„Lasst das Schwimmbad auf!“

Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)
Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)
Hunderte Menschen protestierten gegen die Schwimmbadschließung (Foto: Thomas Braun)

„Lasst das Schwimmbad auf!“ skandierten am Samstagvormittag mehrere hundert Menschen am Dudweiler Freibad. Nach Angaben des Veranstalters – dem Förderverein Dudweiler Bäder – waren über 900 Menschen zu der Protestaktion gekommen. Sie forderten den Erhalt der Dudweiler Bäder – stellten sich also nicht nur gegen die drohende Freibadschließung, sondern wollen auch, dass das Lehrschwimmbecken in der Albert-Schweitzer-Schule geöffnet bleibt und das Dudobad nicht nur zum reinen Sportbad für Vereine umgewidmet wird. [*Anmerkung: Mittlerweile hat die Stadt mitgeteilt, dass eine Schließung des Lehrschwimmbeckens oder die Umwidmung des Dudobades in der aktuellen Bäderdiskussion gar nicht angedacht ist.]

Schwimmbäder nicht nur unter dem Kostenfaktor sehen

Als erstes hatte sich Roland Stephan, Sprecher des Fördervereins, die angeblich so schlechte Kostenbilanz des Freibades vorgenommen: „Wenn man Investitionen nur unter dem Kostenfaktor sieht und dem Bürger in Rechnung stellt, müsstem jedem Spaziergänger in der ‚Stadt am Fluss‘ 20 Euro berechnet werden“, stellte Stephan klar und verwies damit auf ein Argument, dass in der Bäderdiskussion derzeit oft genannt wird. Ein Schwimmbad ist eine soziale Einrichtung und darf nicht nur unter Kostengesichtspunkten gesehen werden. Zudem hob Stephan hervor, dass „kurzfriste minimale Einsparungen“ in Zukunft in potenzierter Höhe im Rahmen der Jugendhilfe ausgegeben werden müssten, „da unsere Kinder keine Möglichkeit haben einer gesunden Freizeitaktivität nachzugehen oder sich auszutoben.“

Außerdem sei der Haushalt der Landeshauptstadt durch eine Schwimmbadschließung auch nicht mehr zu retten. Mittlerweile steht fest, dass Saarbrücken ab 2014 überschuldet sein wird – als zweite saarländische Kommune überhaupt. 750.000 Euro für eine Büroeinrichtung und anschließend 200.000 Euro für eine Abfindung für den Chef der Saarbrücker Stadtwerke stellten aber offensichtlich kein haushalterisches Problem dar, kritisierte Stephan.

Und nicht zuletzt habe das Dudweiler Freibad eine über 90-jährige Tradition und sei für Bürger mit mittlerem oder kleinem Einkommen die einzige Möglichkeit den Sommerurlaub zu verbringen.

Schwimmbad wird in diesem Jahr geöffnet

Am Rande der Protestaktion wurde auch klar, dass zumindest in diesem Sommer das Dudweiler Freibad noch einmal geöffnet wird. Und auch bei der weiteren Zukunft ist noch längst nichts beschlossen. Denn anders als beim Sonderstatus, bei dem die rot-rot-grüne Koalition im Stadtrat nicht mit sich reden ließ, formiert sich beim Thema Bäderschließung durchaus Widerstand innerhalb der Koalition.

Keine politische Mehrheit für Schließung

Der Fraktionschef der Linken, Rolf Linsler, hat sich bereits klar für den Erhalt der Bäder ausgesprochen. Das Dudweiler Bad sei in einem guten Zustand und tue Dudweiler sicherlich gut. Deshalb müsse geprüft werden, ob die geforderte Einsparsumme auch ohne Schließung zu erreichen wäre.

Ähnlich äußerte sich auch die Grünen-Fraktion: „Bevor an Bäderschließungen überhaupt zu denken ist, sollten alternative Wege gesucht werden, um die jeweils bedrohten Bäder zu erhalten“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung der Fraktionsvorsitzenden Karin Burkart und Thomas Brück. Eine Alternative haben die Grünen dabei bereits konkret formuliert: Der „eindeutig als uneffektiv kritisierte Verwaltungsapparat“ müsse zu einer leistungsfähigen Organissationsstruktur umgestellt werden. Zudem brachten auch sie das von Charlotte Britz bereits angesprochene Genossenschaftsmodell ins Gespräch – das aber in der Bevölkerung und insbesondere beim Förderverein der Dudweiler Bäder bisher eher auf Ablehnung stößt.

In der CDU-Stadtratsfraktion verwies man darauf, dass die Bäderschließung gar kein Thema sein müsste, wenn in der Stadtratssitzung nicht der Antrag der CDU abgelehnt worden wäre, die Einsparungen von 800.000 Euro im Sport- und Bäderbereich vorerst aus dem Haushaltsbeschluss herauszunehmen.

Mehr zum Thema:

Bürger protestieren gegen Freibadschließung http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/panorama/demo_dudweiler_freibad100.html


Bildergalerie von der Protestaktion vor dem Dudweiler Freibad



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