Dudweilerer auf Stippvisite in Ruanda

Deutsche Jugendgruppe in Ruanda. (Foto: R. Burkart)
Deutsche Jugendgruppe in Ruanda. (Foto: R. Burkart)
Deutsche Jugendgruppe in Ruanda. (Foto: R. Burkart)

Über den Kirchenkreis Saar-Ost unterhält der Dudweilerer Rüdiger Burkart seit Jahren Verbindungen nach Afrika. Anfang Juli begleitete er eine Jugendgruppe nach Ruanda – wie es dort war und was mit seiner Frau und den Jugendlichen dort alles erlebte, schildert er in seinem Reisebricht für den Dudweiler Blog.

Ein Beitrag von R. Rüdiger Burkart

Mit Verspätung erreichten die fünf TeilnehmerInnen aus dem Kirchenkreis Saar-Ost an dem 4. deutsch/ruandischen Jugendtreffen in Begleitung von Karin und Rüdiger Burkart in den frühen Morgenstunden des 9. Juli Butare/Ruanda im Herzen Afrikas. Die überaus herzliche Begrüßung und Aufnahme durch die Gastgeber ließen die Aufregungen und Strapazen der dramatisch verlaufenen Anreise – verbunden mit einem zweitägigen Zwangsaufenthalt in Karthoum/Sudan – schnell in Vergessenheit geraten. Nach einer kurzen Ruhephase konnte mit dem umfangreichen und anspruchsvollen Programm des knapp dreiwöchigen Jugendtreffens begonnen werden. Thematische Schwerpunkte des Programms, das von der Jugendreferentin unseres Kirchenkreises, Frau Ulrike Zuda-Tietjen und Pastor Lambert Kalisa in Butare erarbeitet worden war, waren neben der Geschichte und Kultur Ruandas die Beschäftigung mit Genderfragen, sowie mit der Frage nach dem Umgang der Ruander mit sozial benachteiligten Gruppen wie Waisen und behinderten Menschen.

Sehr zu unserem Erstaunen stellten wir bald fest, dass in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft die Gleichstellung der Geschlechter verwurzelt ist; so sind Frauen in dem Parlament des Landes im internationalen Vergleich überdurchschnittlich vertreten und das Wahlrecht garantiert ihnen – wie auch Behinderten – eine gesetzlich festgeschriebene Anzahl von Sitzen. In dem Entwurf der ruandischen Regierung für die Weiterentwicklung des Landes „Vision 2020“ ist vorgesehen, dass Menschen mit Behinderungen – soweit dies möglich ist – in Regelschulen inkludiert werden. Daneben wird in „Sonderschulen“ investiert, um eine personengerechte Förderung sicher zu stellen. Wir konnten in der Universitätsstadt Butare einige Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung besichtigen. Diese werden vornehmlich von den Kirchen und von engagierten Privatpersonen betrieben. Beispielweise sind in einer Schule der kath. Kirche mit ca. 500 SchülerInnen etwa 200 Jugendliche mit Behinderungen integriert. In einer privaten Einrichtung für Waisen mit schwersten Behinderungen werden diese von wenigen Pflegerinnen versorgt. Ein Waisenprojekt unserer Partner, der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche ermöglicht es derzeit zwölf Genozid-Waisen ihr Leben zu meistern und Ausbildungen in Schule, Universität und in Berufen zu durchlaufen.

Wiederaufforstung ein wichtiges Thema

Ein weiteres wichtiges Thema war auch die Vernichtung von landwirtschaftlichen Anbauflächen durch Erosion. Dieser versucht man mit einem speziellen Wiederaufforstungsprogramm Einhalt zu gebieten. Dieses Projekt wird schon seit Jahren von der Universität in Koblenz in Zusammenarbeit mit der Universität Butare betrieben. Im Rahmen dieses „Agro-Foresting-Programmes“ wird eine Terrassierung der meist stark abschüssigen Äcker herbeigeführt und so der Abtrag des fruchtbaren Bodens verhindert.

Deutsche Sponsoren ermöglichen Schulbesuch

Natürlich besuchten wir auch die drei Sekundarschulen der Diözese in Butare, Gikonko und Rusatira, wo wir die ca. 1.200 SchülerInnen mit Heften und Dauerschreibern beschenkten. Wir hatten bei diesen Besuchen auch Gelegenheit, die 200 SchülerInnen, die im Rahmen des PAFO-Programmes von deutschen SponsorInnen unterstützt werden, zu treffen. Das Schulhilfsprogramm unseres Kirchenkreises ermöglicht es, dass Jugendliche aus bedürftigen Familien die schulgeldpflichtigen Sekundarschulen besuchen können. Besonders erfreute uns die Begegnungen mit zahlreichen jungen Leuten, die Dank dieses Programmes in der Lage waren, zu studieren und die heute in herausragenden Berufen ihrem Land zur Verfügung stehen. Zu unserem „Pflichtprogramm“ gehörte auch die Besichtigung der Baustelle einer Handwerkerschule, die zur Zeit mit finanzieller Unterstützung des Kirchenkreises errichtet wird, und die im kommenden Jahr mit dem Unterrichtsbetrieb starten soll.

Impressionen aus Ruanda (Foto: R. Burkart)
Impressionen aus Ruanda (Foto: R. Burkart)

Auch der Kauf von über 60 Ziegen für bedürftige Witwen auf einem Viehmarkt stand wieder auf dem Programm – ein unbeschreibliches Erlebnis für alle Beteiligten. All diese Projekte wurden durch Spenden vieler großzügiger Menschen ermöglicht. Bei diesen wollen wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Mitreißende, bis zu vierstündige Gottesdienste

Eine Konfrontation mit der jüngeren Geschichte Ruandas erlebten wir bei einem Besuch der Genozid-Gedenkstätte in Murambi. Eindrucksvoll wurde uns dort von einem jungen Führer von den Geschehnissen im Jahr 1994 berichtet. Mitreißend waren auch die drei- bis vierstündigen Gottesdienste, die wir besuchten. Die deutschen TeilnehmerInnen verstanden zwar kein Wort, da nur Kinyarwanda geredet wurde; entschädigt wurden wir alle durch die gekonnt vorgetragenen Gospel der verschiedenen Chöre und die folkloristisch anmutenden Tänze.

Viel zu schnell ging unser Besuch in Ruanda zu Ende und schweren Herzens mussten wir uns von liebgewonnenen Menschen verabschieden. Sollte mein Bericht bei Ihnen Interesse hervorgerufen haben, mehr über unsere Erlebnisse zu erfahren: setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung. Ich bin gerne bereit, interessierten Gruppen in Bild und Wort weitere Eindrücke von diesem schönen Land und seinen liebenswerten Menschen zu verschaffen.

R. Rüdiger Burkart
Tel. 06897 761455
krburkart@t-online.de

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