Geburtenklinik Dudweiler – Das Bauernopfer?

Die Diskussion um die bevorstehende Verlegung der Dudweiler Geburtenklinik nimmt nicht ab. Am 31. Mai ist eine große Protestveranstaltung geplant. Ob dies etwas ändern wird, bleibt aber fraglich – denn wirft man einen Blick auf das große Ganze, könnte Dudweiler im Endeffekt als kleines Bauernopfer dastehen.

Alle paar Jahre ist es soweit: Das Gesundheitsministerium präsentiert seinen Krankenhausplan – mit weit reichenden Konsequenzen für die saarländische Krankenhauslandschaft und vor allem für einzelne Standorte. Bei der anstehenden Planungsrunde ist u.a. das Dudweiler Krankenhaus stark betroffen. Es steht die Schließung des Aushängeschildes des Krankenhaues bevor: der Geburtenstation. Allerdings nicht, weil Gesundheitsminister Weisweiler es so will, sondern weil der Krankenhausträger cts – quasi in vorauseilendem Gehorsam – die Zusammenlegung von St. Josef in Dudweiler und St. Theresia auf dem Rastpfuhl selbst vorantreibt.

Zweifel an offizieller Begründung
Die offizielle Begründung klingt nachvollziehbar: Eine defizitär arbeitende Abteilung und rückläufige Geburtenrate – aus wirtschaftlichen Gründen ist eine Schließung des Standorts Dudweiler unvermeidbar. Zweifel an der Glaubwürdikeit dieser Begründung tauchen jedoch auf, je näher man sich mit dem Thema befasst: Erster Stolperstein war die Podiumsdiskussion in Dudweiler, bei der einer der Belegärzte seine eigene Rechnung aufmachte, wonach das Dudweiler Krankenhaus durchaus lukrativ zu betreiben wäre. Doch anstatt die Zahlen offen auf den Tisch zu legen, hat cts-Geschäftsführer Hans-Joachim Backes die Diskussion an diesem Punkt mehr oder minder abgebrochen… Entschuldigung, aber „glaubwürdig“ sieht anders aus.

Als Reaktion auf den Artikel über diese Diskussionrunde meldete sich Heinz-Leo Laturell zu Wort, offenbar ehemaliger Mitarbeiter-Vertreter des mittlerweile geschlossenen Heilig-Geist-Krankenhaus – ebenfalls in cts-Trägerschaft. Sein Kommentar ist eine Einzelmeinung und der Wahrheitsgehalt ist nicht offiziell bestätigt – aber will man ihm glauben, spricht er Bände: „So soll im Zuge der Schließung der St. Hedwig Klinik in Illingen das Rastpfuhl Krankenhaus zum Akademischen Lehrkrankenhaus erhoben worden und im Zuge der Schließung des Heilig Geist Krankenhauses eine größere Summe Geldes an den Caritasverband überwiesen worden sein. Die Wahrheit bleibt wohl für immer ein Geheimnis.“ (Quelle: http://www.s-o-z.de/?p=44444)

Erhöhung der Bettenzahl in Dudweiler
Kommen wir wieder auf die heutige Situation und die Diskussion um die Dudweiler Klinik: Der Abbau der Bettenzahl im Geburtenbereich entspricht den Vorgaben des neuen Krankenhausplanes, hier liegt die cts also auf einer Linie mit dem Gesundheitsministerium. Dass aber gleichzeitig durch den Ausbau anderer Abteilungen die Bettenzahl in Dudweiler deutlich gesteigert wird, sollte unserem Gesundheitsminster eigentlich gar nicht schmecken – sieht der Krankenhausplan doch generell einen Abbau von saarlandweit 250 Betten vor. Wie passt die Aufstockung da in den Plan? Andere Träger schreien auf, wie zum Beispiel die Kreuznacher Diakonie, die im Neunkircher Fliedner Krankenhaus auf Ihre Innere Medizin verzichten soll.

Auch die SHG-Trägergesellschaft handelt bereits. 2013 soll der Standort Brebach geschlossen werden, außerdem soll die Jugendpsychatrie von Kleinblitersdorf auf den Sonnenberg verlegt werden. Gegen die Schließung des Standortes Brebach hatte übrigens der Bezirksrat Halberg mobil gemacht – offenbar erfolglos. Hoffen wir, das dies kein Signal für Dudweiler ist.

Die richtigen Fragen kennen…
Was auf jeden Fall wichtig scheint, ist, in der anstehenden Diskussionsrunde die richtigen Fragen zu stellen und die passenden Argumente zu kennen. Platidüden wie „Ihr habt doch gerade erst Millionen investiert“ oder „Ihr werbt doch immer noch mit großen Anzeigen für die Geburtenklinik“ werden da nicht wirklich weiterhelfen.

Wichtiger sind vielleicht die Fragen: Was hat die cts davon, die Geburtenklinik in Dudweiler zu schließen? Welche Rolle spielt Dudweiler im nächsten Krankenhausplanung – oder viel wichtiger noch: Im übernächsten in fünf Jahren? Und: warum tun sich nicht wirklich private Investoren zusammen, um die Klinik zu übernehmen, wie es gerüchteweise schon einmal im Raum stand? Außerdem sollte man im Hinterkopf behalten, dass nicht nur die Dudweiler Klinik gerade für mehrere Millionen renoviert wurde. Auch auf dem Rastpfuhl wurde ordentlich investiert: Für 17 Millionen wurde u.a. der OP-Bereich modernisiert – 9 Millionen davon kamen aus dem Landeshaushalt.

Mein Fazit: Wir Dudweilerer kämpfen mit unserer Geburtenklinik auf ziemlich einsamen Posten, weil wir im großen Gesundheitsschach am Ende wirklich nur ein Bauernopfer sein könnten. Aber umgekehrt kann man mit einem Bauern auch eine Schachpartie gewinnen. Wenn man die richtige Strategie wählt und auch wirklich Ahnung von dem Spiel hat, dass man spielt…

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