Reinigungsprozess oder Auflösungserscheinungen? Generalsekretär verlässt FDP

Die FDP im Saarland ist um einen prominenten Politiker ärmer: Ihr Generalsekretär Rüdiger Linsler wechselt von der FDP zur SPD. Sein Mandat im Saarbrücker Stadtrat will Linsler jedoch behalten. Sind das weitere Auflösungserscheinungen bei der saarländischen FDP? Parteichef Luksic zeigt sich gelassen, scharfe Kritik kommt aber vom Dudweiler FDPler und Julis-Landeschef Tobias Raab.

Im Interview mit SR 3 zeigte sich Parteichef Oliver Luksic gelassen: Reisende solle man nicht aufhalten, mittelfristig sei der Weggang für die Stabilität der Partei nicht negativ. Luksic hält es auch für durchaus möglich, dass noch weitere prominente Austritte folgen könnten. Linsler zählt zu dem Kreis um den ehemaligen Parteigranden Hartmut Ostermann.

Kritik aus Dudweiler

Der Dudweiler-FDPler und Juli-Landeschef Tobias Raab hat scharfe Kritik an Linsler geübt: „Nachdem er Teamgeist vermissen ließ, die Beschlusslage der Partei öffentlich missachtete und die Partei im Wahlkampf im Regen stehen ließ, ist dies der unrühmliche Schlusspunkt der Zeit des Generalsekretärs Rüdiger Linsler in der FDP Saar“, so Raab. Die frühzeitige Einbindung der Presse und der Zeitpunkt des Austritts legten nahe, dass es Linsler maßgeblich darum ging, der FDP Saar vor ihrem Landesparteitag massiv zu schaden und einen möglichen Neuanfang zu torpedieren.

Ende der Ostermann-Ära?

Auch der ehemalige Vorsitzender der FDP in Malstatt, Henning Diehl, mittlerweile bei der Freien Union, übte Kritik an Linslers Entscheidung und zeigte sich sichtlich irritiert: Als er vor einigen Monaten ausgetreten war, sei es Linsler gewesen, der seine Bedenken wegwischen wollte und nicht ernst genommen habe. „Gerade er als Generalsekretär und als Mitglied im Saarbrücker Stadtrat hatte aber maßgebliche Verantwortung im Landesverband. Daher klingt für mich der plötzliche Wechsel in die SPD nach einer gesinnungstechnischen Quadratur des Kreises“, so Diehl.

Diehl sieht auch das Ende der Ostermann-Ära in der Partei: „Mit den Austritten von Rüdiger Linsler und Peter Müller aus Homburg sehen wir aber auch, wie stark der Einfluß Ostermanns und dessen Ziehsohn Christoph Hartmann schwindet.“ Die FDP im Saarland zerlege sich selbst. Für eine einst traditionsreiche Partei unter Herrn Klumpp sei das ein Armutszeugnis. „Die Saar-FDP hat für mich den Zustand von Atlantis. Die Basis geht unter. Der Kopf rettet sich in andere Gefilde“, fügte er in seiner Presseerklärung hinzu.

Ob die Partei wirklich an ihrem eigenen Grab schaufelt oder eher einen Reinigungsprozess durchläuft – wie die Reaktion von Luksic nahelegt – das wird die Zukunft zeigen müssen. Der Posten des Generalsekretärs wird möglicherweise schon bald neu besetzt – wenn es nach Luksic geht mit der Saarbrücker Kommunalpolitikerin Nathalie Zimmer.

Mehr zum Thema auch bei SR-online.de: http://www.sr-online.de/nachrichten/740/1428857.html

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