Und plötzlich war der Bildschirm schwarz – geschichtsträchtiges Public Viewing in Saarbrücken

Not macht erfinderisch: Statt auf der defekten Leinwand wird das Spiel auf dem Smartphone im Livestream verfolgt (Foto: Thomas Braun)
Not macht erfinderisch: Statt auf der defekten Leinwand wird das Spiel auf dem Smartphone im Livestream verfolgt (Foto: Thomas Braun)
Not macht erfinderisch: Statt auf der defekten Leinwand wird das Spiel auf dem Smartphone im Livestream verfolgt (Foto: Thomas Braun)

Ob folgenreicher Dummer-Jungen-Streich, Unachtsamkeit oder technischer Defekt – die genauen Ursachen sind offiziell nicht bekannt. Fakt ist aber, dass beim 4:2 Viertelfinalerfolg der deutschen Mannschaft gegen die Griechen rund 3.000 Fans in Saarbrücken nach fünfzehn Spielminuten den absoluten Super-GAU erlebten: Ein schwarzer Bildschirm – ein Defekt, der bis Spielende nicht vollständig behoben werden konnte. Hier die ganze Geschichte.

Offiziell haben 4.000 Fans im Innenhof des Saarbrücker Rathaus-Carrées Platz – und zum Anpfiff des Viertelfinales Deutschland gegen Griechenland am Freitagabend war der Platz mehr als gut gefüllt. Geschätzte 3.000 Fans waren gekommen, um die Deutschen zu bejubeln. Und der Anfang war vielversprechend: Strahlend blauer Himmel, friedliche Atmosphäre und eine gut aufgelegte deutsche Mannschaft. Das versprach ein großartiger Fußballabend zu werden … bis zur 15. Spielminute. Dann geschah das Unfassbare: Ein lauter Knall – plötzlich war der Bildschirm schwarz, der Ton weg. Totalausfall. Hinter der Leinwand tauchen ein paar Jugendliche auf. Direkt stürmen Sicherheitskräfte herbei und nehmen die Jugendlichen in Gewahrsam – oder sollten wir besser sagen: Bringen sie in Sicherheit. Denn sofort springen auch die ersten Fußball-Fans auf und stürmen auf die Minderjährigen zu.

Was genau geschehen war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr rekonstrieren. Offizielle Aussagen gibt es nicht – der Veranstalter des Public Viewings ist zwar vor Ort, aber für Presseanfragen nicht zu erreichen. So bleiben die Gerüchte: Die Jugendlichen haben die Stromkabel vorsätzlich durchgeschnitten. Eine andere Version lautet, die Jugendlichen hätten den Stromkasten umgeworfen. Auch kursiert das Gerücht, die Jugendlichen hätten Getränke in den Stromkasten gekippt. Vielleicht war es aber auch nur ein unglücklicher Unfall.

Die Sicherheitskräfte dürfen offiziell nichts sagen – verweisen auf den Veranstalter. Der ist nicht zu einer Stellungnahme bereit. Das letzte inoffizielle Statement, das zu hören war, lautete: „Sicherung durchgebrannt. Kann man halt nichts machen.“

Der Ton ist wieder da … und die Polizei

Rund fünf Minuten später – der Bildschirm immer noch schwarz, Blaulicht am Rathausplatz. Offenbar wurde die Polizei verständigt. Die ersten Fans verlassen den Platz. Dann ist der Ton wieder da: Hoffnung keimt auf. Zurück ins Radiozeitalter versetzt hören die Fans das 1:0 der deutschen Mannschaft und bleiben vor Ort – vorerst. Doch die Reparaturversuche verlaufen erfolglos. Immer mehr Fans wandern ab – andere zücken ihre iPhones und sind glücklich, dass das ZDF das Spiel auch als Livestream in seiner Mediatheks-App anbietet. Tolle, neue mobile Welt. Getrübt wird das Glück dadurch, dass das Spiel mit rund einer Minute Verzögerung im Livestream einläuft: Torjubel über die Audio-Anlage am Rathaus-Carrée – rund eine Minute später erst auf dem Miniaturbildschirm; live ist dann doch anders. Aber immerhin hat man das Tor GESEHEN – im Gegensatz zu den anderen 1.500 Fans, die es noch vor Ort ausgehalten haben. Die andere Hälfte ist bereits abgewandert.

Dann in der Halbzeit: Plötzlich wird der Bildschirm wieder hell. Das ZDF-Logo ist zu erkennen – aber in absoluter Übergröße. Nur ein winziger Teil des Spielfeldes wird angezeigt – im Prinzip nur die Ergebnisanzeige am rechten oberen Bildschirmrand: Den verbliebenen 300 Fans scheint das aber zu reichen. Sie bejubeln die anderen vier Tore und raufen sich die Jahre bei den zwei Gegentreffern. Letztlich ist es das Ergebnis, das zählt. Deutschland ist eine Runde weiter.

Wer – wie wir – am Rathausplatz ausgeharrt hat, und die Tore nicht alle gesehen hat – hier noch einmal das Spiel in der Zusammenfassung: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/Sport/4674/23115858/8cd152/DFB-Team-zieht-ins-Halbfinale-ein.html

Notiz am Rande: Getränke gab es genug, Sitzplätze ebenfalls, die Security war routiniert, das Personal an den Bierständen entspannt – lediglich die Dame am Toilettenwagen sollte an ihren Manieren arbeiten: Wer als Besucher nicht bereit war, die Benutzungsgebühr von 50 Cent zu bezahlen, wurde rigoros vom stillen Örtchen gezerrt. Das wollen wir im Halbfinale nicht mehr sehen … und natürlich auch keinen schwarzen Bildschirm.

Hier ein paar Impressionen vom denkwürdigen Fußballabend – Videos folgen:

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