Keine guten Karten für Dudweiler in der Bäder-Debatte

Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)
Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)
Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)

Nach dem Wegfall des Sonderstatus bestimmt die mögliche Bäderschließung die Diskussion in Dudweiler. Die bislang veröffentlichten Inhalte aus dem Gutachten und die politischen Reaktionen zeigen: Dudweiler hat verdammt schlechte Karten im Kampf um den Erhalt seines Freibades.

Generell scheinen die Politiker in Saarbrücken keine großen Freunde von Bäderschließungen. So sieht das zum Beispiel auch Karin Burkart, Grünen-Stadtratsmitglied aus Dudweiler. Der Saarbrücker Zeitung sagte sie: „Ich halte nicht viel von Schwimmbadschließungen.“ Ähnlich auch Lothar Schnitzler, der Vorsitzende des Linken-Bezirksverbandes Saarbrücken-Mitte: In der SZ sagte er, die Bäderschließung sei „unter Spargesichtspunkten überflüssig“ und „sozial unverantwortlich“. Auch die Freien Wähler, die bei der Sonderstatus-Abstimmung noch für die Abschaffung gestimmt hatten, bezeichneten die Schwimmbadpläne für die Bürger – gerade in Dudweiler – als „Schlag ins Gesicht“.

Die CDU übte ebenfalls Kritik an den Plänen: „Ein gemeindeübergreifendes Bäderkonzept wäre wesentlich sinnvoller als eines, das an der Stadtgrenze endet“, kritisierte der Fraktionsvorsitzende Peter Strobel. Er verwies darauf, dass das Calypso-Bad den größten Zuschussbedarf aller Bäder in Saarbrücken habe.

„Ein schmerzhafter Prozess“

Während sich dies alles noch so anhört, als stünde der Stadtrat geschlossen an der Seite der Bürger, sieht es bei anderen Fraktionen schon anders aus. Die SPD hatte auf Nachfrage der SZ zunächst keine Stellungnahme abgegeben. Stadtratsmitglied Günther Karcher sagte aber, es sei fraglich, ob die Stadt ein behindertengerechtes Bad wie in Altenkessel schließen müsse. Zu Dudweiler sagte er offenbar nichts und zeigt damit auch, wohin der Wind bei der größten Koalitionsfraktion im Stadtrat weht: Den Dudweilerern ins Gesicht.

Und auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Fiedler, der sich noch öffentlich für den Sonderstatus eingesetzt hatte, bereitet die Bevölkerung nun auf „einen schmerzhaften Prozess“ vor. Die Verwaltung könne nicht mehr einfach weiter in diesem Maße Bäder subventionieren, zitiert ihn die Saarbrücker Zeitung.

Einsparung beschlossen, nur über das „Wie“ darf diskutiert werden

Eines scheint offenbar klar: An dem geplanten Einsparbetrag von 800.000 Euro im Bäderbereich wird nicht gerüttelt; der ist schon beschlossene Sache. Jetzt wird nur noch über das „Wie“ gestritten. Aktuell stehen zwei Bäderschließungen auf der Vorschlagsliste – sollte am Ende der Diskussionen eines „gerettet“ werden können, könnte die Politik das schon als Erfolg verkaufen.

Und rein objektiv betrachtet dürfte klar sein, welches Bad die besseren Karten hat: das einzige behindertengerechte städtische Bad, dass zudem als Kombibad auch wichtig als Trainingsstätte für die Vereine ist. Das mit Abstand „teuerste“ Freibad mit den sinkenden Besucherzahlen in einem Stadtbezirk, der aktuell zwei Bäder hat, dürfte da eher geopfert werden.

Zweifelhaftes Gutachten?

Untermauert wird es von den Erkenntnissen des Gutachtens: Danach ist das Freibad mit einem Zuschuss pro Badegast von 9,61 Euro das vergleichsweise teuerste aller Saarbrücker Bäder und hat mit die wenigsten Gäste.

Es ist aber jetzt schon klar, dass die Aussagekraft des Gutachtens in der Debatte massiv angezweifelt werden wird: Zum einen, weil es vom privaten Konkurrenten der städtischen Bäder erstellt wurde – hier hat die Stadt quasi eine Steilvorlage für Proteste geliefert. Zudem gibt es Gerüchte, dass das Gutachten schon im Oktober vorgelegen habe und offenbar mehrfach nachgebessert wurde. Eine Bestätigung hierfür gibt es natürlich nicht.

Dudweiler Bad das „älteste“ der Saarbrücker Bäder

Die Dudweiler Politiker, Bürger und Vereine werden sich nun mit Argumenten bewaffnen und gegen die Pläne kämpfen. Bei vielen in der Bevölkerung dürfte angesichts der Schlappe bei der Sonderstatus-Abstimmung aber auch eine gewisse Resignation eingetreten sein – neben der Wut und Enttäuschung. Die ist übrigens mehr als verständlich: Denn bis auf ganz wenige sehr alte Bewohner dürfte kein Dudweilerer seinen Heimatort jemals ohne Freibad erlebt haben.

Das Dudweiler Bad ist von allen verbliebenen Saarbrücker Bädern das mit der längsten Tradition. Das Freibad wurde 1924 eröffnet – lange bevor an den Bau der anderen überhaupt gedacht wurde. Im Totobad kann erst seit 1959 geplanscht werden, das Fechinger Bad hatte im letzten Jahr sein 40-jähriges Bestehen in der jetzigen Form gefeiert und das Alsbachbad wurde erst 1975 für 5,6 Millionen Mark fertiggestellt. Das Dudobad hat rund 40 Jahre auf dem Buckel.


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