Ungelernte Billigarbeiter retten Dorffest

Damit die Besucher unbeschwert feiern können, wird im Hintergrund kräftig geschufftet.
Damit die Besucher unbeschwert feiern können, wird im Hintergrund kräftig geschufftet.

Fachkräftemangel allerorten, Billigkräfte statt Facharbeiter im Einsatz: Die Medien waren in den letzten Wochen voll von solchen Hiobsbotschaften. Während in der Bundes- und Landespolitik über Auswege aus der Misere diskutiert wird, erreicht der „Skandal“ um Niedriglöhner nun auch das beschauliche Dudweiler.

Nach Informationen des Dudweiler Blogs sind auf der aktuellen Park- und Lichterfestbaustelle im Dudweiler Stadtpark bereits mehrere Arbeitskräfte im Einsatz, deren Entlohnung weit von Tariflöhnen in der Saar-Wirtschaft entfernt ist. Ab kommendem Donnerstag könnte der Anteil ungelernter Billigkräfte im Park weiter ansteigen – nahezu sprunghaft.

Sie heißen Bier-Horst, Pommes-Elfie und Pizza-Käthe (Anm.: Namen von der Redaktion geändert). Unter dem Namen „Ehrenamt“ verrichten sie Schwerstarbeit, manche vier Tage am Stück ununterbrochen in Zwölf-Stunden-Schichten. Abends kämpfen sie sich müde, verschwitzt und ausgelaugt mit schmerzenden Knochen ins Bett, um morgens wieder als erste auf der Matte zu stehen.

Harter Knochenjob

In einer Undercover-Reportage hatte unser Reporter als Rostwurst-Hansi mehrere Jahre verdeckt in der Szene recherchiert: „Den ganzen Tag stand ich hinter dem Grill. Ich war da, bevor die ersten Besucher kamen und ging erst spät in der Nacht, als keiner der Gäste mehr Hunger hatte“, berichtet er. Es sei ein Knochenjob, stundenlanges Stehen, Beine und Rücken schmerzten. „Und dann sind da noch die Großkampftage – wenn am Samstagabend der Hauptact auf der Bühne steht.“ Hunderte Zuschauer, die in der fünfzehnminütigen Pause plötzlich die Essens- und Getränkestände stürmten. „Da kannst Du noch so gut vorbereitet sind – ruckzuck ist der Grill leer gekauft. 60, 80 Würste in fünf Minuten – alle weg. Und die Schlange vorm Stand nimmt kein Ende.“ Dann komme zu dem körperlichen Stress noch psychischer hinzu.

Ohne Helfer geht es nicht

Erstaunlicherweise, so unser Undercover-Reporter, kämen aber nur wenig Klagen von den „Hilfsarbeiter“: „Die machen das gerne … für Ihren Verein, für das Fest.“ Und ein Verantwortlicher habe ihm gegenüber auch erwähnt, wie wichtig diese freiwilligen Helfer wären: „Ohne sie geht es nicht. Dann könnte das Parkfest nicht stattfinden.“ Also doch kein Skandal – eher ein „Dank’erl“. Denn die meisten Helfer würden sich schon mit einer warmen Mahlzeit und ein paar Getränken zufrieden geben.

Jeder Besucher kann helfen

Hansis Resumée nach seiner Undercover-Recherche: „Wir hatten ja den großen Skandal gewittert. Am Ende musste ich feststellen: Die ‚ungelernten Hilfsarbeiter‘ retten das Fest. Ihnen gebürt großer Dank.“ Und auch die Besucher könnten helfen: Indem sie in Scharen kommen, gemütlich essen und trinken und so den Verein unterstützten – denn darum gehe es letztlich auch den Helfern.

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