Großer Diskussionsbedarf: Dudweiler Freibad soll dicht machen

Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)
Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)
Dudweiler Freibad (Foto: Bäderbetriebsgesellschaft Saarbrücken)

Es war ein offenes Geheimnis, dass die Saarbrücker Zeitung in Ihrer Ausgabe vom Dienstag lüftete: Das Dudweiler Freibad steht zusammen mit dem Altenkesseler Alsbachbad auf der Streichliste und soll möglichst schnell geschlossen werden. So soll es zumindest das 60.000 Euro teure Gutachten, dass die Bäderbetriebsgesellschaft (BBS) beim privaten Betreiber des Calypso-Bades in Auftrag gegeben hat, empfohlen haben.

Warum man ein so teures Gutachten braucht, um anschließend die zwei Bäder, die in der vergangenen Freibadsaison die niedrigsten Besucherzahlen aller Saarbrücker Bäder hatten, als am ehesten verzichtbar zu erklären, dürfte eine der Fragen sein, die die Stadt und die BBS nun beantworten müssen. 2012 besuchten insgesamt 46 409 Gäste das Dudweiler Freibad – und das, obwohl die Öffnung mehrfach wegen technischer Probleme verschoben werden musste. Stärkster Monat war der August mit 25 187 Besuchern, alleine am 19. August bevölkerten 4653 Menschen das Dudweiler Freibad. Im Vergleich mit Fechingen und dem Totobad hinkte das Dudweiler Freibad aber deutlich hinterher: Nach Fechingen kamen im August rund 38.000 Badegäste, ins Totobad sogar knapp 70.000 Gäste. Das Altenkesseler Alsbachbad zählte im Vergleichsmonat knapp 11.000 Besucher.

Es dürfte dennoch spannend werden, wie die Stadt – außer mit den Besucherzahlen – die Schließung in Dudweiler und Altenkessel begründen will. Denn Besucherzahlen sind ja nicht alles: Dem gegenüber müssen die Auslastung, die jeweiligen Fixkosten, der Sanierungsbedarf etc. betrachtet werden. Das sollte die Stadt den Bürgern offen legen und sich nicht hinter Vereinbarungen mit dem Gutachter verstecken.

Mutterkonzern der BBS sorgt für Negativschlagzeilen

Klar ist: Schwimmbäder sind und bleiben ein Zuschussgeschäft. Nach SZ-Angaben machen die städtischen Bäder im Jahr rund fünf Millionen Euro Miese. Offenbar zu viel für eine Stadt, der das Wasser finanziell bis zum Hals steht.

Allerdings sollte die Diskussion nicht nur auf die unterste Ebene heruntergebrochen werden: Bäder kosten fünf Millionen – also schließen wir zwei. Auch die dahinterstehenden Strukturen gehören auf den Prüfstand. Die Bäderbetriebsgesellschaft gehört zum VVS-Konzern, der in den letzten Wochen mehrfach negativ in den Schlagzeilen war: Zum einen die Affäre um den Ex-Vorstand Peter Flohr, der sich mal eben mit dem Segen der Mehrheit der übrigen Vorstandsmitglieder ein Luxusbüro für knapp eine Million Euro eingerichtet hat und offenbar auch bei seinen Spesenabrechnungen nicht ganz ehrlich hat. Er ist mittlerweile nicht mehr im Amt – im Raum steht aber noch eine Abfindung von 200.000 Euro.

Und dann ist da ja noch das 50 Millionen Euro teure neue Gasheizkraftwerk im Industriegebiet Süd: Eigentlich sollten mit dem Kraftwerk der Stadtwerke Verluste beim VVS-Konzern ausgeglichen werden; stattdessen bringt es im kommenden Jahr vermutlich selbst einen Verlust von mehr als zwei Millionen Euro. Dennoch will die Stadt daran festhalten – zum einen wegen Lieferverträgen, die eingehalten werden müssen, aber auch, weil sie daran glaubt, dass das Kraftwerk langfristig Gewinne einfährt.

Viel Klärungsbedarf

Fassen wir zusammen: Wir haben komplizierte Organisationsstrukturen bei den städtischen Gesellschaften – aber irgendwie hängt doch alles zusammen. Wir haben hochbezahlte Manager, die sich ungeniert die Taschen voll machen. Wir haben Millionen-Investitionen in anderen Bereichen des Konzerns, die sich zumindest für den Moment als teure Fehlentscheidungen entpuppen. Und letztlich haben wir ein Gutachten, dass bei einem privaten „Konkurrenten“ der städtischen Bäder in Auftrag gegeben wurde und das die Schließung des Dudweiler Freibades empfiehlt.

Ob unter diesen Voraussetzungen auch nur mit einem Funken Akzeptanz in der Bevölkerung für die bevorstehende – generell schon unpopuläre – Entscheidung gerechnet werden kann, dürfte mehr als fraglich sein. Es wird ein harter Kampf und mit Sicherheit ist noch nichts entschieden: Denn anders als beim Sonderstatus, wo die Bürger angeblich nichts oder nur wenig spüren werden, ist die Schließung des Freibades ein spürbarer Einschnitt. Und mit solch „spürbaren“ Entscheidungen dürfte sich eine Koalition im Rathaus schwer tun, wenn im kommenden Jahr die Kommunalwahlen anstehen.

Mehr zum Thema

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/sulzbachtal/Dudweiler-Freibad-soll-schliessen;art2811,4630033

http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/politik_wirtschaft/gaskraftwerk_britz100.html

http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/politik_wirtschaft/stadtwerke_verluste100.html

http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/panorama/vvs_aufsichtsrat_flohr_kommission_prokura_vorstandsetage_kosten100.html

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3 Thoughts to “Großer Diskussionsbedarf: Dudweiler Freibad soll dicht machen”

  1. Heinz-Dirk Luckhardt

    Rätselhaft, warum man überhaupt ein Konkurrenzunternehmen mit einem „Gutachten“ beauftragt. Mit dem Ergebnis kann man doch so oder so nix anfangen, mit einem wie diesem schonmal gar nicht. Das wird denen doch um die Ohren gehauen…..

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  2. Schwimmbäder sind auch ein Stück Lebensqualität. Die Schließung ist die schlechteste Lösung. Hier müssen Stadt und Förderverein mit den Bürgern nach einer gemeinsamen Lösung suchen. In Neustadt klappt das seit 15 Jahren mit 3 Bädern. Dank einer ungeheuren Eigenleistung der Bürger konnten die Kosten um über 50%/Jahr gesenkt werden.

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  3. Thomas Braun

    Hier noch ein Kommentar, der uns per Mail erreicht hat: Um die Kosten des Calypso einzutreiben sollen öffentliche Bäder mit günstigem Eintritt geschlossen werden?! Is ja wurscht, wenn Kinder nicht mehr schwimmen lernen?! Wenn Leute, die kein Geld für Urlaub haben, nicht mal mehr ihre Kinder ums Eck zum Plantschen im Nass schicken können?

    Zum Teufel, schließt doch das Calypso! Ich war aus Protest noch nie drin, auch wenn DER Mist nicht absehbar war.
    Da kommt man aus den langfristigen Verträgen nicht raus? Wie? Die sind doch eindeutig sittenwidrig, ja kriminell!

    So was muss gekippt werden, wo landen wir sonst? Sage mir einer, das sei grundgesetzkonform. Das ist ja vieles nicht mehr.

    Würden die einstigen Planer und die Firma für diesen gemeingefährlichen Mist haftbar gemacht, wären wir endlich auf dem richtigen Weg.

    Hier zeigt sich die Bananenrepublik, in die uns die Bänker mit der Krise verfrachtet haben, endlich ganz genau. Und das war erst der Anfang, wenn Städte pleitegehen…

    Hilde Marie Hartmann

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