrat (Foto: Thomas Braun)
Diese 21 Männer und Frauen wollen sich in den kommenden fünf Jahren für Dudweiler einsetzen: der neu gewählte Dudweiler Bezirksrat (Foto: Thomas Braun)

Eine erste Duftmarke hinterließ auch der erstmals im Rat vertretene AfD-Kandidat Mirko Welsch. Er bot zwar seine konstruktive Zusammenarbeit an – aber nur, solange sich alle in Dudweiler und auch Saarbrücken für Dudweiler einsetzten – und sich der Bezirksrat nicht als zahnloser Tiger erweise. Und er versuchte gleich mehrere Themen direkt auf die Tagesordnung für die kommende Sitzung zu hieven – unter anderem das Thema „Sicherheit im Stadtbezirk“. Zudem will er eine gemeinsame Resolution des Bezirksrats gegen die Sparpläne an der Uni initiieren. Viel Aktivismus, viel Idealismus … aber möglicherweise auch viel Überschätzung der Möglichkeiten eines Bezirksrates eines mittlerweile nicht mehr eigenständigen Stadtbezirkes. Die Zukunft wird zeigen, wie viele Zähne dieser Rat noch hat.

Insgesamt darf man gespannt sein, was der neue Bezirksrat und an seiner Spitze auch der neue Bürgermeister auf die Beine stellen werden. Bilanz gezogen wird in fünf Jahren …

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