Dudweiler – (könnte) besser sein als sein Ruf

„In memoriam 6602“ – früher war alles besser: So hat einer unser Blog-Leser einen Kommentar zur allgemeinen Situation in Dudweiler zusammengefasst. Ein Blick auf die statistischen Zahlen zeigt aber, dass unser Ort heute immer noch besser dasteht als der Saarbrücker Durchschnitt – auch wenn viele URBAN II-Projekte verpufft sind.

Eine Chance für Dudweiler: Nach vorne blicken statt zurück
Eine Chance für Dudweiler: Nach vorne blicken statt zurück

Urban II in den Jahren von 2011 und 2006 war ein Weckruf: Dudweiler wurde von der EU offiziell als „städtisches Krisengebiet“ anerkannt und gefördert. Insbesondere die mangelnde Integration der stetig wachsenden Gruppe ausländischer Mitbürger und die hohe Arbeitslosigkeit wurden als Problemfelder eingestuft.

Blickt man auf die aktuellen Zahlen (aus 2009, neuere Werte liegen nicht vor), so zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit in Dudweiler mittlerweile leicht unter dem städtischen Durchschnitt liegt und auch der Ausländeranteil geringer ist als im Saarbrücker Vergleich. Durchschnittlich neun Prozent betrug die Arbeitslosigkeit in Dudweiler (9,5 Prozent Gesamt-Saarbrücken). Der Ausländeranteil lag bei 12,1 Prozent im Vergleich zu 13,3 Prozent für Gesamt-Saarbrücken – wobei die Tendenz hier aber eindeutig steigend war: Während die Gesamt-Bevölkerung zurückgegangen ist (0-59-Jährige: -1.887 Einwohner von 1991 bis 2008), ist die Anzahl ausländischer Mitbürger im gleichen Zeitraum um 861 Personen gestiegen. Ebenfalls deutlich gestiegen ist der Anteil der Über-Sechszigjährigen (+591). Die Dudweiler Bevölkerung wird also zunehmend älter und multikultureller.

Starkes Gefälle zwischen den einzelnen Bezirken
Diese Durchschnittszahlen sind aber nur die halbe Wahrheit – schaut man auf die einzelnen Distrikte, zeigt sich ein ganz klares Gefälle: Während in Dudweiler Süd und Wilhelmshöhe nur jeweils 6,8 und 6,6 Prozent arbeitslos gemeldet waren, lag der Anteil in Dudweiler Nord 2009 bei 10,9 Prozent und in Dudweiler Mitte sogar bei 17,4 Prozent.

In Dudweiler-Mitte gab es auch den höchsten Ausländeranteil mit 19,6 Prozent, gefolgt von Dudweiler-Süd mit 17,5 Prozent, während der Anteil auf der Flitsch oder Pfaffenkopf bei knapp 6,5 Prozent lag.

Im Ortskern konzentriert sich also das, was in dem EU-Bericht als Problemfelder erkannt wurden: Hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit den Spannungen innerhalb der Bevölkerung, die durch den hohen Ausländeranteil hervorgerufen wird. Also gerade dort, wo das Leben einer Gemeinde pulsieren sollte, liegt auch der größte Problembereich.

Urban II verpufft
Die Maßnahmen, die durch URBAN II ins Leben gerufen wurden, sind teilweise wieder verpufft: Ob im Internet Web-Projekte vor sich hinschlummern (www.dudweiler-saar.de oder www.dudweiler-bewegt-sich.de), das liebevoll angelegte Rinnsal gegenüber dem Dudo-Platz zur Müllkippe verkommt oder die neu gestaltete Fassade des Dudweiler Krankenhauses, die auch nichts am möglichen Imageverlust ändern wird. Auch die mit Aufwand betriebene bessere Verkehrsanbindung Dudweilers wird durch die aktuelle Parkplatz-Situation mit Füßen getreten.

Ungenutztes Potential: Uni-Nähe
Unerklärlich ist, dass ein von dem EU-Bericht erkanntes, riesiges Potential von Dudweiler auch nach URBAN-II immer noch brach liegt: Die Nähe zur Universität. Dudweiler könnte eine junge, vitale Studenten-Stadt mit lebendiger Kultur- und Kneipenszene sein. Dudweiler könnte ein attraktiver Standort für junge StartUp-Unternehmen sein. Und in der Konsequenz könnte Dudweiler auch wieder eine Heimat für junge Familien sein und dem Trend der Überalterung entgegenwirken.

„In memoriam 6602“: Zurückblicken auf die alten Zeiten kann für Dudweiler keine Lösung sein, wenn es sich nach vorne entwicklen will.

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