Armutszeugnis Dudweiler Kirmes?

Unabhängig voneinander erreichten uns heute zwei Beiträge zur Dudweiler Kirmes, die ein trauriges Bild vom diesjährigen Treiben auf dem Dudo- und dem Marktplatz zeichneten. Hat da eine Abwärtsspirale eingesetzt, die zum Ende der Kirmes in Dudweiler führt?

Beitrag von unserem Autor Hans Stumpf:

Sonntagmittag auf der Kirmes
Sonntagmittag auf der Kirmes

„Heute am Sonntag, 28. August, bin ich mit meiner Familie mal seit Jahren wieder über die Kirmes gegangen. Ich muss sagen, ich bin erschüttert. Was ist aus unserer Kirmes geworden? Früher (Ja ich weiß, *nicht* alles war besser), da war so richtig was los. Heute hab ich für Kinder drei Fahrgeschäfte und für „Erwachsene“ zwei gesehen. Wo sind die ganzen Fahrgeschäfte von früher geblieben? Viele Buden gibt es auch nicht mehr und zwei! einsame Bierstände und Wurstbuden ist alles was für das leibliche Wohl da ist!

Wo ist ein Bierzelt, was zur Kirmes unbedingt gehört? Wo ist meine Kirmes geblieben, wo freitags im brechendvollen Zelt eine Boxveranstaltung zur Eröffnung war und Samstag/Sonntag auf dem Festgelände vor lauter Publikum kein durchkommen mehr war? Als ich in den 70er Jahren noch Taxi fuhr, war die Kirmes die wahre fünfte Jahreszeit. Verlieren wir denn in Dudweiler so langsam alles was es liebenswert gemacht hat?“

In unserer Wer-kennt-wen-Gruppe vom Dudweiler Blog hat Klaus Kirch ebenfalls von seinen Erlebnissen bei der diesjährigen Kirmes berichtet:

„Was ist denn mit den Dudweilerern los? Gestern war ein großes und schönes Feuerwerk. Und wer war da? Ich habe an der Kreuzung Sulzbachtalstraße und St. Avolder Straße gestanden. Rund um mich habe ich höchstens 20 Personen gesehen! Davon waren noch 10 von der Feuerwehr! Das ist doch wirklich beschämend…“

Selbstverschuldete Abwärtsspirale? – Kommentar von Thomas Braun

Die diesjährige Dudweiler Kirmes scheint einen neuen Tiefpunkt im Dudweiler Veranstaltungskalender zu markieren. Aber den Schuldigen herauszufinden, dürfte wohl nicht so leicht sein. Zunächst einmal zur Ehrenrettung der „Bierstand-Betreiber“: Wer genauer hinschaut, sieht, dass hier keine Gewerbetreibenden am Werk waren, sondern der Dudweiler Carnevalsclub DCC in die Bresche gesprungen ist und die komplette Bewirtung auf dem Marktplatz übernommen hat – u.a. mit dem Bierstand, einem Würstchenverkauf, anderen warmen Gerichten und Kaffee und Kuchen. Ein Aufwand, der alleine mit ehrenamtlichen Helfern sicherlich nicht einfach zu stemmen ist und eigentlich ein großes Lob verdient.

Und dass die Schausteller ausbleiben, hat sicherlich auch mit dem mangelnden Besucherzuspruch zu tun: Wenn niemand mehr die Fahrgeschäfte nutzt, lohnt der Aufwand für die Schausteller nicht. Umgekehrt können sich wahrscheinlich immer weniger Dudweilerer die teuren Preise der Fahrgeschäfte leisten (- vier Fahrten auf dem Kinderkarussell kosten zum Beispiel sechs Euro). Und hinzu kommt: Eine Kirmes, der es an Attraktionen mangelt, kann auch kein Publikumsmagnet sein. Es kommen folglich also noch weniger Besucher – was im Umkehrschluss die Kirmes auch für die Schausteller immer uninteressanter macht …

Übervolles Freizeitangebot

Die Frage ist, ob diese Abwärtsspirale aufzuhalten ist oder ob das Konzept „Kirmes“ einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Klar ist, dass die „Kirb“ früher ein Höhepunkt war – für Jung und Alt. Aber damals gab es noch nicht so viele Alternativen, um in der Freizeit etwas Außergewöhnliches zu unternehmen. Heute haben wir über 200 Fernsehprogramme, Spielekonsolen, Internet und Smartphones. Das Angebot an möglichen Freizeitbeschäftigungen ist übervoll (ob diese sinnvoll sind, sei mal dahingestellt). Und ganz ehrlich: Wenn ich mir als kleiner Junge an meiner Wii-Konsole über das Internet spannende Autorennen mit Freunden aus der ganzen Welt liefern kann, setze ich mich doch nicht hinter das Lenkrad eines komischen Feuerwehrautos, das immer nur im Kreis fährt …

Gerne würde ich Vorschläge unterbreiten, wie die „Kirb“ wieder zu einem wahren Volksfest werden könnte – aber ich bin der Überzeugung, dass es sinnvoller ist, seine Energie in neue, zukunftsweise Ideen zu investieren, statt an alte, zum Aussterben verurteilten festzuhalten. Oder bin ich da auf dem Holzweg? Ihre Kommentare sind willkommen …

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7 Thoughts to “Armutszeugnis Dudweiler Kirmes?”

  1. Hans

    Nachzutragen wäre noch ein kleines Gespräch zwischen dem Eispalastbesitzer und mir: er sagte er komme jetzt 46 Jahre nach Dudweiler, aber so armselig sei es noch nie gewesen und auf meine Nachfrage warum sagte er mir: das ist nur die Schuld der Verwaltung hier.
    Was mir persönlich sehr viel Raum zur Interpretation lässt, aber irgendwie doch zu Dudweiler passt.

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  2. Harald Groß

    Hallo an alle

    ich muß jetzt doch mal ein offenes Wort loslassen. Das ganze Gejammer über die „Dudweiler Traditionen“ und die „traditionellen Dudweiler Kneipen“ und „die Kirmes die Dudweiler ach so liebenswert gemacht hat“ bringt uns nicht einen Zentimeter weiter.
    Konzepte die an ewig gestrigem rumjammern und deren innovative Grenze an einem „ordentlichen Damen -und Herren Oberbekleidungsgeschäft“ für die Fußgängerzone
    erreicht ist, sind der Tod für jeden Ort. Egal ob er Dudweiler heißt oder sonst wie.
    Und bevor hier jetzt wieder rumgemeckert wird.
    Ich behaupte keineswegs das meine Idee für die Fußgängerzone oder für Dudweiler im allgemeinen der geniale, allheilbringende Vorschlag war.
    Aber er war mal was anderes, als das öde Gejammer oder das beharren darauf, dass irgendwelche Verwaltungen oder Politiker an allem Schuld sind.
    Zeiten ändern sich nunmal. Verhältnisse ändern sich und wer sich nicht anpassen kann, der geht unter.
    Man lockt heutzutage mit keinem Bierzelt in dem irgendein Schalmeienkonzert abläuft, oder einem Frühschoppen in dem irgendein Männerchor etwas vorträgt das keinen interessiert, oder auch mit Boxkämpfen die niemanden mehr fesseln, irgendwelche Leute auf eine Kirmes.
    Genausowenig wie man Leute in eine Kneipe oder Restaurant bringt, die das Ambiente eines eingeschlafenen Fußes haben. Da macht weder Essen noch verweilen irgendwelchen Spaß. Abgesehen von ein paar traurigen Figuren die trübsinnig rumsitzen und deren einziger Beitrag im mehr oder weniger agressiven Heulen in ihr – natürlich- viel zu teures Bier besteht, dass früher viiiiiel besser und vor allem billiger war.
    IHR seid der Tod für Dudweiler. IHR seid diejenigen die alle die abbremsen, die mal was tun wollen was auch nur einigermaßen zeitgemäßer ist, als Sonntags zum Brennenden Berg zu spazieren und seufzend darüber zu sinnieren das „…der auch schon mal mehr geraucht hat als heutzutage.“ Und das es „..eine Schande ist, das irgendwelche Leute, die originale Goethetafel gestohlen haben“ was ja auch erst zwanzig Jahre her ist und somit bei manchen Leuten immer noch den Status von „hochaktuell“ hat.
    Und die Tatsache, dass dieser sogenannte „Eispalast“ auf der Kirmes, jetzt schon seit 46 Jahren immer dasselbe Aussehen hat, spricht dann ja für sich selbst.
    Aber jammern ist ja immer viel bequemer, als selbst etwas zu tun. Mit jammern unterstützt man ja Leute die etwas tun wollen -egal ob Politiker oder nicht- auch viiiiel besser.
    Das ist doch genau DIE Motivation die man braucht..der Blick in die traurigen Augen eines ewig gestrigen, der bei jeder neuen Idee abwinkt, der aber garantiert was in petto hat, dass früher immer funktioniert hat.
    Das es auch anders geht, zeigt zum Beispiel die Krumm Stubb mit ihrem Programm.
    Aber macht nur weiter so. Vielleicht schafft ihr es damit ja das Dudweiler als das „rückständigste Dorf Deutschlands“ einen Platz findet.

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  3. Hans

    wow, da hat aber einmal auf den Tisch gehauen. Respekt.
    Genau so isses, immer die ewig Gestrigen. Die Jungen dynamischen Bescheidwisser die sollen sich mal etwas einfallen lassen, so wie mit der Krumm Stubb.

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    1. Harald Groß

      Wellenreiter

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  4. Peter

    Hallo Hans,
    die erste Frage musst Du selbst beantworten. Zitat: „bin ich …seit Jahren wieder über die Kirmes gegangen“. Warum bist Du in in den letzten Jahren nicht auf der Kirmes gewesen? Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, wie alle anderen auch. Ansonsten hats Du recht. Weniger Besucher – weniger Schausteller – noch weniger Besucher – keine Kirmes mehr – und keiner merkt es. Vorschlag: Alter Markt und Dudoplatz auf dem Dudoplatz konzentrieren. Interessantes Rahmenprogramm bieten: Livemusik, politischer Bürgerfrühschoppen, Familienangebote … und gucken, was die anderen machen – oder ist überall im Saarland tote Hose?

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  5. Hans

    Hallo Peter, ja die Frage habe ich mir beantwortet. Beruflich und privat bedingt hatte ich jahrelang keine Gelegenheit die Kirmes zu besuchen. Jetzt aber wollte ich meinen Kindern mal eine Tradition nahe bringen die „Kirb“.

    Richtig wäre es, wie du sagst, alles am Dudo (oder Markt) zu konzentrieren und deine Vorschläge durch zuführen.
    Aber wie das in Dudweiler ja so ist, alles außer „Süd“ kannste zubetonieren.

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  6. Man sollte die Kirmes neu Gestalten mit einem neuem Programm,einem durchdachteren… und es mal mit atraktieveren Fahrgeschäften versuchen. In Dudweiler kommt es mir teilweise vor,als gäbe alles,einfach nur Hopp-la Hopp…aufgestellt…hauptsache es steht was da!!!!
    Es stehen immer die gleiche Schausteller,am gleichen Platz…es wirkt alles so kalt& tristlos…Da bekommt kein Kunde Lust mehr auf eine Kirmes…Man weis im Vorfeld schon,welches Fahrgeschäft kommt,und welcher Schausteller wo steht…

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