Saarbrücker Stadtrat stimmt gegen Freibadschließung – Rot-rot-grüne Koalition vor der Zerreißprobe

Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)
Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)
Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun/Archiv)

Es ist schon eine kleine Sensation: Das Dudweiler Freibad scheint vorerst gerettet. Mit knapper Mehrheit hat der Saarbrücker Stadtrat am Dienstag gegen das von der Verwaltung vorgelegte und bereits nachgebesserte Bäderkonzept gestimmt. Die Stadt steht damit von einer Minute auf die andere vor großen finanziellen Problemen – das rot-rot-grüne Bündnis im Stadtrat droht zu platzen.

Ein Beitrag von Thomas Braun

Immer wieder hatte man während der Marathonsitzung am Dienstag in der Saarbrücker Kongresshalle vor allem Mitglieder der Linkspartei ihre Köpfe zusammenstecken sehen. Bis zur Abstimmung am späten Abend waren offenbar viele Mitglieder unentschlossen, ob sie für oder gegen die Verwaltungspläne stimmen sollte. Am endete verkündete Gabriele Ungers, das die Linke das vorgelegte Konzept unterstützen werde – die zuvor wackelige Koalitionsmehrheit hätte gestanden. In der folgenden geheimen Abstimmung kam es dann aber doch anders: 32 der anwesenden Stadtratsmitglieder stimmten gegen die Pläne, nur 30 dafür. Vor der Kulisse von mehreren hundert Bürgern war das Konzept durchgefallen.

Dabei waren die ursprünglichen Pläne quasi in letzter Minute noch einmal nachgebessert worden. Statt das Alsbachbad in Altenkessel komplett für den Publikumsverkehr zu schließen, sollte doch an mindestens einem Tag ein öffentlicher Badeverkehr angeboten werden. Zudem sollte noch einmal überprüft werden, ob das Außenbecken wirklich geschlossen werden muss.

Investoren für das Freibad – oder Dudobad zum Kombibad ausweiten?

Auch für das Dudweiler Freibad hatte man sich seine Gedanken gemacht. Der Kernpunkt, dass die Stadt sich aus der Verantwortung zieht und stattdessen ein Bürgerbad präferiert, hatte zwar weiter Bestand, allerdings wurde etwas mehr Zeit eingeplant: Das Bad wäre auch 2014 noch einmal unter städtischer Verantwortung geöffnet worden – erst danach hätte eine Entscheidung fallen müssen. Aber, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Bauer bei der Vorstellung des Konzept: „Sollte es zu keiner befriedigenden Lösung kommen, werden wir das Bad schließen.“ Allerdings hatte er auch ein Trostpflaster in der Tasche. Denn werde das Bad wirklich komplett schließen müssen, dann „werden wir ausrechnen, ob wir aus dem Dudobad auch ein Kombibad machen können“.

Doch soweit müsste es vielleicht gar nicht gekommen, denn offenbar gibt es auch zwei ernstzunehmende Investoren, die Interesse am Dudweiler Freibad haben. Details hierzu wurden allerdings noch nicht bekannt – die Pläne noch zu frisch. Aber offenbar ist gerade in den letzten Wochen mächtig Bewegung hinter den Kulissen.

Fünf Millionen Euro an Investitionskrediten gesperrt

Und es muss sich etwas bewegen, denn der Stadtratsbeschluss bringt die Stadt in arge finanzielle Probleme: Nach Angaben von Finanzdezernent Ralf Latz hatte Saarbrücken eigentlich die Aufgabe, bei der Stadtratssitzung am Dienstag Beschlüsse zur Einsparung von vier Millionen Euro zu treffen – darunter die 800.000 Euro bei den Bädern. Andernfalls werde die Kommunalaufsicht des Landes bereits im Haushalt eingeplante Kredite für Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro sperren. Bereits geplante Maßnahmen müssten aufgeschoben werden – aus Dudweiler Sicht zum Beispiel die Verkehrsberuhigung der Büchelstraße oder die Sanierung des Mühlenwegs.

Und das geschieht nun offenbar: Über Nacht wird die Landeshauptstadt in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt – und das rot-rot-grüne Bündnis im Rathaus steht vor der Zerreißprobe. Wie es weitergeht, ist unklar.

Britz redet sich kurzzeitig in Rage

Klar ist, dass nun schnellstmöglich Lösungen auf den Tisch müssen – eine davon hatte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz parat, der während der Diskussion zwischenzeitlich der Kragen platzte und die sich richtig in Rage redete: An den CDU-Fraktionsvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Peter Strobel gerichtet sagte sie: „Gehen Sie mit mir zusammen auf die andere Saar-Seite und machen sie was für die Stadt. Ich lade Sie ein, gemeinsam mit mir zu Maas und Kramp-Karrenbauer zu gehen.“ Mit den Stimmen von 180.000 Einwohner im Rücken sollten sie beide doch stark genug sein, um bei ihren Parteikollegen 800.000 Euro für die Saarbrücker Bäder locker machen zu können.

Strobel hatte die Stadtverwaltung zuvor scharf dafür kritisiert, dass sie die Notwendigkeit der Bäderschließung mit dem vom Land auferlegten Spardruck begründete.

Details zum Kombibad

Eine andere Alternative zum Erhalt des Dudweiler Freibades sind möglicherweise aber auch die Pläne der privaten Investoren. Hier dürfte interessant sein, was demnächst auf den Tisch gelegt wird und welche Ideen da hervorgezaubert werden.

Eine dritte Alternative hatte ja auch SPD-Fraktionschef Bauer angesprochen: Kombibad statt Freibad – also nicht nur eine Liegewiese am Dudobad, sondern auch ein Außenbecken. Entsprechende Anfragen nach der Machbarkeit laufen offenbar schon – die einmaligen Investitionskosten würden nach Informationen des Dudweiler Blogs vermutlich im einstelligen Millionenbereich liegen – niedriger etwa als die städtischen Zuschüsse zum Ludwigspark-Umbau.

Die Fläche des Kombibades könnte bis zum Minigolf-Platz reichen, dazu müsste allerdings die St. Avolder-Straße entwidmet werden. Wolfgang Backes vom Förderverein Dudweiler Bäder zeigte sich durchaus offen gegenüber solchen Plänen. Allerdings sagte er vor der Abstimmung: „Eine reine Absichtserklärung ist mir in diesem Bereich zu wenig. Man muss den Status Quo erhalten, bis das Kombibad funktionsfähig ist.“ Sonst stehe man nachher mit leeren Händen da: Ohne Freibad – und ohne Kombibad.

Einer für alle – alle für Einen: Alle städtischen Bäder in Genossenschaftshand?

Er hält jedoch ein ganz anderes Konzept für tragbar: Eine Genossenschaft, die sich um alle Saarbrücker Bäder kümmert. Ein Bad alleine, so Backes, sei nicht rentabel. Wirtschaftlich machbar sei allerdings aus seiner Sicht, alle fünf Bäder, darunter auch die Hallenbäder, von einer Genossenschaft betreiben zu lassen.


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