Unverzeihlicher Traditionsbruch oder den Umständen angepasste Entscheidung?

Die geplante Verlegung der Frauenklinik von ihrem angestammten Ort, dem Krankenhaus St. Josef, erhitzt nicht nur die Gemüter der betroffenen Personen, sondern beschäftigt uns auch seit einigen Tagen hier beim Dudweiler Blog. Was plant die CTS-Leitung, was sind die Beweggründe, was kann dagegen unternommen werden? Das waren vor allem die Fragen, die uns bislang beschäftigt haben?

Frisch renoviert: Das Krankenhaus in Dudweiler
Frisch renoviert: Das Krankenhaus in Dudweiler

Ausgeblendet haben wir bisher: Warum regt uns das eigentlich so auf? Im Gesundheitswesen explodieren die Kosten und ein gutes Krankenhausmanagement muss darauf reagieren. Vor wenigen Jahren (damals stand die Schließung des Klinikstandortes Brebach bevor) stellte sich Gesundheitsminister Weisweiler auf die Seite der Krankenhausmanager und befürwortete eine Schließung tendentiell: „Wir leiden eher an einer Über- als an einer Unterversorgung“, wurde Weisweiler in der Saarbrücker Zeitung zitiert. Außerdem regte er eine engere Zusammenarbeit der Kliniken untereinander an. Die Kliniken sollten „ihre Fachstruktur so ausrichten, dass sie sich künftig ergänzen.“

Handeln im Sinne des Gesundheitsministers
Was die CTS im Moment also plant, ist nichts anderes, als die Wünsche des Gesundheitsministers umzusetzen. Und aus kaufmännischer Sicht mag es sicherlich auch die richtige Entscheidung sein, Abteilungen und Fachkräfte zu bündeln, Kompetenzen zusammenzuführen und Kosten einzusparen. Hinzu kommt, dass Dudweiler mit den Krankenhäusern in St. Ingbert, Sulzbach und den Klinikstandorten in Saarbrücken ja eigentlich recht gut versorgt ist.

Also, was regt uns Bürger so auf? Was ärgert uns so dermaßen? Ist es einzig und alleine der Umstand, dass uns ein weiteres Stück unserer Identität genommen wird? Oder fühlen wir mit den Angestellten mit, die bereits jetzt unter enormen Druck arbeiten, der in Zukunft eventuell noch steigen wird? Und die zudem wohl Gehaltseinbußen hinnehmen müssen? Oder ist es schlichtweg die Machtlosigkeit, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden und nicht mehr mitentscheiden zu können?

Ein Stück Tradition wird genommen
Tatsache ist, dass uns mit der Geburtsstation einen großes Stück Tradition genommen wird, das Dudweiler weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Gerade zu Zeiten von Chefarzt Dr. Schales, der maßgeblich am Aufbau der Abteilung in seiner heutigen Form beteiligt war, hat sich die Entbindungs-Station des Dudweiler Krankenhauses einen guten Ruf erarbeitet. 1998 wurde die gynäkologische Abteilung sogar mit dem „Management Award ’98“ des „Institut for International Research“ ausgezeichnet. Dabei konnte sich unser kleines Krankenhaus gegen große nationale Konkurrenz durchsetzen.

Und auch heute ist das Gros der Mütter, die in jüngerer Zeit im „Kloschder“ entbunden haben, immer noch vollauf zufrieden mit der Qualität der Betreuung. Das haben die Rückmeldungen in einzelnen Foren, z.B. bei WKW gezeigt – auch wenn es dort einzelne gegenteilige Meinungen gibt.

Empörung berechtigt – mehr leider nicht
Die Empörung der Bevölkerung scheint berechtigt – vor allem vor dem Hintergrund, dass das Krankenhaus gerade erst für 11,6 Millionen renoviert wurde. Fast die Hälfte davon kam aus öffentlichen Töpfen (4,6 Millionen vom Land, 500.000 aus dem Urban II-Projekt) – und zumindest von der Idee her sollte die Bevölkerung ja ein Mitspracherecht haben, wenn ihre Steuergelder investiert wurden.

Dennoch bleibt zu befürchten, dass die Proteste verpuffen werden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die geplante Zusammelegung sicherlich kein falscher Schritt. Und wie wir gesehen haben, ist es wohl auch ganz im Sinne des Gesundheitsministers, dessen Ministerium die Krankenhausaufsichtsbehörde untersteht.

Die Einzigen, die hier das Nachsehen haben, sind die Mitarbeiter des Krankenhauses, deren sowieso schon anstrengende Arbeit mit weiteren Einschränkungen verbunden sein wird, und die Dudweiler Bürger, denen ein Stück Identität genommen wird.

Alle Artikel zur geplanten Schließung der Geburtenklinik:
http://www.dudweiler-blog.de/category/krankenhaus/

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2 Thoughts to “Unverzeihlicher Traditionsbruch oder den Umständen angepasste Entscheidung?”

  1. admin

    Schade finde ich besonders, dass durch den Wegfall der Geburtsklinik in Dudweiler das einzige echte Aushängeschild des Dudweiler St. Josefs Krankenhauses gestrichen wird. Alle anderen Abteilungen genießen lange nicht den Ruf wie es die Geburtsklinik genießt.
    Darüber hinaus müsste es doch so sein, dass es gerade wenn es um das Geld verdienen in einem Krankenhaus geht, die Geburtsklinik im Zeitalter von Fallpauschalen ein Bereich sein müsste, in dem tatsächlich noch gutes Geld „verdient“ wird. Vor dem Hintergrund kann ich die Entscheidung auch rein wirtschaftlich nicht nachvollziehen. (Von den vor kurzem erst getätigten Investitionen in die Geburtsklink ganz zu schweigen).

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  2. Empörung, Unverständnis, Entsetzen……, nicht nur in Dudweiler.
    Wer hat dies verbockt? Verprasste Millionen……, wen klagen wir an?
    Wir hören keine politischen Stimmen- schlechtes Gewissen?
    Die Geburtenzahl steigt an weil das Ambiente stimmt und die Betreuung bewährt und einzigartig ist.
    Das kann nicht verpflanzt werden.
    Dennoch lohnt es sich zu protestieren und denen da oben zu zeigen wie eine solche Entscheidung angenommen wird!

    Wehrt euch mit uns!

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