Auf Tour mit Charlotte, oder … Warum die Gemeinwesenarbeit kommt, wir den Sonderstatus aber nicht mehr brauchen

Charlotte Britz im Gespräch mit Dudweiler Bürgern (Foto: Thomas Braun)
Charlotte Britz im Gespräch mit Dudweiler Bürgern (Foto: Thomas Braun)
Charlotte Britz im Gespräch mit Dudweiler Bürgern (Foto: Thomas Braun)

Dass sich die Menschen vor allem für das interessieren, was vor ihrer Haustür geschieht, war uns klar. Nicht umsonst haben wir dieses lokale Weblog aus der Taufe gehoben. Dass es Teile der Dudweiler Bevölkerung mit „vor der Haustür“ aber so wörtlich nehmen, hat uns dann doch etwas überrascht. Denn eines der immer wiederkehrenden Themen bei dem Stadtteilrundgang und der Bürgersprechstunde mit Oberbürgermeisterin Charlotte Britz am Mittwoch in Dudweiler war die Situation der Straßen direkt vor der Haustür der Anwohner. So wurde über die Straße im Tierbachtal diskutiert oder über den Fahrbahnbelag der Hauptdurchgangsstraße Fischbachstraße.

Flüsternde Sanierung

Die Tierbachtalstraße hätte eine Sanierung sicherlich dringend notwendig und ein Flüsterasphalt in der Fischbachstraße wäre auch wünschenswert und wurde von der Verwaltung und den anwesenden Lokalpolitiker auch erkannt. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich gemacht, dass kurz- und wahrscheinlich auch mittelfristig dort nichts passieren wird. Weder im Tierbachtal nicht, weil hier derzeit noch Gespräche mit der Firma Leffer laufen, die offenbar eine Betriebsvergrößerung beantragt haben, was sich auch auf die Straßensituation auswirken würde. Aber auch nicht in der Fischbachstraße, weil die Priorität im Vergleich zu anderen Projekten in Dudweiler derzeit noch nicht so hoch bewertet wird – zumal sich bei solchen Straßensanierungsarbeiten auch immer mit anderen Beteiligten wie den Kanalbetreibern etc. abgestimmt werden muss.

Wer braucht schon einen Sonderstatus?

Zur Ehrenrettung der Dudweilerer: Sie kehren nicht ausschließlich direkt vor der eigenen Haustür, sondern schauen auch etwas über den Tellerrand. Ein angesprochenes Thema war deshalb auch der Dudweiler Sonderstatus. Hier ließ sich Charlotte Britz – ganz der Politikprofi – aber keine genaue Aussage entlocken: „Für uns ist wichtig, dass die Bürger vor Ort gut bedient werden“, sagte die Rathauschefin – und war auch gerne bereit, dieses Credo öfters zu wiederholen. Was das aber für die Zukunft des Sonderstatus heißen wird, darauf wollte sich Britz nicht festlegen lassen. Wenn sie aber gleichzeitig betonte, dass Angebot und Qualität sich nicht an einzelnen Personen festmachen lassen (sollen), scheint klar – wohin der Weg führen wird: Hin zur Uneigenständigkeit. Was genau Dudweiler dadurch aber letztlich verlieren wird, scheint derzeit niemand so genau sagen zu können – weder Befürworter, noch Gegner.

Das Toilettenhäuschen im Park kommt … irgendwann … vielleicht

Weil die Diskussion über den Sonderstatus bewusst kurz gehalten wurde, wollen wir hier auch nicht länger darauf eingehen. Schließlich hatten wir vom Blog noch ein paar mehr Themen mitgenommen, auf die wir von Euch als Leser angesprochen worden waren: Zum Beispiel die Situation ohne Toilettenhäuschen im Dudweiler Stadtpark. Seit Jahren ist das vorhandene Häuschen geschlossen und die Parkbesucher, sowohl Mütter mit Kindern, als auch Patienten des Krankenhauses oder Bewohner des Pflegeheims St. Irminia müssen ohne stilles Örtchen auskommen.

In den letzten Wochen scheint aber Bewegung in die Sache gekommen zu sein, wie Bezirksbürgermeister Rodermann erklärte. Vor zwei Wochen gab es einen vor Ort-Termin mit dem Betreiber, der Saarbrücker Gebäudemanagement-Firma GMS und es werden offenbar verschiedene Optionen diskutiert. Eine davon ist die Errichtung einer Toilettenanlage am alten Platz – aber auch eine „Umwidmung“ des ehemaligen Affenhauses ist im Gespräch. Jetzt sollen aber erst einmal Pläne erarbeitet werden, bevor dann konkret etwas umgesetzt wird. Einen genauen Zeitpunkt, wann im Park wieder Toiletten verfügbar sein werden, konnte weder Bezirksbürgermeister Rodermann, noch Oberbürgermeisterin Britz nennen.

Der Jugend in Dudweiler eine Perspektive geben

Auch bei einem anderen, für Dudweiler wichtigen Projekt scheint es hinter den Kulissen ordentlich Bewegung zu geben: die Einrichtung einer Gemeinwesenarbeit für Dudweiler, die im Bezirk Mitte angesiedelt sein soll und sich mit ihrem Angebot vor allem an Kinder und Jugendliche richten soll. Und offenbar ist dringender Handlungsbedarf gegeben: Denn nach Aussage von Herrn Rodermann leben über 50 Prozent der Kinder in Dudweiler von Hartz IV. Diese Kinder in die Gesellschaft zu integrieren ist ein großes Muss, wenn es mit Dudweiler nicht endgültig den Bach hinunter gehen soll.

Vor wenigen Wochen hat es einen Workshop zu dem Themenbereich gegeben, zudem laufen derzeit Gespräche mit Sozialverbänden als möglichen Trägern – letztlich bleibe es immer auch eine Frage der Finanzierbarkeit, wie beide Stadtoberhäupter erklärten. Aber Oberbürgermeisterin Britz zeigte sich zuversichtlich, dass eine Lösung für ein Gemeinwesenprojekt in Dudweiler gefunden werde. Weitere Informationen und vielleicht sogar erste Ergebnisse sollen am 26. September bei einer Veranstaltung im Bürgerhaus vorgestellt werden.

Dreckig wurde es auch zwischendurch

Last but not least: Eine Bürgersprechstunde ist keine Bürgersprechstunde, wenn nicht auch über das Thema Müll gesprochen wird. Auch wenn das Thema schnell abgehandelt werden konnte: Müll ist dreckig, Müll ist ärgerlich – und wir als Stadt tun einiges dagegen, wobei jeder aber auch vor seiner eigenen Haustür kehren muss. Wobei wir wieder am Anfang wären – die eigene Haustür. Für uns als Dudweilerer bleibt nur zu hoffen, dass Frau Britz nicht auch nur vor der eigenen Haustür kehrt, sondern ab und an vom Rathaus in St. Johann auch mal gen Westen nach Dudweiler schaut.

Wir freuen uns jedenfalls auf das nächste Jahr und den nächsten Rundgang mit Charlotte – wir werden wieder dabei sein und unseren Beitrag von diesem Jahr wieder mitbringen … und dann abhaken: Straßensanierungen? Check! (zumindest die, die auf der Prioritätenliste höher stehen als die Fischbachstraße) Toilettenhäuschen? Check! Gemeinwesenarbeit? Check!

Und wenn wir nicht alles abhaken konnten, haken wir nach – sicher ist: Wir vergessen nicht, das Netz vergißt nicht und die nächste Wahl kommt bestimmt 🙂

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One Thought to “Auf Tour mit Charlotte, oder … Warum die Gemeinwesenarbeit kommt, wir den Sonderstatus aber nicht mehr brauchen”

  1. Zum Thema Sonderstatus:
    Mein Name ist Karin Schmidt und ich bin vor fast 55 Jahren in Dudweiler geboren und habe 50 Jahre in meiner Heimatstadt gelebt. Vor knapp 5 Jahren bin ich aus privaen Gründen auf den Rodenhof gezogen.

    Ich habe in Dudweiler seit 2007 eine Naturheilpraxis und dss soll möglichst lange so bleiben.
    Seit ich denken kann, habe ich mich für Dudweiler eingesetzt. Hier geht es nicht nur um die Häuser, die dort stehen, sondern um die Menschen die dort leben. Liebenswerte, bodenständige, machmal etwas eigensinnige, Menschen, aber wie gesagt sehr liebenswert und hilfsbereit.
    Mein 1.Engangement war 1974, als es darum ging gegen die Eingemeindung zu protestieren. Mein Glaube an die Demokratie war derzeit unerschütterlich, wollten doch meines Wissens über 90% die Eigenständigkeit der Stadt Dudweiler, bewahren. Wie naiv, war ich damals. Ich denke, dass das Vorhaben der Eingemeindung zu dem Zeitpunktlängst beschlossene Sache war ( wenn es anders ist, ich lasse mich gerne belehren).
    Wie enttäuscht war ich, als ich erkannte das Demokratie nur auf dem Papier stand und die Meinung einer ganzen Stadt ignoriert wurde.

    Als Geschenk bekamen wir das, von niemandem akzeptieren Bürgerhaus und Dudogalerie. Ohne Rücksicht auf die bestehende Aufteilung bzw. besthende Strukturen der Stadt, wurde dieser rückenlose Fisch ( Perspektive von oben – aber wie oft fliegen wir schon über Dudweiler??) von Herrn Prof. Böhm konzipiert( wie wenig architektonisches Gespür hatte Herr Prof. Böhm und wieso wurde das genehmigt?? Ich versethe es bis heute nicht und ich glaube keine gebürtiger Dudweiler Bürger.
    Dann versuchte ich mit vielen Mitstreitern unser ehemaliges altes Kino Dudweielr Scala“ zu erhalten. Wir hofften 2004, das die Stadt Saarbrücken, das Gebäude erwerben würde und zum Kino, Theater und Gastronomie ausbauen würde. Ganz Dudweiler hatte geholfen, diesen Traum wahr zu machen. Ich danke heute noch allen Dudweiler Bürgern und vielen Menschen aus dem ganzen Saarland die uns unterstützt haben.
    Wir bekamen Gelder aus dem europäischen Urban -projekt, auch da möchte ich allen danken, die mitgeholfen haben. Allerdings wurde dieses Geld für die Führung eines Büros ausgegeben und nicht für das Gebäude selbst. Nur das hätte funktioniert. Die ganze Innenstadt wurde damals durch unsere Veranstltung belebt, Gastronimie und die anderen Geschäfte profitierten von unserem Idealismus. Leider ist das Vorhabenan der Finanzierung gescheitert ( Wir hätten als Vorstand haften müßen und das wollten unsere Mitglieder nicht zulassen)
    Zeigleich konnte ich mit meiner Freundin Petra, die Geschäftsleute von Dudweiler überzeigen einen runden Tisch zu gründen. Pro D.O.R.F ( Dudweiler Offensive regionalen Fortschritts ( Namensgeberin:Jana Günther)wurde gegründet
    Noch im gleichen Jahr fanden die 1. “ Dudwiler Lichtblicke“ ( Namensgeberin : Petra Crauser-Sauer) statt. Ein im gesamten Saarland bekanntes Event. Am 9.11.2012 findet es wieder statt.
    Zur zeit versuche ich, gemeinsam mit den Geschäftsleuten der unteren Saarbrücker Straße, Mühlenweg, Theodor-Storm-Straße, Büchel mit verschiedenen Aktionen, den abgetrennten Straßenabschnitt nochmal neues Leben einzuhauchen. Eine neuen Nemen für das Viertel haben wir gefunden „Mühlenviertel(. Die nächste Veranstlatung ist am 14.12.2012 von 10 bis 18 Uhr.
    ..und was ich eigentlich sagen wollte:
    ICH BIN GEGEN DIE AUFLÖSUNG DES SONDERSTATUS!!!!!!
    ICH BIN FÜR EIGENE STADTRECHTE ( AUCH WENN DAS NOCH SO ILLUSORISCH IST)
    ICH RUFE ALLE BÜRGER, GESCHÄFTSLEUTE, INSTITUTIONEN, VEREINE AUF SICH ZU WEHREN!
    INSBESONDERE DIE DUDWEILER FRAKTIONEN; NEBST BEZIRKSBÜRGERMEISTER HERR RODERMANN AUF, DAFÜR SORGEN ZU TRAGEN, DAS DEMOKRATIE NICHT NUR EIN WORT IST, SONDERN EIN VERBRIEFTES RECHT DES BÜRGERS IST, DAS EINZUHALTEN UND ZU BEWAHREN IST.
    Schreiben Sie mir, ich würde mich gerne im Januar mit möglichst vielen Bürgen treffen und gemeinsam überlegen wie wir vorgehen.
    In diesem Sinne

    Kaarin Schmidt

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