Dudweiler – das Dorf der Autofahrer

Fast jeder zweite Einwohner in Dudweiler besitzt einen eigenen PKW – vor allem in den Randbezirken wie Pfaffenkopf und Wilhelmshöhe ist die PKW-Dichte sehr hoch. Also ausgerechnet in den Bezirken, in denen es keine oder nur wenige Geschäfte gibt. Ein Grund mehr, ernsthaft über ein neues, autofahrerfreundliches Park- und Mobilitätskonzept nachzudenken.

Vollgeparkter Dudoplatz: Ein Bruchteil der 13.000 PKWs, die es in Dudweiler gibt.
Vollgeparkter Dudoplatz: Ein Bruchteil der 13.000 PKWs, die es in Dudweiler gibt.

Die Zahlen lesen sich eindrucksvoll: Im gesamten Stadtbezirk Dudweiler gab es 2009 13.393 PKWs, das sind rund 461 Autos pro 1.000 Einwohner – und damit mehr als im Saarbrücker Durchschnitt (424 PKW pro 1.000 Einwohner). Bezieht man die Anzahl der PKW auf die über 18-jährige Bevölkerung in unserem Stadtbezirk, die zwischen 24.000 und 25.000 Personen liegt, heißt das, dass sogar mehr als jeder Zweite einen eigenen PKW besitzt.

Alleine diese Zahlen rechtfertigen eigentlich schon, dass man sich in Dudweiler Gedanken um einen autofahrerfreundlichen Ortskern macht: Immerhin ist die Hälfte aller Einwohner betroffen – oder wenn man es auf die Haushalte umlegt (ca. 11.000 Wohnungen) sogar jeder Haushalt.

Die kaufkräftige Kundschaft wohnt außerhalb
Wirklich offensichtlich wird der Handlungsbedarf jedoch, wenn man sich einmal anschaut, wie die Einzelhandelsversorgung in Dudweiler verteilt ist – auch wenn diese Zahlen aus dem Jahr 1993 stammen: Auf jeden Einwohner kommen durchschnittlich 2,1 m² Gewerbefläche, während sich aber das meiste davon in Dudweiler-Mitte konzentriert (7,7 m² je Einwohner) gibt es andere Ortsteile wie Pfaffenkopf, Geisenkopf oder Kitten, die komplett ohne Einzelhandel dastehen.

Das sind aber gerade die Bereiche mit den meisten PKW-Haltern und vergleichsweise geringer Arbeitslosigkeit – also die Ortsteile, in denen die mutmaßlich kaufkräftigste Kundschaft lebt. Im Dudweiler Zentrum hingegen, dort wo die größte Versorgungsdichte herrscht, liegt die Arbeitslosenquote bei über 17 Prozent (Stand: Juni 2009). Und hier gibt es auch die mit Abstand wenigsten PKW-Halter: Gerade mal 300 Autos kommen dort auf 1.000 Einwohner.

PKWs in der verwaisten Fußgängerzone
PKWs in der verwaisten Fußgängerzone

Autofreier Ortskern (noch) kein Konzept für Dudweiler
Und jetzt heißt es eins und eins zusammenzählen: Wie kann ein Ortskern überleben, wenn die kaufkräftige Kundschaft nicht vor Ort lebt, sondern von außerhalb anreisen muss – die PKWs, die in Dudweiler überdurchschnittlich vertreten sind, aber kategorisch aus der Innenstadt herausgehalten werden? So schön eine autofreie Stadtmitte sicherlich wäre, in Dudweiler geht sie derzeit an der Realität vorbei.

Die Zahlen sprechen lassen
Wir leben ja heutzutage in einer Zeit, in der hauptsächlich die Zahlen gewichtet werden und das Menschliche gerne mal auf der Strecke bleibt. Warum aber nicht mal die Zahlen zu Rate ziehen und etwas für die Menschen tun?

Jetzt ist die Politik gefordert, um über alles parteipolitische Geplänkel hinweg für die Menschen in ihrem Stadtbezirk zu handeln. Und das geht vermutlich am Besten, wenn man sich auf aussagekräftige Zahlen und nicht nur auf subjektives Empfinden verlässt.

Alternativen?
Auch die anderen Optionen, die es sicherlich gibt, wollen wir nicht verschweigen: Eine davon wäre, einstmals zu Grabe getragene Geschäftsideen wieder zu beleben. Eine Renaissance der Tante-Emma-Läden: Dort Einzelhändler ansiedeln, wo die solvente Kundschaft zu Hause ist. Nur liegen für die Erfolgschancen eines solchen Konzeptes (noch) keine Zahlen vor – und man müsste sich schon  wieder auf das subjektive Empfinden verlassen…

Interessant: Blick in die Statistik
Noch mehr statistische Zahlen gibt es im Stadteilbericht der Landeshauptstadt … oder demnächst bei uns! Denn die Zahlen offenbaren auch: Dudweiler ist besser als der Durchschnitt und viel besser als sein Ruf!

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6 Thoughts to “Dudweiler – das Dorf der Autofahrer”

  1. Willi Heintz

    Möchte Euch mal mitteilen wie man in Dudweiler abgezockt wird.
    Wir waren am vergangenen Sonntag dem 1.Mai in Dudweiler und haben an der IVV Wanderung mit Start und Ziel im Bürgerhaus teilgenommen. Weil wir wissen dass die Parkmöglichkeiten um das Bürgerhaus sehr begrenzt sind haben wir und noch einige Bekannte, die Fahrzeuge auf dem Dudoplatz abgestellt.
    Nach der Wanderung haben wir von dem Angebot des Vereins noch ein Mittagessen einzunehmen, gebrauch gemacht, uns mit dem Schirmherrn der Veranstaltung, Herrn Stephan Toscani unterhalten. (der begrüsste unter anderem dass die Wanderer von so weit anreisen)
    Zurück am Fahrzeug, ein DIN A4 Blatt zusammengefaltet mit der Aufforderung zur Zahlung der Parkmiete am Scheibenwischer, Mietpreis für knappe 3 Stunden 15.- €
    Wir sind von der Hauptstrasse auf den Platz eingefahren und haben nichts erkennen können das parken ( am Sonntag) kostenpflichtig ist.
    Macht weiter so, dann kommen keine Besucher mehr nach Dudweiler.

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  2. maz

    mal davon abgesehen das man von der hauptstrasse nicht einfahren kann da es eine einbahnstrasse ist gebe ich ihnen aber recht. deshalb konnten sie den hinweis auch nicht lesen. selbst wenn man ihn lesen will beim korekten einfahren muss man 5 minuten vor dem schild halten um zu begreifen was dort alles steht. es ist und bleibt eine sauerei das man dort rund um die uhr an jedem tag geld zahlen muss für ein schäbiges parken weitab der realität. es gibt genug ausweichmöglichkeiten in dudweiler die vom weg her gleich sind und dazu kostenlos.

    ich rufe hier zum öffentlichen boykott des dudoparkplatzes auf.
    wer ist dabei?

    ich zitiere es mal mit den worten sarazins.
    „Dudweiler schafft sich ab.“
    und das mit recht.

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  3. Hans

    Tja liebe Leute, das Parken auf dem Dudoplatz ist auf SAARBRÜCKER Mist gewachsen! Dies ist keine Dudweilerer Eigenart. Unsere Landeshauptstadt versteht es doch seit den 70er Jahren die Autos aus der Stadt zu verbannen. Denen wäre es doch am liebsten, wenn wir alle mit dem Fahrrad zu den Geschäften fahren würde. Achja noch etwas: „Dudweiler schafft sich ab“ ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Das ausführlich zu begründen sprengt den Rahmen meines Kommentares!

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  4. Thomas Braun

    Übrigens ist nicht nur Dudweiler ein Dorf von Autofahrern, generell haben wir hier im Saarland mit die größte PKW-Dichte in ganz Deutschland:

    Saarländer – ein Volk von Autofahrern
    http://www.sr-online.de/landleute/48/1089587.html

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  5. Jürgen Schwarzwald

    Heute stand mein erster Besuch des Ärztehauses an – nächste Parkmöglichkeit waren bisher die Behindertenparkplätze vorn auf dem Dudoplatz. Die wenigen anderen sind bei Regenwetter im Rollstuhl doch zu weit weg. Ich habe das Eingangsschild gelesen (und solange die Einfahrt blockiert s.o.), auch den Automaten betrachtet, aber keinen Hinweis darauf gefunden, dass die Behindertenparkplätze jetzt seit Januar kostenpflichtig sind. Wieso ist dies nunmehr ein Privatparkplatz, aber Saarbrücken ist alleinige Gesellschafterin der komunalen KBS? Ich vermute mal, es handelt sich um ein Ergebnis juristischer Phantasie und Gestaltungsmöglichkeit. Wird Dudweiler jetzt wenigstens analog zum „Dorf am Bach“ ernannt? Schade, ohne Bücherei (gelle, hat doch gestört), kostenfreie Parkplätze (wie in Sulzbach), Gymnasium und vieles mehr wird man die familiengeeigneten Bauplätze hier nur schleppend los … Herzlichen Glühstrom! Das Ende der Resteverwertung m. E. ist „ergebnisoffen“, aber abzusehen.

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  6. Jürgen Schwarzwald

    Ergänzung: füher kommunal – heute städtisch.
    Vielleicht kann man ja Schild und Automat mit dem Hinweis ergänzen, dass die Behindertenparkplätze jetzt etwas kosten? Mit einem großen weißen „€“ Eurosymbol auf dem Boden? Und am Eingang ebenso „Sonntags €“?

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