Bäderkonzept: Saarbrücken setzt Dudweiler das Messer auf die Brust

Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)
Protestaktion am Freibad (Foto: Thomas Braun)
Protestaktion am Freibad (Foto: Thomas Braun)

Wenn ihr keine Genossenschaft oder einen Förderverein findet, der die Leitung des Freibades übernimmt, werden wir es im kommenden Jahr für immer schließen. So lautet – etwas schärfer formuliert – die Kernaussage des Bäderkonzeptes für Saarbrücken, das die Stadtverwaltung am Freitag präsentiert hat. Auch das Lehrschwimmbecken wird danach wohl nie wieder eröffnet werden können. Als Trostpflaster ist eine Liegewiese am Dudobad im Gespräch.

Das Wunschkonzept der Stadt sieht künftig nur noch vier Bäder für Saarbrücken vor: Das Dudobad als Sport- und Fitnessbad, das Spaß- und Familienbad Fechingen, das Freibad Schwarzenberg und das Alsbachbad als Schul- und Vereinsbad – ohne Außenbecken.

Das Freibad Dudweiler soll demnach geschlossen werden, sofern es nicht gelingt, das Bad ab 2014 von einer Genossenschaft führen zu lassen. Die Stadt würde hier immerhin 50.000 Euro zuschießen. Findet sich keine Genossenschaft heißt es „Tschüss Freibad“ – im Gegenzug würde aber das Dudobad ganzjährig geöffnet werden und bekäme eine Liegewiese spendiert.

Kostendeckelung für Reparaturen am Lehrschwimmbecken

Schlechte Aussichten auch für das Lehrschwimmbecken in der Albert-Schweitzer-Schule: Hier soll nicht mehr saniert werden, wenn die Kosten 40.000 Euro im Einzelfall übersteigen. Geht man aber davon aus, dass – wie Sportdezernent Schindel vor wenigen Wochen sagte – Investitionen im sechsstelligen Bereich nötig wären, kommt diese Kostendeckelung einer Dauerschließung gleich.

Förderverein wirft Stadt jahrelange Versäumnisse vor

Entsprechend scharf die Kritik des Fördervereins Dudweiler Bäder, der der Stadt jahrelange Versäumnisse vorwirft: „Eine schon lange fällige Straffung der Bäderverwaltung und ein tragfähiges Bäderkonzept stehen schon lange aus und wurden von uns immer wieder gefordert“, schreibt der 1. Vorsitzende des Vereins in einer Mitteilung. „Wir lassen uns nicht den Schwarzen Peter für Versäumnisse der Stadt, eine stabile Basis für das Betreiben von Bädern zu schaffen, zuschieben.“

Förderverein: Genossenschaftsbad ist unrealistisch

Die Option, das Bad als Genossenschaftsbad weiterzuführen, hält der Verein für unrealistisch: „Experten sagen, dass lediglich Hallenbäder für genossenschaftliche Lösungen in Frage kommen. Ein Freibad würde aufgrund der unkalkulierbaren Einnahmenseite in einer solchen ‚Lösung‘ unweigerlich zum Bankrott der Betreibergesellschaft führen. Außerdem sind Haftungsfragen hier drängend und kaum lösbar“, so Backes. Der Verein fordert stattdessen, alle Bäder zu erhalten.

Entscheidung am 2. Juli

Noch ist keine Entscheidung gefallen – die Stadt präsentiert ihr Konzept bewusst als Entwurf, über den nun diskutiert werden soll. Doch die Zeit zum diskutieren ist kurz, denn schon am 2. Juli soll der Stadtrat eine Lösung beschließen. Das dürfte spannend werden, denn auch aus der Regierungskoalition stemmen sich Parteien gegen die Schließungspläne. Umgekehrt ist aber wohl auch keine Bereitschaft da, den Sparbeschluss über 800.000 Euro zurück zu nehmen, so wie es der Förderverein fordert.

Kommentar

Es ist wahrlich kein Vergnügen, in Zeiten leerer Kassen die Geschicke eine Stadt zu lenken. Der Sparzwang erfordert zahlreiche unpopuläre Entscheidungen. Die Stadt dennoch für die Zukunft auf den richtigen Kurs zu bringen, ist eine Mammutaufgabe.

Die Zustimmung zum nötigen und unabwendbaren Sparkurs wäre aber sicherlich größer, hätte man das Gefühl, dass nicht einseitig in den Außenbezirken gespart wird, während das Zentrum ungebremst erblühen kann. Und solange auch nur der Eindruck entsteht, dass die Stadt zwar soziale Leistungen wie eine bürgernahe Verwaltung und ein ortsnahes Schwimmbad zurückfährt, aber etwa bei Dezernentenpöstchen den Rotstift zum Streichen aus Versehen verlegt hat, wird die Zustimmung gering sein und die Kritik wachsen.


Pressemitteilung der Stadt und Reaktionen im Wortlaut:

Pressemitteilung zum Bäderkonzept

Reaktion des Fördervereins Dudweiler Bäder

Reaktion der CDU Stadtratsfraktion

 


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