Krankenhaus-Diskussion nicht nur in Dudweiler

Nicht nur in unserem Stadtbezirk wird derzeit über die Krankenhaus-Situation diskutiert, auch in Neunkirchen regt sich Widerstand gegen kürzlich bekannt gewordene Pläne, die Innere Medizin des Fliedner Krankenhauses zu schließen. Anders als in Dudweiler steht hier jedoch nicht die Geschäftsführung in der Schusslinie, die Proteste dort richten sich direkt gegen die geplante Krankenhausreform. Und die Details dieser Reform werfen auch ihre Schatten auf die Dudweiler Pläne.

Saar-Gesundheitsminister Georg Weisweiler (Foto: fdpsaar.de)
Saar-Gesundheitsminister Georg Weisweiler (Foto: fdpsaar.de)

In Neunkirchen soll nach den Plänen des Gesundheitsministeriums die Innere Medizin – nach Angaben der Krankenhausbetreiber eine mit 87 Prozent ausgelastete Abteilung geschlossen werden. Die Betreibergesellschaft Stiftung Kreuznacher Diakonie befürchtet jedoch, dass diese Schließung auch Konsequenzen für das Evangelische Krankenhaus in Saarbrücken nach sich ziehen könnte und erwägt sogar eine Klage gegen das Land. Auf die Details wollen wir hier nicht weiter eingehen, da sie bereits in mehreren Artikeln in der Saarbrücker Zeitung (Verlinkung am Ende der Seite) ausführlich erklärt wurden und unseren Stadtbezirk ja nicht direkt betreffen.

Krankenhausreform als eine Ursache des Übels?
Interessant ist jedoch, die Diskussion über unser „Kloschder“ vor dem Spannungsfeld der anstehenden Krankenhausreform zu sehen. So berichtete die Saarbrücker Zeitung zum Beispiel schon im September letzten Jahres, dass massive Änderungen bevorstünden. Sie zitierten ein 650 Seiten starkes Gutachten der Düsseldorfer Beratungsgesellschaft Gebera, wonach bis zu sechs Prozent der saarländischen Krankenhaus-Betten abgebaut werden sollten – in den Abteilungen „Innere Medizin“ und „Gynäkologie/Geburtshilfe“ sogar bis zu 13 Prozent. Aufgebaut werden sollten hingegen die Bereiche Intensivmedizin und Geriatrie.

Damals wehrte sich Hans-Joachim Backes, derzeit auch Vorsitzender der saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG) gegen diese Pläne. Seiner Ansicht nach bräuchte das Saarland eher mehr Betten, als weniger. Und diese Ziele scheint er nun auch umzusetzen: Bei der Podiumsdiskussion vergangene Woche verkündete Backes zum Beispiel, dass nach der Umstruktierung das Dudweiler Krankenhaus über deutlich mehr Betten verfügen werde, als bislang.

Das ändert jedoch nichts an den Vorgaben von FDP-Gesundheitsminister Weisweiler, der die derzeit 6500 Betten im Saarland um rund 250 Betten reduzieren möchte, wie er gegenüber dem SR mitteilte. Wo diese Kürzungen stattfinden, zeigt der Aufschrei aus Neunkirchen – und es dürfte nicht verwundern, wenn demnächst auch noch andere Klinikstandorte ins Licht der Öffentlichkeit rücken würden.

St. Josefs Krankenhaus in Dudweiler
St. Josefs Krankenhaus in Dudweiler

Wirklich die nachhaltigere Lösung?
Man kann festhalten: Änderungen werden wahrscheinlich unumgänglich sein – und vor dem Hintergrund der weiter sinkenden Geburtenrate darf auch über Schließungen von Entbindungsstationen nachgedacht werden. Warum dann aber die cts-Trägergesellschaft mit der Dudweiler Entbindungsstation gerade eines ihrer Marketing-Zugpferde schließt, erweckt den Eindruck, nicht weit genug gedacht zu haben.

Ein Vertrauen aufzubauen, wie es das Dudweiler Krankenhaus bei schwangeren Frauen und jungen Müttern genießt, dauert Jahre – einen Ruf zu zerstören, geschieht innerhalb weniger Wochen. Und während in Dudweiler derzeit knapp 600 Kinder pro Jahr das Licht der Welt erblicken, verzeichnet die Rastpfuhl-Abteilung mit mehr als doppelt so viel Kapazität „nur“ rund 800 Geburten pro Jahr. Wäre es vor diesem Hintergrund nicht sinnvoller gewesen, darüber nachzudenken, dass Dudweiler Krankenhaus in dem Bereich „Geburtshilfe“ zu stärken und die Abteilung vom Rastpfuhl hierher ziehen zu lassen. Auf den ersten Blick wäre das zwar sicherlich die kostenintensivere Variante gewesen – aber auf lange Sicht wahrscheinlich die wesentlich nachhaltigere. Oder wäre der zu erwartende Aufschrei aus Saarbrücken größer als die Dudweiler Proteste?

Mehr zum Thema:

SR-Reporter Siggi Lambert im Gespräch mit Georg Weisweiler
http://www.sr-online.de/nachrichten/1668/1217445.html

Berichterstattung der SZ zur Schließung der Inneren Medizin im Fliedner Krankenhaus
http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Evangelische-Kliniken-Fliedner-Krankenhaus-Evangelische-Krankenhaus;art27856,3726549

http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Saarbruecken-Innere-Medizin-Akut-Geriatrie-Gerog-Weisweiler-Reform-Krankenhaus-Neunkirchen-Klinik-Fliedner;art27856,3729226

SZ-Bericht von 2010 zur geplanten Krankenhausreform
http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/wirtschaft/Kliniken-Krankenhaus-Weisweiler-Kooperation-Gesundheit;art2819,3439034

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One Thought to “Krankenhaus-Diskussion nicht nur in Dudweiler”

  1. Thomas Braun

    Da der Rückgang der Geburtenrate mit ein Argument für die Verlegung der Geburtenklinik nach Saarbrücken ist, ist ein Blick auf die aktuellen Zahlen vielleicht ganz interessant. Die Geburtenrate ist zwar immer noch auf einem Tiefstand – aber im Vergleich zum letzten Erhebung wieder leicht gestiegen:

    http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Saarbruecken-geburten-Gerburtenrate-Baby-statistisches-Bundesamt-Saarland;art27856,3729224

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